Regie: Gore Verbinski / Deutschland, USA 2016 / 146 Min.

Darsteller: Dane DeHaan, Mia Goth, Oscar Isaacs, Ivo Nandi, Adrian Schiller, Celia Imrie, Harry Groener, Tomas Noström, Ashok Mandanna, Magnus Krepper

Produktion: Gore Verbinski, Arnon Neubauer, David Crockett

Freigabe: FSK 16

Veleih: 20th Century Fox

Start: 23.02.2017

 

 

 

Der junge, ehrgeizige Manager Mister Lockhart (Dane DeHaan) wird beauftragt, den Vorstandsvorsitzenden der Firma (Harry Groener) von einem idyllischen, aber mysteriösen „Wellness-Center“ zurückzuholen, das sich an einem abgelegenen Ort in den Schweizer Alpen befindet. Schon bald vermutet er, dass die wundersamen Anwendungen des Spas nicht das sind, was sie zu sein scheinen. Als Lockhart beginnt, die erschreckenden Geheimnisse aufzudecken, wird sein Verstand auf eine harte Probe gestellt: Bei ihm wird die gleiche seltsame Krankheit diagnostiziert, die alle anderen nach Heilung verlangenden Gäste dort festhält …

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Gore Verbinskis Regiearbeiten sind vor allem eines: anders. Und mehr, als sie sein müssten. Seine unzähligen Arbeiten, zu denen das Horror-Meisterwerk Ring ebenso gehört wie die ersten drei Filme der FLUCH DER KARIBIK-Reihe, aber auch das nach wie vor immens unterschätzte Western-Abenteuer LONE RANGER, bieten von allem immer ein bisschen mehr, als es für den Mainstream üblich ist. RING war nicht bloß ein x-beliebiger, auf Jump-Scares bauender Horrorschocker, sondern ein intensiver Crime-Thriller mit in Mark und Bein übergehenden Horrorelementen. Genauso, wie das PIRATES-Franchise für einen unter Disney-Flagge auflaufenden Familienblockbuster immer eine Spur zu düster war. Von der virtuosen Achterbahnfahrt durch den Wilden Westen ganz zu schweigen, die vermutlich einfach nur ihrer Zeit voraus war (und im Umkehrschluss in wenigen Jahren gefeiert werden dürfte). Wenn so jemand nun erneut die Genregefilde des Thrillers, Horrors sowie des Psychofilms betritt, dann geht das nicht ohne großes Tamtam. Dann ist Gore Verbinskis neuestes Projekt eben satte 146 Minuten lang, wurde trotz des logistischen Aufwandes nicht im Studio, sondern in diversen europäischen Ländern on Set gedreht, und die Geschichte streift Themen, wie man sie sonst eher im Arthouse-Bereich vermuten würde. Am Ende ist A CURE FOR WELLNESS ein paralysierender Höllenritt mit der Anmut eines morbiden, in Blut gemalten Gemäldes, dessen visuellem Rausch man sich von der ersten Minute an nicht entziehen kann.

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Es ist schwer zu beurteilen, in was für einer Welt A CURE FOR WELLNESS genau spielen soll. Ist es ein direktes Abbild unserer Realität, nur eben mit einem darübergelegten, dämpfenden Blau-Grau-Filter? Ist es die dystopische Zukunftsvision? Oder ist diese Sichtweise womöglich abhängig davon, wie viel Workaholic tatsächlich in einem steckt? Direkte Anhaltspunkte liefert Gore Verbinski seinem Publikum dafür nicht. Tatsächlich überlässt er ihm die Interpretation ganz allein; auch wenn damit die Gefahr einhergeht, dass A CURE FOR WELLNESS nicht von allen Zuschauern gleich gelesen wird. Wie sehr hat uns unsere Arbeit bereits gefangen genommen? Wie illusorisch sind die vielen krypischen Werbeslogans der Marke „Die Gesellschaft ist krank“, deren Heilung lediglich das fiktive Wellnesshotel in den Schweizer Alpen birgt? Sind wir tatsächlich schon jetzt „reif für die Kur“? Und ist es tatsächlich so eine realitätsfremde Vorstellung, dass die Lösung für all unsere Probleme automatisch außerweltlich erscheinen muss, um noch Heilung zu versprechen? Häppchenweise wirft uns Regisseur und Story-Autor Gore Verbinski (schrieb das Skript zusammen mit LONE RANGER-Autor Justin Haythe) all die vielen Anhaltspunkte vor die Füße und gibt den Weg frei zur munteren Interpretation. Wo die einen in der Prämisse von A CURE FOR WELLNESS eine finstere Zukunftsvision sehen, womöglich gar ein absolut realitätsfremdes Mystery-Szenario, mag es gar nicht so weit gedacht sein, wenn andere wiederum sich stärker im von Fleiß und Arbeit zerfressenen Protagonisten Mister Lockhart wiedererkennen, als ihnen lieb ist. Auf geht’s zur Kur in die Schweiz!

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Das stimmt zugegebenermaßen nicht ganz, denn obwohl das Spa in A CURE FOR WELLNESS offiziell in den Schweizer Alpen verortet ist, wurden große Teile des Films in Deutschland gedreht. Für die Aufnahmen der schlossähnlichen Anlage filmte man die baden-württembergische Burg Hohenzollern.