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Das Kind Sebastian Fitzek

Film als eigenständige Kunst – Interview mit Sebastian Fitzek

Sebastian Fitzek
Bestseller Autor Sebastian Fitzek. Foto c. by H. Henkensiefken

Es gibt wohl kaum jemanden, der gerne Thriller liest und dabei nicht mindestens einen Roman des Bestsellerautors Sebastian Fitzek in seinem Regal stehen hat. Im Herbst kommt nun mit DAS KIND die erste Verfilmung in die Kinos. Uns erzählte der Berliner, wie zufrieden er mit der Adaption ist, in welchem Maße er an der Realisierung beteiligt war und welche Filme ihn bei seiner Tätigkeit als Schriftsteller beeinflusst haben.

 

 

DEADLINE:

DAS KIND ist die erste Verfilmung eines deiner Romane. Wie zufrieden bist du denn mit dem Ergebnis?

 

 

SEBASTIAN FITZEK:

Ich bin sehr zufrieden. Das ist jetzt eigentlich nicht nur, weil wir für die Erstellung des Films weniger Geld hatten, als ein normales deutsches TV-Fernsehspiel zur Verfügung hat. Ich hatte ja schon viele, viele Drehbücher zu meinen Romanen gelesen, da ja fast jede namhafte Produktionsfirma damit beschäftigt ist, eines meiner Bücher auf die Leinwand zu bringen. Und nun hat es ausgerechnet eine Independentproduktion geschafft, da der Erste zu sein, mit einem Drehbuch und einem Film, der wirklich sehr, sehr nah am Buch ist. Also am nächsten von allen anderen Drehbüchern, die ich bisher gelesen habe.

 

 

DEADLINE:

Wie ich gesehen habe, warst du auch am Drehbuch beteiligt. Wie war die Arbeit für dich? Und wie sehr hat sie sich von deiner bisherigen unterschieden?

 

 

SEBASTIAN FITZEK:

Also ich muss ganz ehrlich sagen, ich bin da wie die Jungfrau zum Kinde dran gekommen. Ein guter Freund, der Regisseur, sagte, dass ich das mal machen soll, und ich dachte, Mensch, das haben so viele, auch namhafte große Produktionsfirmen nicht geschafft, wieso sollst du das schaffen, und habe eigentlich mehr im Scherz ja gesagt. Aber dann hat er das gesamte Projekt tatsächlich schon in Monaten auf die Beine gestellt. Ich habe dann immer mehr und mehr Aufgaben übernommen und bin auch finanziell am Ende eingestiegen. Das Einzige, was ich nicht gemacht habe, ist, dass ich mitgespielt habe. (lacht) Also auch nicht ein kleiner Cameo-Auftritt oder so. Und ich muss sagen, ich habe eine absolute Hochachtung vor Leuten, die im Filmgeschäft arbeiten. Die Hundertschaften, die daran beteiligt sind, so einen Film auf die Beine zu stellen. Wenn das mein Hauptberuf wäre … Das ist so hart, so anstrengend. Ich glaube, ich würde mich erschießen.

 

 

DEADLINE:

Könntest du dir trotzdem vorstellen, das in Zukunft noch intensiver zu betreiben?

 

 

SEBASTIAN FITZEK:

Also ich hoffe, nicht noch intensiver, denn das war wirklich ein Crashkurs durch alle Schwierigkeiten, die man irgendwie nur haben kann. Wenn das Geld knapp ist, wenn die Zeit knapp ist, logischerweise man aber trotzdem was Tolles auf die Beine bringen will, dann sind alle Probleme doppelt und dreifach groß. Und wir hatten alles! Wir hatten von einem Orkan am Set bis hin zu verschwundenen Schauspielern alles, was man sich irgendwie nur vorstellen kann. Ich könnte stundenlange Vorträge halten über Dinge, die am Set, aber auch danach passieren können. Deswegen: so intensiv bitte nicht noch mal! Aber natürlich, man ist ja auch wie so eine Eintagsfliege. (lacht) Wenn die nächste Herausforderung lockt, dann ist alles vergessen.

 

 

DEADLINE:

Wie war es für dich, als du erfahren hast, dass der international bekannte Schauspieler Eric Roberts die Rolle des Robert Stern übernimmt? Hattest du mit ihm gesprochen? Kannte er dein Buch?

 

 

SEBASTIAN FITZEK:

Ich fand es total irre. Er hat sich nämlich von alleine gemeldet! In Amerika haben wir einige Nebenrollen besetzen wollen. Meine Bücher erscheinen ja auch im Ausland, auch im englischsprachigen Ausland. Wir dachten, wir machen es gleich international, und da hat er sich von alleine gemeldet, weil er mitbekommen hatte, dass wir suchen. Er hatte sich auf eine Nebenrolle beworben, und wir haben gesagt, er könnte doch eigentlich die Hauptrolle spielen. Und dann haben wir mit ihm gesprochen, und er war so von dem Thema gepackt und fasziniert, dass er gesagt hat, dass es einer der wichtigsten Filme in seinem Leben ist. Und er hat ja schon einige gedreht. (lacht)

Das Kind Sebastian Fitzek

DEADLINE:

Das stimmt. Du hattest ja schon erwähnt, dass sich der Film sehr nah an deine Romanvorlage hält. Denkst du, dass der ein oder andere deiner Fans trotzdem mit diversen Änderungen nicht einverstanden sein wird? Und inwieweit hat dich das während der Vorbereitungen beeinflusst?

 

 

SEBASTIAN FITZEK:

Ganz ehrlich, ich war bei den ersten beiden Drehbuchfassungen nicht dabei. Schon aus dem Grunde, weil ich finde, ein Film ist ein eigenständiges Kunstwerk. Das Buch muss sich natürlich darin wiederfinden, aber der Regisseur ist kein Sklave, der meine Bilder auf Zelluloid – ist es ja schon gar nicht mehr – bannen muss, sondern er muss ein eigenständiges Kunstwerk schaffen, und ich wollte wissen, wie er mein Werk interpretiert. Und da, muss ich sagen, hat er erstaunlich gut meine Bilder getroffen. Natürlich, die Bilder im Kopf des Lesers werden immer anders und vielleicht immer besser sein als die eines Regisseurs. Man sollte also nie, nicht nur bei meiner Buchverfilmung, ins Kino gehen und nun erwarten, dass der genau das trifft, was man selber im Kopf hat. Das ist aber auch gar nicht die Aufgabe, sondern man soll sich überraschen lassen. Wie hat jemand anderes das gesehen? Und es sollte einen Mehrwert haben. Deswegen werden ein, zwei Fragen, die im Buch nicht beantwortet sind, im Film beantwortet.

 

 

DEADLINE:

Die Geschichte befasst sich mit Wiedergeburt und Rückführungen. Wie hast du dich auf das Thema vorbereitet?

 

 

SEBASTIAN FITZEK:

Es ist meistens so, dass mich verhaltensauffällige Personen, um es mal schön zu formulieren, in meinem näheren Umfeld zu Büchern inspirieren. Das war in dem Fall eine gute Freundin, die mir irgendwann mal erzählt hat, sie hätte schon einmal gelebt, und ihre Mutter, die war sehr spirituell und esoterisch veranlagt, hatte mehrere Rückführungen gehabt. Ich hatte einfach mit ihr gesprochen und habe gefragt, wie so eine Rückführung stattfindet und was sie da erlebt hat. Ich habe sie natürlich auch ins Zwiegespräch genommen, weil ich selber ja gar kein Esoteriker bin, sondern nach einer logischen Erklärung für dieses Phänomen suche. Was es in der Tat allerdings geben muss, denn all die Millionen Menschen, auch die Hundertausende von Kindern, vor allem in Indien, können sich nicht alle abgesprochen haben und alle auf einmal lügen, weil die ins Fernsehen wollen. Es muss also irgendeine naturwissenschaftliche Erklärung dafür geben, dass so viele Leute solche außergewöhnlichen Erfahrungen haben.

 

 

DEADLINE:

Eine anderes Thema ist Kindesmissbrauch bzw. Kinderpornografie. Wie bereitet man sich auf so ein heikles Thema vor? Die Ausführungen, die im Roman gemacht werden, erscheinen für Außenstehende ja sehr glaubwürdig.

 

 

SEBASTIAN FITZEK:

Ich komme ja aus dem Radiobereich. Ich bin Rundfunkjournalist und da eigentlich täglich mit unfassbaren Meldungen konfrontiert, wenn man sich mit der Nachrichtenredaktion auseinandersetzt. Und all das, was dort an Fakten beschrieben ist, das habe ich irgendwann einmal, zum Glück nicht selber, sondern eben durch Quellen, erfahren und habe immer mehr auch dafür recherchiert. Aber man muss ganz ehrlich sagen, dass ich am Beginn des Romans nicht wusste, dass er sich in diese Richtung dreht. Es ist ja immer so, dass die Figuren ein Eigenleben entwickeln und es irgendwann dann kam, warum Simon diese Morde begangen haben soll. Dann wurde aus ihm halt diese Rachefigur. Dass man sich zum Beispiel strafbar machen muss, um Eintritt in die Gemeinschaft zu haben, ist natürlich verifiziert. Genauso verifiziert ist aber auch, dass die Methoden sich ständig wechseln, weil man ja eben nicht erwischt werden will. Bis hin zu diesen schwarzen Brettern im Supermarkt oder im Film an den Laternenmasten. Diese Gesucht-gefunden-Zettel. Das hatte ich mir ausgedacht bzw. glaubte, mir ausgedacht zu haben, bis mir dann ein Schweizer Kommissar eine Mail schickte und sagte: Genau so ist es in unserem Kanton abgelaufen. Also als Autor hinkt man der Realität sowieso immer hinterher. Wenn man glaubt, sich etwas auszudenken, trifft man dann später auf Dinge in der Realität, die meistens doch viel schlimmer und unvorstellbarer sind.

Das Kind Sebastian Fitzek

DEADLINE:

DAS KIND ist der erste Film der After-Dark-Reihe, welche Genrefilme ins Kino bringt. Zudem warst du in der Jury des Schreibwettbewerbs „Schreib um dein Leben“ der Rat Pack Filmproduktion, die nach Stoffen im Horror- und Thrillerbereich gesucht hat. Ist das etwas, was dir am Herzen liegt?

 

 

SEBASTIAN FITZEK:

Das Genre liegt mir natürlich sehr am Herzen. Ich bin wie fast jedes Kind der Achtziger mit Stephen King großgeworden, aber auch mit schönen Schauergeschichten von Edgar Allen Poe. Und deswegen bin ich so froh, dass After Dark sich diesen Film ausgesucht hatte. Denn die hatten ja eigentlich schon ihr Programm fest gehabt, haben dann den Film gesehen und sich gedacht, das wäre eigentlich ein super Auftakt für diese Reihe. Von der ich hoffe, dass sie großen Erfolg haben wird. Jetzt nicht nur mit unserem Film, sondern beispielsweise auch mit der 3D-Verfilmung von THE RING im Original. Ich fand THE RING ja so schon sehr schön. (lacht) Es liegt mir einerseits das Genre am Herzen. Alles, was mit Spannung zu tun hat. Und beim Psychothriller verschwimmen ja die Grenzen zwischen klassischem Thriller, Psychothriller und Horror. Aber natürlich auch die Nachwuchsförderung. Das ist ein Genre, was in Deutschland viel zu sehr vernachlässigt wurde und im Filmbereich unglaublich vernachlässigt wird. Das ist ein Teufelskreis im Filmbereich. Wenn man einen Horror- oder einen Genrefilm drehen will, wird als Erstes gefordert: Ja, da braucht ihr einen erfahrenen Thrillerregisseur. Aber dadurch, dass das nie gefördert wurde, weil alle sagen, das funktioniert nicht, gibt es gar keine. Die wenigen, die das gemacht haben, die drehen ja schon wieder in Hollywood. Man traut sich hier in Deutschland aus irgendeinem Grund im Filmbereich nicht ran. Man hat hier fast gegen Windmühlen zu kämpfen. Und auch in dem Zusammenhang begrüße ich, dass After Dark da sehr mutig vorangeht und was etablieren will.

 

 

DEADLINE:

Ich hatte übrigens auch bei dem Wettbewerb mitgemacht und bin immerhin in die Top 50 gekommen.

 

 

SEBASTIAN FITZEK:

Echt? Cool, cool. Wie hieß denn deine Geschichte?