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28 YEARS LATER: THE BONE TEMPLE

Regie: Nia DaCosta / Großbritannien, USA 2025 / 109 Min.
Besetzung: Ralph Fiennes, Aaron Taylor-Johnson, Jodie Comer, Alfie Williams
Produktion: Alex Garland, Danny Boyle, Andrew Macdonald
Vertrieb: Sony Pictures
Freigabe: FSK 18
Start: 15.01.2025

Wann ist der Mensch ein Mensch? Und ab wann etwas anderes?

Mit diesen Fragen beschäftigte sich 28 YEARS LATER vor ziemlich genau einem Jahr bereits in einigen Szenen, während der übergeordnete Plot jedoch noch vielmehr Themen wie Vaterschaft und Verantwortung in den eigentlichen Fokus rückte.

THE BONE TEMPLE schlägt unter der Regie von Nia DaCosta (CANDYMAN) nun jedoch genau diesen Weg ein und entführt uns in eine Meditation der Apokalypse. Eine Meditation über das Menschsein, Glauben, Schamanismus sowie den Ursprung von Religion und Spiritualität.

Im Zentrum des Films steht hierbei einerseits wieder die Geschichte von Spike, welcher sich nach den Ereignissen des letzten Films alleine durch diese Welt schlagen muss und so an eine Gruppe Kultisten gerät, welche mit ihren blonden Perücken und ihrem Auftreten beinahe aus einer problematischen Version der SESAMSTRASSE stammen könnten. Bereits hier wird die sehr eigene Sprache des 28 YEARS-Universums deutlich. So wird nicht mit Klischees des Zombiegenres gespielt, sondern ein sehr britischer Ansatz verfolgt. Praktisch alles basiert auf britischer Folklore und Popkultur der späten 90er, wird durch den Postapokalypse-Fleischwolf wild verdreht wieder ausgespuckt und prägt so eine sehr eigene Identität aus.

THE BONE TEMPLE beschäftigt sich viel weniger mit dem großen Ganzen, nicht mit der Welt da draußen, sondern mit den intrinsischen Dynamiken einer aus den Fugen geratenen Insel.

Den zweiten, wohl noch klarer herausgestellten Kern bilden jedoch der von Ralph Fiennes gespielte Dr. Ian Kelson und seine Beziehung zu dem gigantischen Infizierten Samson. Wurde diese Beziehung im Vorgänger nur gestreift, wird nun über die Hälfte der Laufzeit darauf verwendet, sie tiefergehend zu beleuchten und philosophisch zu betrachten. Wie das geschieht, darf bereits jetzt als eines der Highlights des Jahres bezeichnet werden. Angeführt von einem extrem performativ und körperlich spielenden Ralph Fiennes, welcher hier eine seiner Karrierebestleistungen abliefert, schwanken die Szenen dieses ungleichen Paares von einem Extrem ins nächste, ohne jemals unnatürlich zu wirken.

Und so treffen immer wieder Taten der beinahe schon unnatürlichen, splattrigen Gewalt auf solche der zarten Nächstenliebe. Zerplatzende Schädel auf sich treffende Fingerkuppen, Schreien auf Schweigen, die Grausamkeit der Welt auf die Schönheit des Mondes.

Dieses beinahe schon sture Überleben der Menschlichkeit, das Erhalten des Zarten in dieser unnachgiebigen Welt, lässt sich auch wunderbar in unser heutiges Leben übertragen und schafft so einen wunderbar zeitgenössischen Kommentar, ohne jedoch zu realpolitisch zu werden.

THE BONE TEMPLE ist ein wundervolles Plädoyer für das, was uns zu Menschen macht. Mit allem Positiven und Negativen. Und gibt so dem momentan etwas eingestaubten Zombiegenre einen mehr als würdigen neuen Eintrag, der den bereits guten Vorgänger klar überflügelt. (Simon Greichgauer)

Extrem intensiv und fokussiert. Großartig.

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28 YEARS LATER: THE BONE TEMPLE

Regie: Nia DaCosta / Großbritannien, USA 2025 / 109 Min.
Besetzung: Ralph Fiennes, Aaron Taylor-Johnson, Jodie Comer, Alfie Williams
Produktion: Alex Garland, Danny Boyle, Andrew Macdonald
Vertrieb: Sony Pictures
Freigabe: FSK 18
Start: 15.01.2025