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BACKROOMS

Regie: Kane Parsons / USA 2026 / 110 Min.

Besetzung: Chiwetel Ejiofor, Renate Reinsve, Mark Duplass, Finn Bennett, Lukita Maxwell, Avan Jogia

Produktion: Shawn Levy, James Wan, Dan Levine, Roberto Patino, Kori Adelson, Michael Clear, Dan Cohen, Chris Ferguson

Freigabe: FSK 16

Verleih: Constantin Film

Start: 18.06.2026

„Hey Dude, deine YouTube-Videos sind verdammt gut. Du bist zwar erst 20 Jahre alt, aber egal. Hier sind 10 Mille, lass uns’n Kinoding draus machen!“ So oder so ähnlich dürfte Kane Parsons aus dem Deal seines noch jungen Lebens hervorgegangen sein. Bisher bekannt unter „Kane Pixels“, ist er YouTuber mit ordentlich Know-how und 3,3 Millionen Followern, der sich im richtigen Moment für das richtige Thema begeistert hat. Als Sohn einer Psychotherapeutin und eines Videospieleentwicklers genießt er beste Voraussetzungen für ein Experiment, das ihn vermutlich nicht nur ins Kino, sondern noch sehr viel weiter bringen wird. Doch wie kam es dazu?

Chiwetel Ejiofor

2019 ist die Horrorgemeinde müde – Zombies, Geister, Exorzismen bis der Arzt kommt. In Netzforen wird der Wunsch groß, einen neuen Thrill zu erschaffen. Etwas, das einem vertraut ist, aber trotzdem maximale Angst erzeugt. Eine anonyme Person postet daraufhin ein Foto: gelber Teppich, beliebige Wände und Ecken, erleuchtet in einem bedrückenden Gelb, verströmt von bürokratischen Neonröhren. Die Community dreht vollkommen durch und erfindet auf dieser Basis perfide und angsteinflößende Storys – eine Creepypasta (eine Internetlegende, z. B. Slenderman) namens BACKROOMS entsteht. Auch der damals 16-jährige Kane Parsons fühlt sich massiv inspiriert und startet, sattelfest in der 3D-Software Blender und Adobe After Effects, eine eigene Videostory. 2022 entsteht sein erstes Video, in dem ein Junge bei Filmaufnahmen auf der Straße stolpert und einfach verschwindet.

Renate Reinsve

Auf einem gelben Teppich, zwischen gelben Wänden, in gelbem Licht findet er sich wieder – er ist in den BACKROOMS. Im Found-Footage-Stil irrt und stolpert er durch die bedrückende Einsamkeit endloser leerer Räume. Angst und Beklemmung begleiten ihn sowie ein Wesen, das er nicht sieht, nur hört. Es verfolgt ihn, es jagt ihn. Am Ende wird er überwältigt, die Kamera fällt, fällt hinaus aus dieser Dimension und zurück in die Realität.

Renate Reinsve

Auf dieser Basis bastelt Kane noch viele weitere, hochgradig triggernde Videos, womit er eine komplexe Mythologie um das Thema der BACKROOMS konstruiert. Voller Irrungen und Wirrungen erfindet er eine furchteinflößende und hochgradig undurchsichtige Parallelwelt, inklusive einer Firma namens Async Research Institute, die wissenschaftlich versucht, im Geheimen einen Zugang zu finden, um diese Welt zur Entlastung des Bevölkerungswachstums zugänglich zu machen – leider mit mäßigen bis fatalen Konsequenzen.

Chiwetel Ejiofor

Doch wie packen wir das nun in einen Kinofilm? Wer jetzt annimmt, hier werde der YouTube-Content einfach mit ein paar schönen Gesichtern aufgehübscht und rekonstruiert, irrt. Doch was macht Parsons aus einem so potenten, doch weitestgehend unbekannten Storytelling, um es als Indie-Movie auf dem harten Markt halbwegs wettbewerbsfähig zu machen? Vorweg: Wir holen uns einen dicken Sack von mindestens nur halb so potenten Produzenten. Vornweg: Shawn Levy (DEADPOOL & WOLVERINE) und Popstar James Wan (SAW, THE CONJURING). Also, was kann jetzt noch schiefgehen? Wir sagen es euch: nichts!

Chiwetel Ejiofor spielt Clark, im Herzen ambitionierter Architekt, doch nun verlassen und Besitzer eines trostlosen und wenig frequentierten Polstermöbelfachgeschäftes. Von seinem Dasein frustriert, besucht er regelmäßig die Psychotherapeutin Dr. Mary Kline (Renate Reinsve). Sachlich und fachlich fundiert inspiziert sie seine tiefgreifenden Zerwürfnisse, womit wir einen tiefen Einblick in sein psychisches Dilemma erhalten. Hier nimmt sich der Film, für Horrorfilme häufig ein Gewinn, viel Zeit für die Charakterdarstellung. Aus Mangel an finanziellen Mitteln wohnt Clark in seinem eigenen, schäbigen Geschäft. Als nachts einmal mehr die Stromzufuhr aussetzt, begibt er sich genervt und widerwillig in den Keller, wobei er durch einen leuchtenden Spalt zu einem Teil der Wand geführt wird, welcher durchlässig ist. Erschrocken, doch fasziniert, begibt er sich in einen Raum hinter seinem Raum – ohne Tür, nur durch das „Glitchen“ durch eine schlichte Wand.

Chiwetel Ejiofor

Völlig fassungslos befindet er sich damit in einem fremden Gebäudekomplex: gelber Teppich, gelbe Wände, vor ihm ein unerklärlicher Stapel Mobiliar. Als Betrachter schreit alles: raus da! Als Cineast: Oh bitte, geh weiter! Und er läuft weiter: Gänge, Ecken, alles wirkt homogen und doch anders. Ein ihm bekannter Pappaufsteller lockt ihn weiter, ein Kabel noch weiter, ein Schatten erscheint, er flüchtet.

Der nächste Besuch bei Mary ist kurz. Völlig aufgelöst legt er ihr einen mittlerweile überraschend ausgefeilten Plan seiner Entdeckungen vor. Überfordert von seinen scheinbar wahnsinnigen Fantasiekonstrukten lässt sie den missverstandenen Clark ziehen. Daraufhin schnappt er sich, besessen davon, die Wahrheit zu dokumentieren und Mary Lügen zu strafen, seine ahnungslosen Mitarbeiter inklusive Kamera und geht, gefühlt optimal vorbereitet, erneut auf Expedition ins Reich der unbekannten Endlosigkeit. Die schon zuvor gefürchtete schattenhafte Entität entledigt ihn jedoch recht zackig seiner Komplizen und setzt ihn unwiderruflich in diesem Alptraum fest.

Chiwetel Ejiofor

Mary bleibt indessen nicht unbeeindruckt angesichts seines scheinbar psychologisch bedenklichen Berichts und ersucht ihn in seinem Keller, in dem sie unzählige Karten, Berechnungen und eine türgroße Markierung an der Wand vorfindet. Angsterfüllt tritt sie in die beklemmende Unterwelt ein und findet nach langer Suche einen völlig paralysierten Clark, der sie zur Begrüßung erst mal freundlich … erwürgt.

Liebe Freunde des wohl durchdachten Wahnsinns, hier ist noch lange kein Ende in Sicht. BACKROOMS nimmt sich Zeit für seine Charaktere, um dann all das Erfahrene hübsch und konfus in einen dicken Topf der vermeintlichen Erkenntnis zu werfen und ihn anschließend wieder auszuschütten. Und damit willkommen in der kranken Wahnvorstellung eines unerklärlichen Konzepts! Parsons schafft es brillant, uns mit Informationen zu füttern, um sie vermeintlich verwertbar zu machen. Doch am Ende bleibt alles offen.

Der minimalistische, doch wirkungsvolle Teaser von BACKROOMS trug maßgeblich dazu bei, dass die Erwartungen hoch sind. Man sah nichts weiter als einen vertikalen Kameraverlauf durch ein existierendes Zimmer, darunter das gleiche Zimmer, leicht verändert, darunter das gleiche Zimmer, erneut verändert. Viele Male wiederholt entsteht ein Ort, der stückweise abstrahiert wird. Relikte, Verschmelzungen und Verzerrungen von scheinbar ursprünglich existenten Dingen ergeben Stück für Stück ein ruhiges, dennoch – oder gerade deswegen – verstörendes Abbild des Bekannten. Doch wie und warum und wo ist dieses „Paralleluniversum“?

Renate Reinsve

Und eben genau das ist der effektive Thrill von BACKROOMS. Es gibt keine klaren Antworten auf diese Fragen. Stattdessen wirft uns Parsons in eine Achterbahnfahrt aus Erkenntnissen und Ratlosigkeit. Dabei erlebt man mitnichten einen harten Horror, vielmehr wird unsere eigene Psyche und Fantasie gekonnt stimuliert. Trotz der beklemmenden, scheinbar endlosen Räume wurde hier tatsächlich nur minimal virtuell konstruiert. Auf ganzen 2.800 Quadratmetern hat man hier eine Kulisse erschaffen, in der sich auch in der tatsächlichen Realität Mitarbeiter verliefen. Die Optik ist daher stets greifbar und unverfälscht, was das Konzept der vertrauten Angst perfekt unterstützt. Found-Footage-Technik sowie klassische Kameraführung sind dabei gekonnt vermischt und zeigen uns gerade genug, um für maximale geistige Unruhe zu sorgen. Der Score ist subtil, anspannend und zielsicher eingesetzt. Angst und Verzweiflung zeichnen sich fühlbar ansteckend in den Gesichtern der stark gewählten Protagonisten ab. Wirkliche Brutalität ist spärlich und vollzieht sich anregend häufig im Off, dennoch ist die FSK 16 dank nicht zu unterschätzender kleiner Überraschungsmomente sehr gut gewählt.

Digital media asset from Backrooms (Bildmaterial). Generated on 2026-06-10 17:31:26

Am Ende konzentriert sich Parsons natürlich auf die Prämisse der Backrooms, was die Handlung nicht allzu ausgefeilt zurücklässt. Daher ist es ein Film, der stark polarisieren dürfte. Zweifelsohne muss man für diese Welt eine gewisse Empfänglichkeit aufweisen. Die Zahlen sprechen jedoch für sich: Am ersten Wochenende hat BACKROOMS in den USA das Zwölffache seines Budgets eingespielt und mit OBSESSION, ebenfalls ein YouTuber-Projekt (Curry Barker), den People Pleaser MANDALORIAN AND GROGU auf den dritten Platz der Kinocharts verbannt. Ein starkes Statement für unsere Zeit und die Bereitschaft für Neues. Gespräche mit Netflix über ein Serienformat zeigen nicht minder den nicht zu unterschätzenden Marktwert dieses Themas.

BACKROOMS ist ein Horrorexperiment, an dem man nicht vorbeikommen wird und auch nicht sollte. Innovativ, wahnsinnig und effektvoll ist es ein „Brainfuck“ der besonderen Art, der den Betrachter verstört und fasziniert in eine Realität entlässt, die man vermutlich fortwährend mit anderen Augen betrachten wird. Und wer so richtig heiß laufen möchte, gibt sich noch einmal ganz entspannt angespannt @kanepixels’ YouTube-Kreationen oder wagt sich selbst ins Geschehen mit Games wie ESCAPE THE BACKROOMS. Viel Spaß! (Susanne Müller)

Verstörend. Innovativ. Genial.

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Regie: Kane Parsons / USA 2026 / 110 Min.

Besetzung: Chiwetel Ejiofor, Renate Reinsve, Mark Duplass, Finn Bennett, Lukita Maxwell, Avan Jogia

Produktion: Shawn Levy, James Wan, Dan Levine, Roberto Patino, Kori Adelson, Michael Clear, Dan Cohen, Chris Ferguson

Freigabe: FSK 16

Verleih: Constantin Film

Start: 18.06.2026