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SHIVERS FILM FESTIVAL 2021

Brandheiß, aktuell, jetzt!
Heute startet das SHIVERS FILM FESTIVAL 2021 und bietet vier Tage ausgewähltes Filmvergnügen.

Nachdem die 2020er Ausgabe aus bekannten Gründen ausfiel, entschloss man sich dazu, das 2021-SHIVERS in zwei Teile zu splitten. Teil 1 fand vom 19. bis 24. April als Online-Veranstaltung statt und war ein großer Erfolg: Über 5000 verkaufte Tickets, 7000 Zugriffe auf den im Rahmen des Festivals gratis verfügbaren CRAZY WORLD … Das zu hören freut den Genrefan natürlich.
Nichtsdestotrotz ist „Wir haben die große Leinwand sehr vermisst“ (wie die Macher auf der Festivalwebsite kommentieren) ein Satz, den wir wohl alle unterschreiben. Zweimal. Mit Edding.
Umso schöner ist es, zu sehen, dass Teil 2 als Präsenzveranstaltung stattfinden kann.

Im Vorfeld ein wenig ins Programm schnuppern durften wir auch in diesem Jahr, und rund um das Centerpiece BENEDETTA haben die Macher des sympathischen Festivals, das „klein und fein“ in vollen Zügen atmet, neun weitere Genre-Perlen (plus Kurzvorfilm-Programm) versammelt.
Kenner des Festivals haben auch nicht weniger erwartet.
Und so gibt es auch in diesem Jahrgang ein breit aufgestelltes Leinwanderlebnis. Von absurder Eskalation beim Heiratsantrag, über Zeitexperimentswahnsinn, von seltsam sauberem Kultbehaviour bis hin zu düsterstem Southern Gothic – und nicht zu vergessen den „Abend mit Wakaliwood“, der den Samstag garantiert durchgeknallt enden lassen wird.
So ist das SHIVERS eben. Ein wildes Raunen durchs lauschige Konstanz am Bodensee.
Inklusive nicht weniger als vier Deutschlandpremieren und einer Europapremiere.
Und die hat es in sich:

WHAT JOSIAH SAW ist ein dunkles Stück Familiengeschichte. Verdammt dunkel sogar, im tiefen Süden der USA. Wo diese alte Farm steht, auf dem Land, das die Ölfirma wegen einer geplanten Pipeline erwerben will. Wo Thommy mit seinem Vater wohnt, irgendwie in der Zeit steckengeblieben. Umgeben von Tristesse, neblig-entseelten Räumen, Alkohol schon am Morgen und diesem Wissen, dass Mom nicht in den Himmel kommen wird, sondern in der Vorhölle oder dem Fegefeuer steckt. Denn Mom starb nicht, wie gläubige Menschen sterben dürfen. Und so fiel alles auseinander. Das zumindest behauptet Josiah, den Robert Patrick spielt wie die nackte Inkarnation des destruktiven Patriarchats. Furchteinflößend durch und durch. Ein manipulativer, unangenehmer alter Mann, der Schuld zuweist, verletzt und seinen Sohn demütigt, dass einem der Mund offen steht. Und dann sind da die Zwillinge, Bruder und Schwester, die es schafften, sich aus Josiahs Bann zu lösen. Zerbrochen, traumatisiert, gescheitert auf unterschiedliche Weise. Nun erwachsen und nicht wirklich bereit, die Familie Graham bzw. das, was davon übrig ist, zusammenzuführen. Aber der Verkauf der Farm will diskutiert werden. Und die Vergangenheit kommt mit zum Treffen … Harter Tobak, Brechen von Tabus, eigenwillig in vier Kapiteln erzählt, in benommener Bildsprache. Empfehlenswert und Southern Gothic pur.

Aber auch Filme wie MIDNIGHT IN A PERFECT WORLD bleiben hängen. Dieser fast schon nihilistische philippinische Film, der mit wenigen Mitteln eine so dichte Atmosphäre erzeugt, dass die Angst dir genauso im Genick hängt wie sie’s bei Mimi tut. Während sie durch die Gänge des „Safe-Houses“ geht. In Manila, wo in einer gar nicht fremden Zukunft immer mehr Menschen „blackouten“. Einfach verschwinden. In den unnatürlich dunklen Nächten, wenn man sich unerlaubt draußen aufhält. Weil man jung ist. Feiern will. Das Leben sucht, Drogen braucht. Auch wenn die Miliz patrouilliert oder gerade deswegen. Aber ist da nicht noch etwas anderes draußen. Etwas nicht von dieser Welt, etwas, das „den Mond stehlen“ kann? Ein verdammt surrealer Film ist das. Oder doch nur ein schlechter Trip? Ein Rausch so oder so. Der das Regime anprangert und in Genre-Kino schwelgt. Und in Tapeten.

Ein bisschen Durchatmen lassen dann Filme wie AN IDEAL HOST. Der ist nämlich ein kleiner Lügner! Und wenn in der Programmbeschreibung steht „Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt“ – dann ist das nichts als die Wahrheit. Darum kann und darf auch nicht mehr über diese zu Film gebrachte Perfektionsneurose gesagt werden, als dies: Liz und Jackson sind das ideale Paar. Mit idealem Häuschen im australischen Outback, mit idealem See und idealem Vieh, selbstverständlich idealen Freunden und dem idealen Wochenende, um den Heiratsantrag vor eben diesen zu inszenieren. Durchgeplant bis hin zum Text – und wie er bittschön gesprochen werden muss. Doch dann bricht Freund Kyle die Regeln, bringt nicht nur den neuen Lover mit, sondern auch Daisy. Und was als klassische Eskalationskomödie beginnt, wird zu … Stop! Ansehen. Es lohnt. Ist überraschend blutig. Und sehr, sehr lustig.

Also verbleiben wir auch diesmal mit den Worten: Habt Spaß, lacht, verzweifelt, fürchtet euch vielleicht ein bisschen. Und lacht dann wieder. Fühlt Kino. So muss es sein.

(Germaine Paulus)

 

SHIVERS FILM FESTIVAL 2021

28. bis 31.10.2021

Zebra Kino

Konstanz

Das vollständige Programm mit Infos, Trailern und dem Ticketverkauf findet ihr hier!

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