„Die Zukunft kann uns mal!“ Nur ein Nieser entfernt, und es erwartet einen der wohl abgedrehteste Film des Jahres, der schon 2024 auf dem Fantasy Filmfest überzeugen konnte. Dass chinesische Filmproduktionen in den vergangenen Jahren den Maximalismus zur Richtlinie erklärt haben, wurde vor allem seit THE 800 und den beiden Teilen von DIE WANDERNDE ERDE deutlich sichtbar. Yang Lis ESCAPE FROM THE 21ST CENTURY reiht sich als wilder Genremix perfekt in diese Riege der Over-the-Top Actiongewitter ein. Sommer 1999 auf dem Planeten K. Eine Welt, die verblüffende Ähnlichkeiten zu China aufweist, ist die Heimat der drei Freunde Wang Zha, Chengyong und Paopao.

Trotz des näherrückenden Millenniums wollen die drei das Beste aus ihrem vermeintlich noch kurzen Dasein machen und ihre Jugend typisch voller Naivität genießen. Durch eine Auseinandersetzung mit einer anderen Jugendgang fallen die drei Freunde ins Wasser voller bunter Chemikalien. Der Moment, in dem sich ihr Leben komplett verändert. Ein Nieser reicht, und die Jugendlichen werden zwanzig Jahre in ihre eigene Zukunft befördert. Vom Leben noch nicht gezeichnet, merken die Freunde schnell, dass ihre baldige Zukunft ein Desaster ist. Und nicht nur ihre Zukunft, auch der Planet K steht vor dem Untergang, in dem die Menschen nur noch Hüllen ihrer selbst werden sollen.

Um die Machenschaften der kriminellen Organisation zu durchkreuzen, muss das Trio alles daransetzen, seine Zukunft zum Besseren zu verändern. Ein Augenzwinkern zu viel, und man verpasst eine ganze Sequenz des Films. ESCAPE FROM THE 21ST CENTURY ist ein wahres Feuerwerk aus Bildern, Stilen und abgefahrenen Ideen. Vergleiche mit Filmen wie EVERYTHING EVERYWHERE ALL AT ONCE oder SCOTT PILGRIM sind gegeben und zeigen dennoch nicht die Wucht, die auf Zelluloid gebannt ist. Innerhalb weniger Minuten ändert sich das Filmformat, aus Live-Action wird Animation, einzelne Schnittbilder von Gegenständen wechseln zu einer Kampfchoreografie, und mittendrin fliegt die Kamera in verschiedenen Blickwinkeln umher.

Auch das Genre befindet sich im ständigen Wandel, mal ist der Film ein düsterer Thriller, dann ein sommerlicher Coming-of-Age-Film, der sich wiederum in ein hochfrequentes Musikvideo verwandelt. Das mag im ersten Moment anstrengend klingen, aber Regisseur Yang Li weiß dieses Tempo gerade im Mittelteil wieder herunterzufahren, um immer wieder pointiert diesen Stil anzuwenden. Auch der Humor greift immer wieder großartig zu, wenn zum Beispiel Fahrräder ein großes Ärgernis in der Zukunft darstellen, um dann doch wieder sentimentaler zu werden, was die bevorstehende Zeit der Jugendlichen mit sich bringt.

Ein Film, der die Popkultur bedient und im Finale „Holding out for a Hero“ in einer Schnittmontage herrlich referenziell aufgreift. Trotz kleiner Längen und nicht immer ganz nachvollziehbarer Ereignisse ist ESCAPE FROM THE 21ST CENTURY ein Highlight des Jahres, auf das man sich unbedingt einlassen sollte. Und bei der ersten Sichtung wird man trotz offener Augen nicht alles gesehen haben können. (Olaf Kuzniar)
Grandioses Actionfeuerwerk aus China!
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