Regie: Tate Taylor / USA 2016 / 105 Min.

Darsteller: Emily Blunt, Rebecca Ferguson, Haley Bennett, Justin Theroux, Luke Evans, Allison Janney, Edgar Ramirez, Lisa Kudrow, Laura Prepon

Produktion: Marc E. Platt

Freigabe: FSK 12

Verleih: Constantin

Start: 27.10.2016

 

Rachel (Emily Blunt) ist ein seelisches Wrack. Seit ihrer Scheidung ist ihr ohnehin starker Alkoholkonsum noch mehr ausgeufert, und ihr Leben driftet nur noch dahin. Auf den täglichen Zugfahrten zur und von der Arbeit beobachtet sie die junge Megan (Haley Bennett) auf ihrer Terrasse. Sie hat alles, was Rachel nicht mehr hat – ein schönes Haus, eine erfüllte Ehe, ein glückliches Leben. Doch Megan leidet unter ihrer Vergangenheit und unter ihrem dominanten Ehemann, der unbedingt ein Kind von ihr will. Sie geht regelmäßig zum Psychologen und arbeitet als Nanny für ihre Nachbarin Anna (Rebecca Ferguson), die ehemalige Geliebte und neue Frau von Rachels Ex-Mann. Mit ihm lebt sie in dem gleichen Haus, das er vor Jahren mit Rachel gekauft hat und an dem diese jeden Tag zweimal mit dem Zug vorbeifährt.

 8N95_FPT_00061AR_700

So sieht sie aus, die Personenkonstellation, die GIRL ON THE TRAIN in seinen ersten 20 Minuten aufstellt. Drei Frauen, die klar miteinander verbunden sind und deren Leben direkt aufeinander aufbauen. Dabei ist es die alkoholkranke Rachel, die im Zentrum der Handlung steht, das titelgebende „Mädchen“ im Zug, das still in die Leben der anderen beiden hineinsieht und somit auch Zeugin der entscheidenden Veränderungen darin wird. Ein unbekannter Mann, der Megan eines Tages auf ihrer Terrasse in den Armen hält, ist es, der zu einer Kurzschlussreaktion bei Rachel führt. Die heile Welt ihrer Fantasie bricht plötzlich in sich zusammen. Die Frau, die alles hat, was ihr verwehrt bleibt, wirft es leichtfertig weg, indem sie eine Affäre beginnt. Angefüllt mit Wut und Hochprozentigem steigt Rachel an diesem Abend aus dem Zug. Und wacht am nächsten Morgen ohne Erinnerung, aber blutverschmiert und von Prellungen übersät auf. Die Schlagzeilen des Tages werden vom Verschwinden Megans beherrscht.

 8N95_TP_00009R_700

GIRL ON THE TRAIN basiert auf dem Bestseller-Roman der US-Autorin Paula Hawkins, dessen Plot Regisseur Tate Taylor (THE HELP, GET ON UP) recht originalgetreu auf die große Leinwand überträgt. Leider hatte er dabei anscheinend sehr genaue Vorgaben, wie das Endprodukt auszusehen hat, denn wirklich alles an diesem Thriller lässt einen an David Finchers GONE GIRL denken – von der psychologischen Emanzipationsgeschichte und dem Verschwinden einer jungen Frau bis hin zu Bildsprache und Musik. Zu offensichtlich orientiert sich Taylor an dem Überraschungserfolg von 2014 nach der Buchvorlage von Gillian Flynn. Während das einerseits verhindert, dass GIRL ON THE TRAIN eine eigene filmische Identität entwickelt, ist es andererseits eine von Grund auf schlechte Idee gewesen, etwas als Vorlage zu nehmen, das derart perfekt ausgearbeitet ist. Denn dem direkten Vergleich mit Finchers Vision hält diese Fortsetzung im Geiste ganz einfach nicht stand.