(OT: THE DARK TOWER)

Regie: Nikolaj Arcel / USA 2017 / 95 Min.

Darsteller: Idris Elba, Matthew McConaughey, Tom Taylor, Claudia Kim, Fran Kranz u. v. m.

Produktion: Akiva Goldsman, Brian Grazer, Ron Howard, Stephen King

Freigabe: FSK 12

Vertrieb: Sony Pictures Germany

Start: 10.08.2017

 

 

Eines vorneweg: Bevor man anfängt, über all die Fehler, all die Schwächen der Nikolaj-Arcel-Verfilmung von Stephen Kings acht Bücher umspannenden Multiversum DER DUNKLE TURM zu jammern: Das Ergebnis ist, bei allen Mängeln, ein schlank gehaltenes, drahtiges Stück pulphafter Action mit einem extrem coolen wie stoischen Idris Elba und einem magnetisch bösen Matthew McConaughey. Aber eines ist es definitiv nicht: eine gute Literaturverfilmung. Offenbar etwas, das DER DUNKLE TURM nie sein wollte. Wer ihn besucht, sollte nicht mit der Erwartung einer buchstabengetreuen Umsetzung der rund 4.000 Seiten des King’schen Epos im Kinosessel Platz nehmen. Die Macher von DER DUNKLE TURM haben vielmehr die abgedrehte, durch parallele Universen springende Handlung, diesen ziemlich einzigartigen Genremix zusammengekocht, komprimiert und verwandelt. Nicht unbedingt in etwas Besseres, aber auch nicht in etwas Abstoßendes. Bisweilen muss man zur Vorlage einfach Abstand nehmen.

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Einige der Schwächen von DER DUNKLE TURM sind Versagensängste. Es wurde in den letzten Minuten der Produktion umgeschnitten, zu viele Köche wurden in die Küche gelassen. Dennoch hat DER DUNKLE TURM etwas zu bieten. Nicht viel, denn dieser Film will gar kein Meisterwerk sein. Er zielt auf den Rand der Punktewertung und landet genau dort. DER DUNKLE TURM präsentiert sich als kompetent gestaltetes, paranoid-metaphysisches Video, das nicht mit Überlänge nervt. Als Sahnestücke gibt es einige schrecklich unterhaltsame Effekte, drei wirklich gut arbeitende Hauptdarsteller. All dies kommt jedoch mit einem Preis, der emotionale Einschlag kreist den Nullpunkt ein. Ironischerweise ein Umstand, der dem Film hilft.

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DER DUNKLE TURM erzählt uns die Geschichte von Jake Chambers (Tom Taylor), einem Teenager mit Psi-Kräften, der zum Epizentrum einer Schlacht um das Schicksal der Erde wird. Alles bewegt sich irgendwo im Spagat zwischen X-MEN, THE SHINING, THE BOOK OF ELI und THE MATRIX, mit genug Kanonendonner und klappernden Hülsen bestückt, um all die Kinobesucher zu befriedigen, die niemals nie eine Nase in das King’schen Epos stecken werden. Ein paar Konzepte aus der Vorlage hängen auch noch im Zelluloid fest. Aufmerksamen (oder belesenen) Zuschauern werden sie auffallen und zeigen, wie sehr Kings Denken sich von dem der meisten Menschen abhebt. Wer aber nur für den Ritt im Sessel sitzt, dem wird es egal sein, was King’schem Ursprung, was Carl Gustav Jung zuzuschreiben ist und was bei allen Maßstäben gerade so für Direct-to-DVD reichen würde. Alles brennt sich zusammen zu einem glitzernden Müllberg von Action- und Pulp-Déjà-vus.

 

Der junge New Yorker Jake wird von gruseligen Visionen aus einer anderen Welt geplagt. Er fühlt sich förmlich dazu gezwungen, seine Visionen zu zeichnen. Darunter menschliche Wesen mit künstlicher Haut, eine Art mechanisierter Vulkan, der finstere Mann in Schwarz und ein Held, nur als der Revolvermann bekannt.