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B-FILM-BASTERDS 2025 – DER INTERNATIONALE TRASHOLOGENKONGRESS

Sommer, Sonne, Sonnenschein! Was gibt’s Besseres, als im Kino zu sitzen und geile Filme zu genießen, wenn es draußen 40 Grad hat? Eben! Das dachten sich wohl auch die B-Film Basterds und luden von 16. bis 20. Juli zum alljährlichen Trashologenkongress ins KommKino Nürnberg. Wer, was? B-Film Basterds? Noch nie gehört? Das sollte sich ändern! Aber in der Tat ist das B-Film Basterds ein Filmfest, das gewiss nicht jeder auf dem Radar hat, und das, obwohl das Festival dieses Jahr bereits in die 14. Runde ging. Vielleicht, weil es doch ausschließlich filmische Absonderlichkeiten und Underdogs im Programm hat, ist das Festival selbst zu einer Art Underdog geworden. Doch der Erfolg gibt den Basterds recht. Was vor zehn Jahren noch elf Filme an drei Tagen waren, hat sich zu zwanzig Filmen an fünf Tagen entwickelt. Das Konzept ist einfach: Trash, Trash und nochmals Trash! Aber nicht aus Selbstironie oder abschätzig, nein: Trashfilme und Billigproduktionen werden hier zelebriert und gehuldigt. Klar schwingen dabei oft Humor und eine Prise Nostalgie mit. Im Programm hatten die Basterds in den vergangenen Jahren bereits Titel wie ZOMBIES FROM OUTER SPACE, FRAUENLAGER DER NINJA oder DUDE BRO PARTY MASSACRE III. 2024 war Thilo Gosejohann zu Gast. Ein paar ulkige Eckpfeiler wie zum Beispiel die Verleihung des Golden Ninja Warrior Awards haben Tradition und den B-Film Basterds ein treues Stammpublikum beschert.

Kurz zur Entstehungsgeschichte: Ursprung der ganzen Blödelei war das Badmovies-Forum. Wer erinnert sich noch an diese glorreiche Zeit des Internets? Damals waren es Internetseiten wie trashzombies.de, schnittberichte.com und, genau, badmovies.de, auf denen man sich als genrebegeisterter Filmfreak schlau machen konnte. Im Forum von badmovies.de formierte sich um Gründer Markus Nowak („Dr. Acula“) ein harter Kern aus Trashverrückten. Zum zehnjährigen Jubiläum des Forums hatte Nowak dann die glorreiche Idee, man könne sich für ein „Treffen“ doch in einem Kino einmieten – die Geburtsstunde des Festivals. Ab dann wurde sich jedes Jahr getroffen, was auf immer mehr öffentliches Interesse stieß. Unregelmäßig fanden auch Ableger in Berlin, Frankfurt und Hamburg statt, jedoch ohne das KommKino in Nürnberg als Hauptaustragungsort auszulassen. Ein krasser Schicksalsschlag: der überraschende Tod von Festivalgründer Markus Nowak. Doch die Fackel der Liebe zum Trash sollte weitergetragen werden, und Nowak blieb Festival-Vater im Geiste. Egal wie voll der Saal ist, ihm wird bei jedem Screening ein Platz freigehalten. Das entstandene Kollektiv, darunter Torsten Hornauer und Thomas Ressel, hält stolz Nowaks Fahne hoch, sodass die Basterds 2025 auf eine vierzehnjährige Festivalgeschichte zurückblicken können.

WENZEL STORCH

WENZEL STORCH

Am Mittwoch, dem 16. Juli, um 21:15 Uhr ging’s also los, und das Festival eröffnete mit dem dreisten Action-Rip-off LADY TERMINATOR (Indonesien 1989). Dass der Titel bislang nicht im Programm war: überaus verwunderlich! Dieser Versäumnisbewältigung folgte die frivole Ferkelei FLESH GORDON (USA 1974). Ein starker Auftakt, doch es hieß Kräfte und Sitzfleisch sparen, denn ein Wochenende voller mal mehr, mal weniger bequemer Kalauer stand uns noch bevor.

CHRISTIAN KESSLER

Ab Donnerstag dann Programm nonstop. Es drohte eines dieser brütend heißen Wochenenden zu werden. Wohin also? Genau: Ab ins schattige KommKino! Wer die nötige Zeit mitbrachte, konnte von 14:00 bis 2:00 Uhr im Kinosaal Platz nehmen und sich von erlesenem Trash berieseln lassen. Auf der Tagesordnung standen DEERSKIN aka MONSIEUR KILLERSTYLE (Frankreich 2019), einer der verrückten Streiche von Quentin Dupieux (besser bekannt als Mr. Oizo), und zwei Hau-drauf-Blaxploitation-Bomber – THREE THE HARD WAY (USA 1974) mit Fred Williams und BLACK DYNAMITE (USA 2009). Draußen kletterte das Thermometer auf 28 Grad, drinnen – oh oh – streikte die Klimaanlage. Half nix! Eine Lüftung gab’s ja noch. Die sorgte für Abhilfe bei den letzten beiden Vorstellungen, einem Überraschungsfilm, über den auch weiterhin der Mantel des Schweigens ausgebreitet bleibt, und BAT PUSSY (USA 1973), dem wohl unerotischsten und dämlichsten Hinterhof-Sexfilm der Welt.

Freitag, 18. Juli: Die Sonne brannte. Normale Menschen suchten Erfrischung an den Ufern der Pegnitz. Freaks wie wir holten sich geistige Erfrischung im KommKino ab. Der Freitag bot gleich zwei Meisterstreiche des missverstandenen Filmgenies Donald G. Jackson, nämlich ROLLERGATOR (Kanada, USA 1996) und ROLLER BLADE (USA 1986), welche beide das zentrale Thema von Jackson porträtierten: Rollschuhe! Im Vorabendprogramm lief MANIA (Italien 1974), eine vergessene Italo-Perle von Regisseur Renato Polselli (DAS GRAUEN KOMMT NACHTS). Höhepunkt des Abends war dann der Vortrag von Autor Christian Keßler, der sein aktuelles Werk DAS WILDESTE AUGE vorstellte. Bei Keßler war der Saal proppenvoll, und die Raumtemperatur betrug muggelige 28 Grad, was der Kultautor mit seiner coolen Art aber auszugleichen wusste. Keßlers Vortrag setzte zu einem Rundumschlag durch das italienische Genrekino an und fügte seinen spitzfindigen Anekdoten Filmausschnitte aus italienischen Horrorklassikern bei. Überaus unterhaltsam und sympathisch!

Der Samstag. Die Temperaturen kletterten auf über 30 Grad – draußen wie drinnen. Die Klimaanlage machte immer noch Faxen, aber die Lüftung ließ ein laues Lüftlein durchs Kino wabern. In DIE LETZTE STUNDE (AT: HUMAN ANIMALS, Spanien 1983) entwickelt sich die Menschheit nach der atomaren Katastrophe zu Höhlenmenschen zurück. Der Streifen schildert eine bizarre postapokalyptische Dreiecksbeziehung zwischen Mann, Frau und Hund. Dann perfektes Nachmittagsprogramm mit KRIEG DER INFRAS (Taiwan 1976) – nicht nur dank der selten dämlichen deutschen Synchro ein Riesenspaß!

Samstagabend: Voller Vorfreude erwartete man Regisseur Wenzel Storch, der zur Primetime seinen SOMMER DER LIEBE (Deutschland 1992), psychedelischen 16-mm-Wahnsinn über Hippies und Kannibalismus, präsentierte. Beim Q&A ging es nicht nur wegen der Raumtemperatur hitzig zu. Der scheue Filmemacher wurde mit einer kritischen Frage konfrontiert. Dass selbst eine derartig harmlose Trash-Komödie Grund zum Anstoß sein konnte, überraschte und wäre auch fast in eine Grundsatzdiskussion über Political Correctness und Zensur ausgeufert. Zur Besänftigung der Gemüter: THE HIDDEN – DAS UNSAGBAR BÖSE (USA 1987) mit Kyle MacLachlan. Mein Gott, wie geil, den mal auf großer Leinwand erleben zu dürfen! Für alle Nachteulen und ins Koma Gefallenen lief weit nach Mitternacht noch ein richtig räudiger Frauenknast-Film. Friss das, Political Correctness!

Was für ein Abend! Wer behauptet, dass der Genuss von Trashfilmen zu einem übermäßigen Konsum von Gerstensaft verleitet, der könnte recht haben. Nur die Härtesten der Harten schafften es am Sonntag zum Endspurt. Draußen: traumhaftes Biergartenwetter. Drinnen: pädagogisch wertvolle Nachhilfe mit FWU-Lehrfilmen auf 16 mm, darunter MUTTER MIT 14 und AUGEN AUF, PETER!. Unterhaltsam und lehrreich zugleich! Danach THE CREEPING TERROR (USA 1964), den alle Anwesenden einstimmig als „totalen Bullsh**“ deklarierten, aber auch derartiger Trash hatte seine Berechtigung.

Später hieß es „Wünsch dir was“: Schon vor dem Festival hatte das Publikum die Möglichkeit, über einen Wunschfilm abzustimmen. Die Gunst fiel dieses Jahr auf ATLANTIS INFERNO (Italien, Philippinen 1983) von Ruggero Deodato. Den Golden Ninja Warrior Award heimste THE HIDDEN mit einer Wertung von 4,37/5 ein. Als Rausschmeißer dann noch zwei absolute B-Movie-Perlen: SCREWBALLS – DAS AFFENGEILE KLASSENZIMMER (Kanada, USA 1983) und PIECES – DER KETTENSÄGENKILLER (Spanien, Italien, USA 1982).

Uff, geschafft! Alle Dauerkartenbesitzer und Stammgäste hatten ein Wochenende der Extreme hinter sich: extrem trashig, extrem bescheuert, extrem geil! Man verließ das KommKino und war ein paar Gehirnzellen ärmer, dafür viele filmische Abenteuer und freundliche Begegnungen reicher. Klar ist: B-Film Basterds gibt Trash ein Zuhause. Das Filmfest gräbt unmögliche Filme aus und zeigt Fassungen, die es eigentlich gar nicht gibt. Ein Hoch auf den Trash und das Kino abseits des Mainstreams! Bis nächstes Jahr, liebe Basterds! Nächstes Mal vielleicht wieder mit Klimaanlage. Gerne aber auch ohne.

B-FILM BASTERDS 14. Internationaler Trashologen-Kongress

Text: Dominik Raith

B-FILM-BASTERDS 2025 – DER INTERNATIONALE TRASHOLOGENKONGRESS