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DOPESICK

DOPESICK REVIEW – AUF DISNEY+

 

Regie: Danny Strong, Michael Cuesta, Patricia Riggen, Barry Levinson / USA 2021 / 8 Episoden à 57–63 Min.

Besetzung: Michael Keaton, Peter Sarsgaard, Michael Stuhlbarg, Will Poulter, John Hoogenakker, Kaitlyn Dever, Will Chase, Rosario Dawson, Jack McDorman, Phillipa Soo u.a.

Produktion: Barry Levinson, Danny Strong, Michael Keaton

Streaminganbieter: Disney+

Start: Bereits verfügbar

Eine Mini-Serie, die hier bei Disney + streamen könnt, über die Pharmaindustrie mit einem Sachbuch als Vorlage? Nach Spannung klingt das auf dem ersten Blick nur bedingt. Dabei ist DOPESICK eine der seltenen Ausnahme-Serien, bei der wirklich und ohne Einschränkung jede der insgesamt acht Episoden mitnimmt.

 

Im Mittelpunkt: Ein Bergbaustädtchen in Virginia. Schon seit Jahrzehnten praktiziert dort Samuel Finnix (Michael Keaton), begleitet seine Patienten von der Geburt bis zum Sterbebett. Bei vielen von ihnen führt die harte Arbeit im Kohlebergbau mit der Zeit zu körperlichem Verschleiß und chronischen Schmerzen, andere verletzen sich bei Unfällen. Starke Schmerzmittel sind gefragt – gleichzeitig ist die Gemeinde anfällig für den Rausch, um sich vom schweren und oft auch eintönigen Alltag abzulenken. Zum Glück kommt Mitte der 1990er ein neues Medikament auf den Markt: Oxycontin ist zwar ein Opioid, soll aber nur ein Prozent der Patienten, die es nehmen, abhängig machen. So das Versprechen von Hersteller und Pharma-Vertretern.

 

(Michael Keaton) (Photo by: Gene Page/Hulu)

Finnix, sonst umsichtig, lässt sich schließlich von dem für ihn zuständigen Vertreter (Will Poulter, DETROIT) überzeugen. Nach und nach verschreibt er das Wundermittel auch seinen Patientinnen und Patienten – die ihm bald positive Rückmeldung zur Wirkung geben. Bis die verschriebene Dosis nicht mehr ausreicht, um den körperlichen Schmerz zu unterdrücken. Und bis der Drang nach mehr immer stärker wird.

(Rosario Dawson), (Photo by: Gene Page/Hulu)

Obwohl die us-amerikanische Opioid-Krise in den vergangenen Jahren in einigen Filmen thematisiert oder zumindest gestreift wurde – so etwa in CHERRY und BEN IS BACK – sind die Hintergründe hierzulande kaum ein Thema. Umso erschütternder ist das, was DOPESICK zeigt: Wie die Sucht nach Macht und Geld bei Mitgliedern der Familie Sackler dazu führt, dass ihr Pharmakonzern Purdue ein gefährliches Produkt auf dem Markt bringt. Wie Behörden zu phlegmatisch reagieren, sich oft gegenseitig in ihrer Arbeit behindern. Wie Gier und Gewissenlosigkeit dafür sorgen, dass die Sacklers versuchen, Gefahren, die von Oxycontin ausgehen, zu vertuschen –  selbst als diese nicht mehr zu übersehen sind. Während Vertreter zunehmend aggressiver immer höhere Dosen an die Ärzte vertreiben. Vor allem aber, wie heftig die Auswirkungen auf die Konsumenten, ihre Familien und Gemeinden sind. Kinder verlieren ihre Eltern, Eltern ihre Kinder, junge Menschen ihre Zukunft. Familien brechen auseinander, Gewalt, Raub und Einbrüche nehmen zu, denn anders als illegale Substanzen findet sich Oxycontin in jeder Apotheke.

 

(Michael Stuhlbarg) (Photo by: Gene Page/Hulu)

Jede DOPESICK Episode springt zwischen verschiedenen Zeiträumen – von der Markteinführung bis zum Gerichtsprozess gegen Purdue Pharma in 2007. Dazwischen begleiten wir Finnix und seine junge Patientin Betsy (Kaitlyn Dever, BOOKSMART) in die Abhängigkeit. Es wird gezeigt, welche Versuche DEA Agentin Bridget Meyer (Rosario Dawson) und die Staatsanwälte Mountcastle (Peter Sarsgaard), Ramseyer (John Hoogenakker) und Brownlee (Jake McDorman) unternehmen, um Purdue Pharma zur Verantwortung zu ziehen. Und welche Intrigen und Machtkämpfe parallel dazu im Unternehmen selbst herrschen. Klingt alles kompliziert und als Zuschauer ohne großes Hintergrundwissen zu Zuständigkeiten bei US-Behörden versteht man nicht immer alles eins-zu-eins. Allerdings ist ein hundertprozentiger Durchblick auch gar nicht notwendig, um sich davor zu gruseln, welche Ausmaße Gier, Korruption und Verantwortungslosigkeit haben. Und wie schwerwiegend die Folgen sind.

(Will Poulter) (Photo by: Antony Platt/Hulu)

 

DOPESICK guckt sich aber nicht nur wegen seines komplexen, spannenden Drehbuchs gut weg. Hier zu schreiben, dass Michael Keaton gut spielen kann, ist überflüssig. Samuel Finnix ist auf jeden Fall eine starke Figur und trotz aller Schwächen und Fehler – DOPESICK zeigt viele Tiefpunkte – ein wahnsinnig großer Sympathieträger. Der Antagonist hierzu wäre Richard Sackler (Michael Stuhlbarg, BOARDWALK EMPIRE), der mit Grabesstimme und ohne Emotionen über Leichen geht und am liebsten schon Kinder an Oxycontin heranführen würde. (Hanna-Therese Bochmann)

 

Intelligente Serie, die gut unterhält – gleichzeitig ein Thema unterstützt, das mehr Aufmerksamkeit verdient hat.

 

DOPESICK ist im Rahmen des Disney+-Day veröffentlicht worden.

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DOPESICK REVIEW – AUF DISNEY+

 

Regie: Danny Strong, Michael Cuesta, Patricia Riggen, Barry Levinson / USA 2021 / 8 Episoden à 57–63 Min.

Besetzung: Michael Keaton, Peter Sarsgaard, Michael Stuhlbarg, Will Poulter, John Hoogenakker, Kaitlyn Dever, Will Chase, Rosario Dawson, Jack McDorman, Phillipa Soo u.a.

Produktion: Barry Levinson, Danny Strong, Michael Keaton

Streaminganbieter: Disney+

Start: Bereits verfügbar

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