Ein Mann namens Hig (Jacob Elordi), der auf einem abgelegenen Flugzeughangar in Colorado lebt, macht sich mit seinem Hund Jasper in einer Cessna, die schon bessere Tage gesehen hat, auf den Weg nach Denver, um Vorräte zu besorgen. Schnell ist zu erkennen, dass in der Großstadt allerdings nicht die Zivilisation auf den Protagonisten wartet, sondern eine postapokalyptische Welt mit zerstörten Gebäuden und verkohlten Leichenbergen.

Durch Rückblicke und Hinweise wird klar, dass eine verheerende Pandemie einen Großteil der Menschheit ausgelöscht hat, und auch Hig hat schreckliche Verluste erfahren: Seine Frau und sein Kind sind gestorben. Infolgedessen hat er sich gemeinsam mit Jasper und dem ehemaligen Marine Bangley (Josh Brolin) auf einem verlassenen Flugplatz eingerichtet. Dabei teilen sich die beiden Herren die Aufgaben: Hig ist mit seiner Cessna für die Erkundung der Umgebung und die Suche nach Vorräten zuständig, während sich der misstrauische und schwer bewaffnete Bangley um die Verteidigung ihres Zuhauses kümmert, denn in einer Welt, in der von anderen Überlebenden – oft in der Form von marodierenden Horden – häufig eine größere Gefahr ausgeht als von Hunger oder Krankheit, sind sie aufeinander angewiesen, auch wenn sie oft anderer Ansicht sind.

Trotz dieser düsteren Ausgangslage ist DAS ENDE DER STERNE weniger ein klassischer Endzeit-Actionfilm als ein ruhiges Drama über Einsamkeit, Verlust und die Sehnsucht nach menschlicher Nähe. Ridley Scott, der mit BLADE RUNNER (1982) bereits eine der berühmtesten dystopischen Welten der Filmgeschichte geschaffen hat, beschäftigt sich dieses Mal weniger mit den Ursachen des gesellschaftlichen Zusammenbruchs als vielmehr mit dessen Auswirkungen auf die wenigen Menschen, die ihn überlebt haben. Die zerstörten Städte und verlassenen Straßen bilden daher vor allem den Hintergrund für Higs persönliche Geschichte.

Dieser Unterschied zeigt sich vor allem in der Beziehung zwischen Hig und Bangley: Der ältere Ex-Marine hat die neue Weltordnung völlig akzeptiert und richtet sein gesamtes Denken auf das eigene Überleben aus, während Hig die Aussicht auf ein anderes, hoffnungsvolleres Leben nicht vollständig aufgeben kann. Die unterschiedlichen Ansichten und Motivationen der beiden Figuren führen immer wieder zu Spannungen, doch gleichzeitig entsteht zwischen ihnen auch eine ungewöhnliche Form von Freundschaft. Bangley wird dementsprechend als wortkarger und pragmatischer Überlebenskünstler dargestellt, hinter dessen rauer Schale sich dennoch ein weicher Kern in Form einer gewissen Zuneigung zu seinem jüngeren Gefährten verbirgt.

Als Hig jedoch während eines seiner Flüge einen schwachen Funkspruch empfängt, sieht er darin schließlich ein Zeichen dafür, dass außerhalb des von ihm und Bangley geschaffenen Kosmos noch andere Menschen mit ähnlichen Einstellungen wie seiner eigenen existieren könnten. Und so beschließt er entgegen Bangleys Warnungen, diesem Signal zu folgen. Seine Reise führt ihn schließlich zu dem älteren Pops (Guy Pearce) und dessen Tochter Cima (Margaret Qualley), die ebenfalls einen Weg gefunden haben, in der neuen Welt zu überleben. Vor allem die Begegnung mit Cima lässt Hig erkennen, dass ein Leben jenseits des bloßen Überlebens vielleicht doch noch möglich ist, und lässt ihn somit neue Hoffnung für die Fortführung seiner persönlichen Mission schöpfen.

Die Handlung von Ridley Scotts Film basiert auf dem Roman THE DOG STARS von Peter Heller aus dem Jahre 2012, der von Mark L. Smith und Christopher Wilkinson für die Leinwand adaptiert wurde. Dabei erinnert die Geschichte in ihrer Verbindung aus Endzeitdrama, Western und Roadmovie stellenweise an ältere Filme wie I AM LEGEND (2008) mit Will Smith oder THE ROAD (2009) mit Viggo Mortensen, aber auch an die geplante Trilogie von 28 YEARS LATER, von der die ersten beiden Teile bereits 2025/2026 veröffentlicht wurden. Scott setzt dabei jedoch weniger auf eine durchgehend bedrückende Atmosphäre oder äußerliche Bedrohung: Zwischen verlassenen Städten und gewalttätigen Überlebenden finden sich immer wieder Bilder einer beinahe unberührten, rohen Natur in Form der Ausläufer des Colorado River oder des Panoramas der Rocky Mountains, wodurch der Film einen interessanten Gegensatz zwischen dem Ende der menschlichen Zivilisation und einer Welt erzeugt, die ohne den Menschen weiterbesteht.
Dementsprechend nimmt sich Kameramann Erik Messerschmidt viel Zeit für weitläufige Landschaftsaufnahmen. Berge, Wälder, Flussauen und menschenleere Ebenen erscheinen nicht nur als Schauplatz, sondern verdeutlichen gleichzeitig die Isolation der Figuren. Zusammen mit der Musik von Harry Gregson-Williams entsteht so eine oftmals melancholische Stimmung, die DAS ENDE DER STERNE deutlich stärker prägt als die vereinzelten Actionsequenzen.

Im Mittelpunkt steht dabei die Hauptfigur Hig, die einen Mann darstellt, der sich trotz seiner negativen Erfahrungen noch einen Rest von Optimismus bewahrt hat. Seine Bindung an Jasper und seine zunehmende Sehnsucht nach anderen Menschen verleihen der Figur eine Verletzlichkeit, die einen bewussten Gegenpol zu Bangleys Härte bildet. Besonders in den ruhigeren Momenten funktioniert das zurückhaltende Spiel des von Elordi gespielten Hig gut, auch wenn die episodische Handlung des Films leider nicht allen Figuren gleichermaßen viel Raum zur Entwicklung gibt. Hervorzuheben ist dabei die Figur der Cima, die dafür sorgt, dass Higs Suche nach Hoffnung ein konkretes menschliches Gegenüber erhält, während ihr Vater „Pops“ eine weitere Variante des Überlebenden verkörpert, ähnlich wie Bangley.
Mit DAS ENDE DER STERNE liefert Ridley Scott somit keinen spektakulären Endzeitfilm, in dem die Protagonisten gegen Horden von Untoten kämpfen müssen, sondern ein vergleichsweise stilles Werk über Menschen, die nach dem Zusammenbruch der Zivilisation einen Grund suchen, weiterzuleben. Die Mischung aus Survival-Thriller, Western, Drama und Road-Movie funktioniert nicht immer gleich gut und zieht sich gerade im Mittelteil ein wenig hin, wenn immer wieder neue Aspekte die Handlung beeinflussen. Die beeindruckenden Landschaftsbilder sowie das überzeugende Spiel der Darsteller sorgen jedoch dafür, dass die melancholische Atmosphäre erhalten bleibt. Letztlich geht es Scott weniger um den Überlebenskampf des Menschen, wenn das Ende der Welt, so wie wir sie kennen, gekommen ist, als um die Frage, was vom Menschen tatsächlich übrig bleibt, wenn fast alles, was die Zivilisation ausmacht, verschwunden ist. (Diana Sabrina Linnarz)
Ein melancholischer, bildgewaltiger Film, der mehr auf das leise Zwischenmenschliche setzt, statt auch nervenaufreibender Action.

