Es herrscht nicht unbedingt ein Mangel an Geschichten, die sich in unterschiedlichsten Ausprägungen mit Superheld:innen beschäftigen. Südkorea bietet mit HI-FIVE eine heitere, chaotische und doch erfrischende Alternative zu jenen westlichen Genrevertretern, die selbst hartgesottene Fans in die „Superhero Fatigue“ getrieben haben.

Fünf gewöhnliche Menschen erlangen Superkräfte, nachdem sie Organtransplantationen – und magische Tattoos – von einem mysteriösen Spender erhalten haben. Die in Taekwondo bewanderte Schülerin Park Wan-seo (Lee Jae-in) entwickelt nach einer Herztransplantation enorme Kraft und Geschwindigkeit, während der arbeitslose Gi-dong (Yoo Ah-in) mit neuer Hornhaut plötzlich elektromagnetische Wellen kontrollieren kann. Hinzu gesellen sich der Fabrikleiter Huh Yak-seon (Kim Hee-won), dessen neue Leber ihn andere Menschen heilen lässt, der gescheiterte Drehbuchautor Park Ji-sung (Ahn Jae-hong) mit Superlunge und -atem sowie Verkäuferin Kim Seon-nyeo (Ra Mi-ran), deren Kräfte zunächst ein Geheimnis bleiben. Ihnen gegenüber steht der größenwahnsinnige Sektenführer Seo Yeong-chun (Park Jin-young), der durch eine Bauchspeicheldrüsentransplantation die Jugend anderer Menschen absorbieren kann. Und Superkräfte.

Regisseur und Autor Kang Hyeong-cheol (SCANDAL MAKERS) hält sich nicht lange mit der Exposition auf und konzentriert sich zunächst auf seine Protagonist:innen. Diese mögen Stereotypen entsprechen, doch ihre Hintergründe sind greifbar, die Figuren größtenteils charismatisch. Viel wichtiger: Sie funktionieren als Ensemble, und man gönnt der Truppe rasche Erfolge, während sie ihre Kräfte entdeckt.

Deren Visualisierung ist bewusst artifiziell gehalten und bemüht sich erst gar nicht, den Anschein von Realismus zu erwecken. Die übertriebene Inszenierung der Actionsequenzen – Charaktere fliegen mit überzogener Geschwindigkeit, Schläge entfalten cartoonartige Wucht – erinnert an die stilisierten Komödien eines Stephen Chow (KUNG FU HUSTLE) und passt damit zum turbulenten Wesen des Films. Damit riskiert Regisseur Kang jedoch, die Aufmerksamkeit des (internationalen) Publikums zu verlieren. Oft schwankt der Film tonal von Action, Humor und Drama – mit bisweilen deprimierenden Themen – zu albernem Slapstick oder vergisst angerissene Handlungsstränge.

Im Grunde erzählt HI-FIVE eine leichtherzige Actionkomödie mit Augenzwinkern, die jedoch mit Blick auf den Schurken des Films einen bissigen gesellschaftskritischen Unterton erhält. Denn in Südkorea haben sich im Zuge rasanter gesellschaftlicher Veränderungen und eines enormen Leistungsdrucks zahlreiche religiöse Bewegungen etabliert. Darunter auch Gruppen mit exklusiven, undurchsichtigen Heilsversprechen und strengen Hierarchien, die an Kulte oder Sekten erinnern.
HI-FIVE ist eine sehenswerte Alternative zu westlichen Superhero-Movies, die trotz düsterer Untertöne mit Herz und Humor besticht. Und mit ihrem Soundtrack. (Christian Daumann)
The Fantastic F…ive
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