Winter is coming, Winter is here!
Selbst in England lag Schnee und Berlin war auch recht zugedeckt, zudem neigt sich der Januar dem Ende entgegen und das bedeutet: Zeit für die BRITISH SHORTS im Herzen der Hauptstadt.
Zum 19. Mal und erneut sieben Tage lang öffnen sieben Berliner Kinos ihre Leinwände für Shots von der Insel. Vom 22. bis 28. Januar 2026 gibt’s eine Menge Kurzfilme zu entdecken, umrundet wie immer von einem very nicen Rahmenprogramm, das Live-Events, Retrospektiven und Ausstellungen bieten. On stage dieses Mal: NEO ANGIN, GRATEFUL CAT und DIANE ELECTRO; rückgeschaut wird auf das legendäre Londoner Indie/Underground Kino Scala, dem sich gleich zwei Retrospektiven widmen – Regisseurin Jane Giles ist zum Q+A anwesend; zusätzlich gibt’s traditionell den „Free festival workshop & 48-hour film project“ der sich 2026 rund ums Thema „Porträt“ dreht; im Sputnik Kino sind Fotografien der Artists Darren Holden und Peter Marshall zu bewundern, die sich – womit auch sonst – dem Kino beschäftigen. In London und auch dem Rest von UK.
Und was hat das alles bittschön mit der ebenso bekannten wie auch bedeutungsschwangeren Zeile aus GAME OF THRONES zu tun? Nun, ein bekanntes Gesicht sehen wir wieder …
In der Nacht, die uns besonders interessiert.
Der Nacht, in der das Dunkle das Sputnik Kino übernimmt, „Geisterstunde“ ein viel zu netter Begriff wird und es eher heißen soll: Uncosy, uncanny, weird … beloved!
Oder:
DEADLINE präsentiert die MIDNIGHT MOVIES!
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Mehr InformationenWie sehr Kino nicht nur visuelles Empfinden ist zeigt sich in WATCH ME BURN. Sofia Spotti nutzt das Dumpfe, das Wegnehmen des Sounds, um ihrer sphärisch-unheimlichen Erzählung eine unangenehme Note zu geben und die Zuschauenden ebenso in eine Art Ausgrenzung zu drücken wie die, die Rue fühlt: Durch einen Unfall taub, aus dem alten Umfeld gerissen und mitten im Nirgendwo gelandet ist die Teenagerin von Wut erfüllt, bis sie an drei vermeintliche Freundinnen gerät … und Gruppenzwang.
Mit kugelrundem Bauch steht er da, der Mann vorm Arzt. Es ist nix, sagt der. Alles ganz normal. Und eigentlich ist es das auch – aber nicht für die, die es durchleben. Denn jede Art der Trennung kann schmerzhaft sein. Mit STOMACH BUG legt Matti Crawford eine ordentliche Verbeugung vor metaphorischem Bodyhorror hin … Respekt.

Ähnliches Thema, völlig anders behandelt: Die Taiwanerin Ting-Jui Chens YOU ARE NOT PART OF THE CAKE Animation stellt im groben Strich und brutal-surrealen Bildern die Homophobie eines Vaters an die Wand. Ein Standoff zwischen Geliebter und Patriachen. Und die Gute siegt.
Einen weiteren Ausflug in sehr deutungsoffene Welten liefert THE BIRDWATCHER. Was wie die Suche nach einem in seiner Hütte verschwundenen Mann beginnt und auf Übersinnliches schließen lässt, entpuppt sich gen Ende als etwas ganz anderes – Meta-Ebenen sind bei diesem Festival-Jahrgang hoch im Kurs! Und die von Ryan Mackfall zeichnet ein Bild vom Abgleiten aus der Realität hinein in die Einsamkeit des Verbissenen.
Sion Thomas‘ MAULED BY A DOG ist ein stranges Stück Kurzfilm. Ein Hund attackiert eine Frau, richtet sie übel zu und zwingt den ansonsten wenig offensiv wirkenden Geliebten zum Handeln. Eine Odyssee beginnt, führt von Karaoke Bars zu Hundekämpfen und endet auf einem Parkplatz – auf dem was wartet? Der Hund? Rache? Die Wahrheit? Das Erkennen der eigentlichen Tat? Wie gesagt, Meta-Ebenen sind Programm dieses Mal! Das fordert heraus und macht, nun ja, Spaß, auch wenn der „black dog“ ja gemeinhin alles andere als lustig ist.

Es folgt: Tiere, die zweite, allerdings weniger bitter und sehr speziell im Humor. Andrea Mae Perez zeigt uns in THE RAT KING einen Kammerjäger, seinen Azubi/Gesellen und einen sehr kleinen Bus. Außerdem ein Maus- und Rattenlabyrinth von oben und zwei Robocop-artig auflaufende … Gegner? Wie kann man seiner wahren Natur entkommen?
Und nun kommen wir zum „Winter is coming“ am Anfang dieses Berichts und einem sehr starken Beitrag: LONG PORK zeichnet eine düstere Zukunft der USA, die, betrachtet man das aktuelle politische Geschehen, weder weit weg noch undenkbar scheint: Lena Headey spielt die Chefin eines Nobel-Restaurants, die ihre einzige, schwangere Tochter „dank“ des umfassenden Verbots von Abtreibungen verlor. Als der für das Gesetz Verantwortliche das Lokal besucht, verschmelzen Rache und Rebellion … Iris Dukatt inszenierte ihren dritten Kurzfilm groß und deutet ganz klar Richtung Langfilm!

Ein Aspekt, den viele schon im Auge hatten: Warum nicht mal die Body-Cam der Cops den Horror zeigen lassen? Das dachte wohl auch Toni Hipwell und lässt in ihrem BODY WORN VIDEO zwei Streifenpolizisten einem Notruf nachgehen; ein Baby wird misshandelt, seht schnell nach dem Rechten! Das ist effektiv und sollte – so fair muss man sein – vor allem bei denjenigen funktionieren, die den grandiosen BASKIN in der Kurzfilmfassung (noch) nicht kennen.
Eine Therapiesitzung, der Klient erzählt seinen Traum, der Therapeut hört zu. So weit, so normal. Doch dieser berichtete Traum scheint wahr zu werden … Matt R. Smiths THE PARISH steigert sich nach und nach ins Gruselige und verwischt schlussendlich die Grenzen von Traum und Halluzination. Shrooms ahoi!
Und weiterfallen lassen, immer weiter … dazu lädt A ROUND OF APPLAUSE FOR DEATH ein. Wunderbar düstere, kunstvolle knapp fünf Minuten zaubert Stephen Irwins Animation auf die Netzhaut, verliert ich in einer Spirale aus skizzierten Eindrücken. Naiv und kindlich beinahe, manchmal aber wie ein wütend mit Wachsmalstift, der nur Rot, Schwarz und Weiß kennt, gezeichnetes Trauma, deutungshoch, politisch, anklagend und … versöhnend? Ein stetiges „Death, Murder, Murder Party, Death“ – und Applaus für den Tod. Ein großartiger Schlussfilm.

Und so verlassen wir gesättigt den Kinosaal, den wir wie immer schon vorab betreten durften, um ein wenig von den MIDNIGHT MOVIES zu berichten. Und wer weiß, vielleicht ist nächstes Jahr auch wieder ein Kurzer von Lee Hardcastle am Start …
In diesem Sinne: Steht zu eurem Knete-Fetisch, genießt die Show!
Und Grüße an die Metaebene!
(Germaine Paulus)
Mehr Infos zum Festival und Ticketing findet ihr unter

