(OT: THE HANDMAIDEN)

Regie: Chan-wook Park / KOR 2016 / 144 Min.

Darsteller: Tae-ri Kim, Min-hee Kim, Jung-woo Ha, Jin-woong Jo, Hae-suk Kim, So-ri Moon

Produktion: Chan-wook Park, Syd Lim

Freigabe: FSK 16

Verleih: Koch Films

Start: 05.01.2017

 

 

Chan-wook Parks OLDBOY gehört trotz seines Daseins als nicht-amerikanischer Film zu den populärsten Mindfuck-Filmen der Gegenwart. Als Spike Lee den spektakulären Twistride zehn Jahre nach seiner Entstehung einem Remake unterzog, löste er bei den Zuschauern trotz Starbesetzung mit Namen wie Josh Brolin oder Samuel L. Jackson nicht einmal mehr gemischte Gefühle aus. Die Wiederauflage ging bei den Fans des Originals gnadenlos unter. Kein Wunder: OLDBOY aus dem Jahr 2013 ist zwar ein an die Sehgewohnheiten des westlichen Publikums weitgehend angepasster Thriller, doch nicht nur das fiebrige Flair und die unberechenbare Atmosphäre konnte Lee kopieren. Vor allem lässt sich eine Katze, die einmal aus dem Sack ist, nicht so leicht wieder hineinstecken. Ergo: Wer um die beispiellose Auflösung des Films weiß, der lässt sich nur schwer ein zweites Mal überraschen. Reichlich desillusioniert von der Remake-Maschinerie Hollywoods, stand Chan-wook Park der Neuauflage seines Films nicht einmal mehr als Berater zur Seite. Nach dem ersten (und einzigen) Ausflug in die Traumfabrik, den er mit STOKER Ende 2012 vollzog, zieht es den gebürtigen Südkoreaner mit seiner losen Romanadaption DIE TASCHENDIEBIN wieder zurück in heimische Gefilde. Dabei orientiert er sich zwar vage an Sarah Waters‘ Fingersmith (auf Deutsch unter dem Titel Solange du lügst erschienen), doch letztlich steht sein visuell opulentes Verwirrspiel ganz für sich allein. Und gehört gleichsam zu den Höhepunkten in Parks Vita.

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Korea in den 1930er-Jahren. Die schöne, aber unnahbare Lady Hideko (Min-hee Kim) lebt mit ihrem dominanten Onkel Kouzuki (Jin-woong Jo) und ihrem ererbten Vermögen in einem abgelegenen Anwesen, dessen Herzstück eine hingebungsvoll gepflegte und bewachte Bibliothek ist. Kouzuki sammelt und verkauft Bücher voll schonungsloser Erotik, die Hideko zahlungskräftigen Herren vorlesen muss, um so den Preis der Bücher in die Höhe zu treiben. Eines Tages kommt ein neues Dienstmädchen, die junge und naive Sookee (Tae-ri Kim), ins Haus von Lady Hideko. Doch das Mädchen hat ein Geheimnis: Sookee ist eine Taschendiebin und Betrügerin, engagiert, um Hideko dem gerissenen Grafen Fujiwara (Jung-woo Ha) in die Hände zu spielen, der sie nach der Hochzeit um ihr Vermögen bringen will. Doch zwischen den beiden jungen Frauen entwickelt sich etwas Unerwartetes: ein ganz eigenes Begehren, eine ungeahnte Zuneigung, die die Karten der Macht neu verteilt.

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DIE TASCHENDIEBIN ist nicht bloß einer der besten Filme Chan-wook Parks, er ist zugleich auch der, bei dem die Handschrift des Regisseurs am deutlichsten zur Geltung kommt. Sowohl inhaltlich – es geht einmal mehr um Begehren, Rache, Schuld und Unschuld – als auch visuell ist das im restlichen Teil der Welt als THE HANDMAIDEN vermarktete Thrillerdrama vom Erzählstil und Ästhetikempfinden des 53-jährigen Filmemachers geprägt. Der hier wieder einmal auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnende Regieveteran verfrachtet die im Original im England des 19. Jahrhunderts spielende Geschichte ins Südkorea des Jahres 1930, lässt die Vorlage jedoch immer wieder hervorlugen. Etwa dann, wenn das spektakuläre Anwesen der Lady Hideko zu gleichen Teilen im englischen wie auch im koreanischen Stil erbaut wurde.