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Amorphis

AMORPHIS IM INTERVIEW

AMORPHIS – 32 JAHRE ZEITLOSIGKEIT

2020 feierten AMORPHIS ihr 30-jähriges Jubiläum, doch die große Party blieb bislang pandemiebedingt aus. Das neue Album HALO, das am 11. Februar erscheint, könnte sie einläuten, denn einmal mehr, in beeindruckender Kontinuität, liefern AMORPHIS darauf qualitativ hochwertigen Metal mit düsteren und epischen Momenten und dem einen oder anderen progressiven Einsprengsel. Wir sprachen mit Keyboarder Santeri Kallio über die neue Platte, die via Atomic Fire Records erscheint, die Rolle von Tasteninstrumenten in der Rockmusik und das perfekte Ende in Horrorfilmen.

 

DEADLINE: Gratulation zum neuen Album! Auf der einen Seite erkennt man gleich euren Stil, auf der anderen Seite aber auch Veränderungen zu den letzten Platten. Für mich ist HALO linearer, härter und etwas weniger experimentell.

Santeri Kallio: Ich denke auch, dass es härter klingt, finde es aber ziemlich experimentell. (lacht) Aber ich weiß, was du meinst: Auf den letzten Alben hatten wir drastischere Veränderungen zwischen den Songs, während auf HALO alles etwas mehr zusammenhängt. Die Übergänge sind weicher. Und alle Details sind da, aber sie sind versteckter.

DEADLINE: Eins von AMORPHIS‘ Markenzeichen ist die Balance zwischen Härte und leichtfüßigen Melodien. Kommt diese Balance beim Songwriting ganz natürlich zustande oder arbeitet ihr die Songs bewusst durch: Oh, hier ist ein Teil, der härter klingen müsste, lass uns da was ändern?

Santeri Kallio: Wenn es ein hartes Gitarrenriff gibt, versucht Tomi (Joutsen; Sänger), eine Melodie dazu zu komponieren, und wenn die das Ganze zu leicht macht, setzen wir auf Growls. Für mich ist die Magie von AMORPHIS, dass wir von Heaviness zu fast poppigen Momenten wechseln. Jens (Bogren), unser Produzent, hat diesbezüglich die letzte Entscheidung, aber Tomi bringt die ersten Ideen ein. Weil die aktuellen Songs aber schon recht komplex und progressiv sind, versuchen wir gerade beim Gesang, die Dinge eher einfach zu halten.

DEADLINE: Wo verortest du dich als Keyboarder zwischen Härte und Melodie?

Santeri Kallio: Ich mag beides. Das härteste Material kommt von Esa (Holopainen; Gitarre), weil er vor allem mit der Gitarre komponiert. Manchmal gibt es zwar auch etwas Metallischeres von mir, aber ich konzentriere mich aktuell vor allem auf Melodien.

DEADLINE: Du nutzt auch auf HALO verschiedene Soundfacetten des Keyboards. Gibt es bestimmte, die du bevorzugst – klassisches Piano, warme Hammondorgel oder futuristische Kälte?

Santeri Kallio: Ich liebe alle möglichen Atmosphären, versuche aber, zu moderne Sounds zu vermeiden, auch wenn es seit mindestens zehn Jahren Trend ist, solche Keyboards im Metal zu verwenden. Ich mag elektronische Musik und habe selber einige elektronische Projekte, aber ich denke, ein Teil von AMORPHIS‘ Sound, den ich beisteuern kann, ist ein Hauch aus der Vergangenheit, also Keyboards, die nach PINK FLOYD, DEEP PURPLE oder RAINBOW klingen. Sie geben der Musik etwas Nostalgisches und Zeitloses, statt unbedingt nach 2022 zu klingen. Und Jon Lord ist eines meiner größten Idole!

DEADLINE: Wie hast du eigentlich deine Leidenschaft für Keyboards entdeckt?

Santeri Kallio: (lacht) Das ist eine langweilige Geschichte. Meine große Schwester und mein großer Bruder lernten Klavier, als ich ungefähr vier Jahre alt war, und meine Mutter sagte, dass ich das auch immer wollte. Ich bin mir dabei nicht so sicher, vielleicht war es die einfachste Lösung, alle Kinder zum Unterricht zu schicken, weil er ohnehin schon bezahlt war. (lacht) Aber für mich erwies sich klassisches Klavierspiel als zu technisch und komplex, und ich konnte mich damit nicht ausdrücken, also hörte ich damit auf. Die Herangehensweise von Rock’n’Roll-Pianisten dagegen sprach mich an: viel Raum für Expressionen, schnell zu lernen und für den eigenen Kompositionsprozess zu verwenden.

AMORPHIS und die Mythologie

DEADLINE: Du hast vorher eine gewisse Zeitlosigkeit von AMORPHIS erwähnt. Auch die mythologisch inspirierten Texte tragen dazu bei. Wie wichtig ist euch Mythologie, gerade in der modernen Welt?

Santeri Kallio: Ich bin sehr stolz darauf, dass AMORPHIS nicht nur über Partys oder moderne Probleme singen. Wir behandeln zeitlose Themen auf poetische Weise. Die Texte sind Gedichte, die sorgfältig ins Englische übersetzt werden. Pekka (Kainulainen; finnischer Dichter), arbeitet intensiv mit uns zusammen. Er liefert die Texte manchmal schon ein halbes Jahr, bevor wir komponieren. Das hilft uns sehr, die gewünschte Atmosphäre zu entwickeln.

DEADLINE: Als erste Single von HALO habt ihr „The Moon“ ausgewählt. Der Mond taucht oft bei euch auf, genauso wie das damit verbundene Kreissymbol, das sich auf vielen eurer Cover finden lässt. Was macht diese Symbolik so wichtig für euch?

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Santeri Kallio: Witzig, dass du das erwähnst – ich habe, ehrlich gesagt, noch nie darüber nachgedacht. Aber es stimmt, wir haben viele Sonnen, Monde und andere Kreisformen in unseren Artworks. Der Mond ist seit jeher eine wichtige Erscheinung für die Menschheit, romantisch und mystisch. Und unsere Musik verbindet verschiedene Stile. Vielleicht repräsentiert der Kreis ja, was wir sind: Es gibt keine Ecke, an der man anhält, es geht immer weiter.

DEADLINE: Da wir schon beim Visuellen angekommen sind, lass uns noch über Filme sprechen. Du magst vor allem Horrorfilme aus den 1980ern.

Santeri Kallio: Wer tut das nicht? Ich mag sie, weil es darin gute Musik gibt, zum Beispiel von John Carpenter. Damals wurden ja viele elektronische Instrumente statt orchestraler Musik in den Soundtracks eingesetzt. Aber ich mag sie auch, weil Filme wie HALLOWEEN oder PRINCE OF DARKNESS neuen Schwung in das Genre brachten. Und natürlich war das Aufkommen von VHS und Videokameras eine große Sache, weil es möglich machte, seine eigenen Horror- und Splatterfilme zu drehen.

DEADLINE: Was du nicht magst, sind Happy Ends in Horrorfilmen – wie sieht für dich das perfekte Horror-Ende aus?

Santeri Kallio: Jeder stirbt. (lacht) Es ist nichts Verkehrtes an einem Happy End, aber ich bevorzuge deprimierende Filme. Wenn ein Horrorfilm ein gutes Ende nimmt, fühlt sich das oft aufgesetzt an, um Leute glücklich zu machen. Ich will am Ende eines Films nicht glücklich sein. Ich bin glücklich, wenn ich nicht glücklich bin. (lacht)

DEADLINE: (Un-)happy last words – vielen Dank für das Gespräch!

Interview geführt von Dr. Peter Podrez

 

Hier z.B. erhältlich ab dem 11.02.2022 als Digipak oder als Doppelvinyl

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