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CINE BONN BLEU 2025: KURZFILM-FIEBER ÜBER BONN

Eine Rückschau von Dominic Saxl.

Vom 6. bis 10. November wurde die beschauliche Ex-Bundeshauptstadt zum pulsierenden Zentrum der Kurzfilmkunst: Im Kinopolis Bad Godesberg fand die erste Ausgabe des CINE BONN BLEU-Festivals statt, das wir als Medienpartner mitpräsentierten.

Eröffnungsgala

Aber nicht nur das: Außerdem kuratierten wir „Bleu Splatter“, einen Kurzfilmblock, der sich ganz unserem Lieblingsgenre widmete. Mit den acht Beiträgen WILD LOVE, FAMILY NIGHT, WE FORGOT ABOUT THE ZOMBIES, TO THE MARROW, SONRISAS, SKEETER, HOLIDAY FEAR und DREAM CREEP bestand er ausnahmslos aus Highlights, die verschiedenste Horror-Spielarten vorstellen – von der schwarzhumorigen Animation über verstörenden Psychoterror bis zur blutgetränkten Gewaltorgie. Die zum Großteil vielfach ausgezeichneten Filme aus den Jahren 2017 bis 2024 lösten dementsprechend sehr unterschiedliche Reaktionen beim Publikum aus: Während häufig lauthalses Gelächter zu hören war, sorgten insbesondere TO THE MARROW und auch FAMILY NIGHT eher für angespannte bis schockierte Stille. Als größter Liebling der Zuschauer:innen erwies sich aber DREAM CREEP, der mit seiner herrlich bizarren Story und angemessen brutalen Effekten bereits beim Fantasy Filmfest 2024 für Furore sorgte.

DIE GEWINNER

Apropos Publikumsfavoriten: Die insgesamt 30 teilnehmenden internationalen Kurzfilme wurden neben dem „Bleu Splatter“- und einem familienfreundlichen „Bleu Kids“-Block in den Programmen „Bleu 1 – 3“ vorgestellt. Bei diesen hatten die Besucher:innen die Möglichkeit, ihre Sieger zu küren. Sie entschieden sich am Ende mehrheitlich für das berührende deutsche LGBTQ+-Drama GOD IS GREY von Jennifer Drake, während die Fachjury einen anderen Gewinner wählte: den schweizerischen Thriller SYNCOPE von Linus von Stumberg, der sich auch auf jedem reinrassigen Genrefestival gut machen würde. Hier müssen Tänzer:innen unter den Augen eines offenkundig psychopathisch veranlagten Choreografen (gespielt vom Regisseur selbst) buchstäblich um ihr Leben tanzen – eine äußerst intensive, hochwertig umgesetzte Betrachtung von Themen wie Macht und Machtmissbrauch, Narzissmus, Selbstaufgabe und Leidensbereitschaft. Dass ein bestimmtes, besonders fieses Filmmotiv übrigens an das SAW-Franchise erinnert, ist laut von Stumberg kein Zufall.

Jurypreis-Gewinner Linus von Stumberg (SYNCOPE)

Ausgezeichnet wurden die beiden Filme im Rahmen der Abschlussgala am 8. November im luxuriösen Bad Godesberger Hotel Maritim, wo neben schicken Trophäen aus echtem Silber ebenfalls Schecks in Höhe von je 500 Euro überreicht wurden.

KI: MONSTER ODER MUSE?
Auch eine Podiumsdiskussion durfte beim CINE BONN BLEU nicht fehlen. Diese widmete sich der täglich relevanter werdenden Frage, welchen Einfluss künstliche Intelligenz aufs Filmemachen nehmen kann bzw. wie viel Einfluss wir ihr einräumen wollen. Anders formuliert: Sind die derzeit neu entstehenden Möglichkeiten mehr Segen oder Fluch für kreative Filmemacher:innen und die Filmbranche als Ganze?

Unter den Teilnehmenden waren nicht zuletzt die Regisseur:innen Manuela Klauser , Tanja Schalling und der für die grandios witzige „DDR-Mondbasis“ bekannte Philipp Ladage. Eingeleitet wurde die Diskussion durch die Vorführung mehrerer Arbeitsproben der Genannten, die sehr unterschiedliche Facetten des KI-Films zeigten.

BONN HAT LUST AUF MEHR

Der auch ansonsten ausgeprägte Abwechslungsreichtum des Programms kam ganz offensichtlich beim Bonner Publikum sehr gut an: Mit insgesamt knapp 1.000 Zuschauer:innen wurden die Erwartungen des Veranstalters – hinter dem ein Verein mit gerade einmal zehn Mitgliedern steht – deutlich übertroffen.

Dabei war nicht nur die Eröffnungsgala im größten Saal des Kinopolis nahezu ausverkauft: Den höchsten Zuspruch erhielt tatsächlich der „Bleu Splatter“-Block, bei dem der Saal zu 85 Prozent ausgelastet war. Was uns natürlich freut. 😉 Aber auch bei den anderen Vorstellungen waren die Sitze im Schnitt zu etwa 70 Prozent belegt. Für die erste Ausgabe eines Kurzfilmfestivals ein enorm gutes Ergebnis. Vor allem jedoch war die Atmosphäre eine durchweg einladende und euphorische, was von der Neugier und Offenheit des Publikums gespiegelt wurde.

Auch deshalb freuen wir uns bereits jetzt aufs CINE BONN BLEU 2026. Bei dem es vielleicht sogar noch mehr Genrefilme zu sehen geben wird. Natürlich wieder von uns ausgewählt!

(Dominic Saxl)

Homepage: https://cinebonnbleu.de

Instagram: https://www.instagram.com/cinebonnbleu

Festivaldirektor Roland Sibernagl

CINE BONN BLEU 2025: KURZFILM-FIEBER ÜBER BONN