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EVIE TEMPLETON AUF DER FANTASY BASEL 2026

Von Sarah Stutte

In der überaus erfolgreichen Netflix-Serie WEDNESDAY spielt Evie Templeton Agnes – eine junge Schülerin in Nevermore, die sich unsichtbar machen kann. Sie hat sich als zunächst eher zurückhaltende und vor allem beobachtende Nebenfigur zu einem deutlich wichtigeren Charakter innerhalb der Handlung von Staffel 2 gemausert. Auf der Fantasy Basel 2026, die vom 14. bis 16. Mai stattfand, erzählte die 17-jährige Evie Templeton über die Entwicklung ihrer bisher wichtigsten Rolle und ihren Weg von einem lokalen Schauspielworkshop zu internationalen Produktionen wie WEDNESDAY und RETURN TO SILENT HILL.

Evie Templeton als Agnes in WEDNESDAY (c) Netflix.

Auf der Main Stage der Fantasy Basel 2026 wird schnell klar, dass Evie Templeton längst mehr ist als nur ein bekanntes Gesicht aus WEDNESDAY. Die junge Schauspielerin begegnet dem Publikum mit großer Offenheit – und sichtbar echter Freude über den direkten Kontakt zu den Fans. „Es ist immer so schön, die Fans zu sehen und ihre Outfits, ihre tollen Kostüme“, sagt sie zu Beginn des Panels und bedankt sich für die Energie im Saal. Für Templeton ist es erst die zweite Convention überhaupt – entsprechend spürbar ist ihre Mischung aus Begeisterung und Ungläubigkeit darüber, wie groß ihre Karriere inzwischen geworden ist.

Vom lokalen Workshop zum Netflix-Hit

Wie sie überhaupt zur Schauspielerei gekommen ist, beschreibt Templeton ohne Glamour, sondern fast beiläufig. „Es ist alles ziemlich verrückt. Ich bin da irgendwie hineingerutscht. Ich habe einfach einen Schauspielworkshop in meinem örtlichen Gemeindezentrum gemacht und wurde dann entdeckt.“ Dass daraus eine Rolle in einer der weltweit erfolgreichsten Serien entstehen würde, sei für sie nie absehbar gewesen. „Ich hätte nie gedacht, dass das einmal so eine große Dimension annehmen würde. Es ist ein Traum, der wahr geworden ist“, sagt sie rückblickend.

Templeton war während Staffel 1 von WEDNESDAY noch selbst Zuschauerin: „Ich war ein riesiger Fan der Serie“, sagt sie. Umso surrealer sei es gewesen, plötzlich selbst Teil dieses Universums zu werden. Über ihre Agentur habe sie ein Casting erhalten – zunächst jedoch ohne zu wissen, worum es überhaupt ging: „Ich habe ein Self-Tape gemacht, aber ich wusste nicht einmal, für welche Serie ich vorspreche, alles lief unter Codenamen.“ Erst später habe sie erfahren, dass es um WEDNESDAY ging.

„Ich war ein bisschen nervös. In eine solche Erfolgsserie einzusteigen, die man wirklich liebt, ist schon etwas nervenaufreibend. Aber der ganze Cast war so herzlich, dass mir der Einstieg wirklich sehr leicht gemacht wurde – und ich hatte am Ende die beste Zeit meines Lebens“, so Evie in Basel.

Für ihre Arbeit an der Serie habe sie früh begonnen, sich intensiv mit der Figur auseinanderzusetzen – unter anderem mit Moodboards und filmischen Referenzen. „Ich habe auch viele ältere Filme als Inspiration genutzt – zum Beispiel WHATEVER HAPPENED TO BABY JANE oder EINER FLOG ÜBER DAS KUCKUCKSNEST. Am Set war es dann viel Reaktion auf meine Szenenpartnerinnen Jenna Ortega und Emma Myers, die mich sehr unterstützt haben.“ Evie Templeton betont, wie stark der kreative Prozess am Set war: „Es war sehr kollaborativ … am Ende ist alles zusammengeflossen und hat die Figur Agnes ergeben.“

Agnes sei damit kein fertiges Konzept gewesen, sondern ein gemeinsames Erzählen zwischen ihr, den Showrunnern und dem Ensemble. „Ich habe mich sehr glücklich gefühlt, so viel Mitgestaltung in einer so großen Produktion zu haben“, sagt sie. Mit Tim Burton zu arbeiten, sei toll gewesen: „Tim ist ein Genie. Es ist ein großes Privileg, mit ihm zu arbeiten. Er ist sehr ruhig, sehr kollaborativ und schafft eine tolle Atmosphäre am Set.“

Evie Templeton in Basel (c) Sarah Stutte

Agnes zwischen Dunkelheit und Entwicklung

In der zweiten Staffel entwickelt sich Agnes von einer zunächst eher randständigen Figur zu einem wichtigen Teil der Handlung. Für Templeton war gerade diese Entwicklung besonders spannend. „Ich glaube, jeder Mensch will dazugehören. Agnes ist jemand, der am Ende lernt, nicht zu versuchen, sich zu verbiegen. Sie ist anfangs sehr unsicher und verletzlich, bis sie akzeptiert, was sie einzigartig macht.“

Evie Templeton gibt zu, dass sie sich gerne auch unsichtbar machen würde. „Das ist eine coole Superkraft. Und wenn ich ein Wesen in der Welt von WEDNESDAY wäre, dann wahrscheinlich ein Wolf – ihre Nägel sind toll“, sagt sie.

Auch die Besonderheit des ADDAMS-FAMILY-Universums hebt sie hervor. Vor allem die Dynamik zwischen Morticia und Gomez finde sie großartig. Die Welt sei zeitlos und biete jeder Generation neue Interpretationen: „Das Konzept der Addams Family ist unglaublich ikonisch.“ Gerade diese Mischung aus Tradition und Neuerzählung sei für sie ein zentraler Reiz der Serie.

Tanz, Kreativität und virale Momente

Die Tanzszenen bilden einen wichtigen Angelpunkt zwischen den beiden Staffeln. Während die Choreografie aus Staffel 1 viral ging, wurde auch Evie Templetons eigene Performance in Staffel 2 zu einem Fanfavoriten. Konkurrenzgedanken habe es dabei nie gegeben, stellt Templeton klar: „Es ging einfach darum, was zur Handlung passt.“

Und auf die Frage, ob sie ein Tanzdouble gehabt hätte, ergänzt sie: „Ich habe selbst getanzt. Tanzen ist eine meiner Leidenschaften. Meine ältere Schwester ist Tänzerin, dadurch war ich früh mit Bühne und Performance in Kontakt. Mein erster großer Moment war ein Auftritt im West End mit zehn Jahren – da wusste ich, dass ich das machen will.“

Die Choreografie sei sehr schwierig gewesen und intensiv erarbeitet worden, aber am Ende stark vom Moment am Set geprägt gewesen. „Es war gleichzeitig auch einer der lustigsten Drehtage. Ich habe mir nur gedacht: Bitte niemanden fallen lassen!“, erzählt sie lachend. Dass solche Szenen später online ein Eigenleben entwickeln, nimmt sie gelassen – auch weil sie selbst nicht auf TikTok aktiv ist.

Silent Hill: Emotion im Horror-Universum

Neben WEDNESDAY spricht Templeton auch über ihre Arbeit im Horror-Franchise SILENT HILL. Einerseits über ihre Arbeit am Videospiel SILENT HILL 2 sowie im Film RETURN TO SILENT HILL, in dem sie die Figur Laura verkörpert. Die Herausforderung liege hier vor allem in der emotionalen Balance zwischen Verletzlichkeit und Unheimlichkeit. „Ihre kindliche, manchmal trotzige Seite anzunehmen und gleichzeitig die unheimliche Seite auszubalancieren“, beschreibt Evie Templeton ihren Zugang zur Figur. Gerade diese Dualität habe die Rolle für sie besonders spannend gemacht – und sie gezwungen, sehr stark über Atmosphäre und innere Zustände zu arbeiten.

Alltag und neue Projekte

Die junge Schauspielerin, die auf Barbados geboren ist und ihre Kindheit dort als von Meer und Inselblase geprägt beschreibt, weit weg vom Rest der Welt, macht trotz ihres Erfolgs einen sehr bodenständigen Eindruck.

„Ich versuche, mich dadurch nicht verändern zu lassen und möglichst normal meinen Alltag zu gestalten. Ich gehe natürlich weiterhin zur Schule. Es ist ehrlich gesagt einfach sehr schön, Fans zu treffen. Es stört mich überhaupt nicht, wenn jemand zu mir kommt und nach einem Foto fragt.“

Auch die Bestätigung ihrer Rückkehr in Staffel 3 von WEDNESDAY sorgt im Saal für Applaus – Templeton selbst bleibt dabei zurückhaltend und deutet nur an, dass noch viel in Entwicklung ist. Sie sagt aber, dass sie persönlich gerne mehr Mystery in der neuen Staffel sehen würde. Gleichzeitig richtet sich der Blick bereits auf neue Projekte: Ihr Film VICTORIAN PSYCHO wird in Cannes Premiere feiern, was sie fast nebenbei erwähnt und ihre wachsende internationale Präsenz unterstreicht.

(c) Sarah Stutte

Zwischen Genres und Zukunftsplänen

Evie Templeton möchte ihre Karriere bewusst breit aufstellen. Neben Horror und Fantasy interessieren sie auch völlig andere Genres: „Ich würde sehr gerne verschiedene Genres ausprobieren, ein Historiendrama wäre cool.“ Ob Musical, Action oder klassische Coming-of-Age-Geschichten – sie zeigt sich offen für alles, was ihr neue Perspektiven als Schauspielerin eröffnet.

Auch im Gespräch über ihre Arbeit an WEDNESDAY wird klar, wie reflektiert sie an ihre Rollen herangeht. Auf die Frage, wie schwer es sei, Emotionen allein über Mimik zu transportieren, sagt sie: „Ich fand es ehrlich gesagt sehr spannend und spaßig, eine Figur zu verkörpern, die so anders ist als ich im echten Leben.“

Gleichzeitig betont sie, dass sie in Zukunft auch Rollen spielen möchte, die ihr näher sind. „Ich versuche immer, einen Verbindungspunkt zwischen mir und der Figur zu finden – also etwas, das mir ähnlich ist, damit es in mir selbst verankert ist, und von dort aus baue ich die Rolle dann auf.“

Dabei sieht sie beide Zugänge zur Schauspielerei als gleichermaßen wertvoll: „Ich würde sagen, beides ist auf unterschiedliche Weise herausfordernd. Wenn man jemanden spielt, der einem näher ist, kann man die eigenen Erfahrungen stärker einbringen. Aber wenn man jemanden spielt, der komplett anders ist, kann man sehr viel Freude daran haben, Dinge zu erkunden, die man selbst noch nie erlebt hat.“

Auch die Wirkung der Serie auf das Publikum ist für sie ein wichtiger Aspekt. Auf Fanreaktionen angesprochen, sagt Templeton: „Ich finde es großartig, dass die Serie so einen positiven Einfluss hat und so viele Menschen auf unterschiedliche Weise berührt. Das ist auch ein Grund, warum ich Schauspielerin werden wollte.“

Besonders das Thema Außenseitertum liege ihr am Herzen: „Ich denke, das Thema der Serie – manchmal ein Außenseiter zu sein oder sich nicht dazugehörig zu fühlen – ist eine sehr wichtige Botschaft.“

Gleichzeitig betont sie die Verantwortung solcher Figuren: „Ich finde es gut, eine Figur als Vorbild zu haben, nicht im Sinne von ‚man sollte Leute umbringen oder so etwas‘, aber als Beispiel dafür, dass es in Ordnung ist, sich nicht ständig anpassen zu müssen.“

EVIE TEMPLETON AUF DER FANTASY BASEL 2026