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ANTLERS

ANTLERS-REVIEW – JETZT AUF DISNEY+

Regie: Scott Cooper / USA, Mexiko, Kanada 2021 / 99 Min.
Darsteller: Keri Russell, Jesse Plemons, Jeremy T. Thomas, Graham Greene, Scott Haze, Rary Cochrane, Amy Madigan
Produktion: Guillermo de Toro, David S. Goyer, J. Miles Dale
Freigabe: FSK 16

Mit einem Klick könnt ihr ANTLERS hier streamen!

Filme, Musik und Bücher können den Betrachter oder Leser nicht nur in eine andere, fremde Welt einführen, sondern zugleich mit Problemen und Situationen konfrontieren, die einem im Alltag so nicht begegnen. Auch wenn sich der Bezug zu unserem Leben in einem Science-Fiction-Roman oder einem Fantasyfilm nicht automatisch ergibt, so erkennt man ihn, wenn man einmal die Oberfläche hinter sich lässt und hinter diese Fassade schaut. Eine solche Herangehensweise an die eigene Arbeit als Filmregisseur ist auch Scott Cooper sehr vertraut, sodass die Geschichte eines Gangsterbosses wie in BLACK MASS oder eines alternden Countrystars wie in CRAZY HEART letztlich auch eine Geschichte über uns ist, über das Leben, das Scheitern, die Angst und den Horror des Alltags. In den Augen Guillermo del Toros waren jene Filme in gewisser Weise Horrorfilme, weshalb er eines Tages seinen Kollegen Cooper darauf ansprach, ob dieser nicht gewillt sei, einmal tiefergehend das Genre zu erkunden. Basierend auf der Kurzgeschichte THE QUIET BOY von Autor Nick Antosca, der auch am Drehbuch mitschrieb, entstand so eine Geschichte über Armut, Gewalt und das Überwinden einer lähmenden Angst.

Worum geht es in ANTLERS?

In der kleinen Gemeinde Cispus Falls, Oregon, kennt jeder jeden, und der Alltag der Einwohner ist vielfach von der ewig gleichen Routine geprägt, besonders seit der Schließung der letzten Fabriken und Minen vor einigen Jahren. Die Lehrerin Julia Meadows (Keri Russell) arbeitet in der einzigen Schule und wird, wie ihre Kollegen, immer wieder mit der Realität ihrer Schüler und Schülerinnen konfrontiert, deren Eltern sich für ihre Kinder im Winter keine passende Kleidung leisten können oder diese ohne etwas zu essen in die Schule schicken. In letzter Zeit macht sie sich zunehmend Sorgen um den kleinen Lucas (Jeremy T. Thomas), der sich immer weiter zurückzieht und Spuren von Vernachlässigung zeigt sowie verstörende Zeichnungen im Unterricht anfertigt. Als Julia den Jungen darauf anspricht, weicht dieser ihren Nachfragen aus, was die Lehrerin noch weiter besorgt.

Da die Situation sie beunruhigt, versucht sie über die Schulleitung und ihren Bruder Paul (Jesse Plemons), den Sheriff vor Ort, mehr über die Familie herauszufinden und dafür zu sorgen, dass sich jemand um sie kümmert. Als sie selbst das Haus in der Nähe des Waldes betritt, hört sie seltsame Geräusche und Knurren, als ob die Familie ein wildes Tier in einem der Zimmer beherbergen würde. Als dann auch noch ein grausam entstellter Leichnam im Wald gefunden wird, sucht die Polizei nach einem Killer oder einem wilden Tier, jedoch meint Julia den wahren Täter in den verstörenden Zeichnungen von Lucas zu erkennen.

Wie schon in Coopers OUT OF THE FURNACE ist zunächst einmal die Geschichte von einer Art sozialem Realismus geprägt, der das Leben in der kleinen Gemeinde einfängt wie auch die zentralen Figuren, doch genauso diesen Mikrokosmos, der sich aus verschiedenen Umständen wie der zum Erliegen gekommenen Wirtschaft und der daraus resultierenden Arbeitslosigkeit definiert. Über die Perspektive der Geschwister Meadows wird der Zuschauer in diesen Ort und wie er funktioniert eingeführt, wobei Julia, die vor Kurzem erst in ihre Heimat zurückkam, die Außenseiterin ist, während ihr Bruder als Sheriff einen Blick hat für die Menschen und die diversen Methoden, wie diese überleben. Diese Atmosphäre, die sich aus jener Mischung aus Armut, Hoffnungslosigkeit und bisweilen Gewalt zusammensetzt, findet sich auch in den Bildern des Deutschen Florian Hoffmeister wieder, die bereits von der ersten Minute an andeuten, dass etwas Düsteres hinter dieser Fassade lauert, das diese brodelnde Angst und das Schweigen ausmacht. Dabei bleiben die Themen weitestgehend Teil der Kulisse und werden leider nicht vertieft.

Eine weitere Stärke des Kinos von Scott Cooper ist seine Arbeit mit Schauspielern. Neben Darstellern wie Keri Russell (THE AMERICANS) und Jesse Plemons (FARGO) ist ANTLERS auch in den Nebenrollen sehr gut besetzt, wobei in erster Linie die Konflikte der Charaktere schön inszeniert sind, wie der zunächst unausgesprochene zwischen den beiden Geschwistern, warum zwischen ihnen eine solche Distanz ist und welche Angst auch sie ausmacht. Als Lucas ist aber Jeremy T. Thomas der eigentliche Star in ANTLERS und spielt einen Jungen, der sich seiner Angst tagtäglich stellen muss, der schnell erwachsen werden und Verantwortung übernehmen muss.

Wenn die Horrorelemente, besonders in der zweiten Hälfte, immer mehr zunehmen, erkennt man, warum del Toro das Talent Coopers für das Genre erkannte. Nicht nur aufgrund des Designs der Kreatur, die sich im Dunkeln des Waldes verbirgt, sondern auch wegen der Inszenierung dieser von Regie und Kamera ist ANTLERS einen Blick wert.

Schlussendlich ist ANTLERS ein atmosphärisch dichter Horrorfilm mit Elementen des Sozial- und Familiendramas. Hätte man dem Film auch etwas mehr Tiefe gönnen können, so sind die Schauspieler und die Bilder von Scott Coopers Film einen Blick wert. (Rouven Linnarz)

Atmosphärisch dichter, schauspielerisch überzeugender Horrorfilm

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ANTLERS-REVIEW – JETZT AUF DISNEY+

Regie: Scott Cooper / USA, Mexiko, Kanada 2021 / 99 Min.
Darsteller: Keri Russell, Jesse Plemons, Jeremy T. Thomas, Graham Greene, Scott Haze, Rary Cochrane, Amy Madigan
Produktion: Guillermo de Toro, David S. Goyer, J. Miles Dale
Freigabe: FSK 16

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