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HINTERLAND

Regie: Stefan Ruzowitzky / AT, LUX, B, D 2021/99 Min.

Darsteller: Murathan Muslu, Liv Lisa Fries, Max von der Groeben, Marc Limpach

Produktion: Oliver Neumann, Sabine Moser, Bady Minck, Alexander Dumreicher-Ivanceanu, Geneviève Lemal, Robert Marciniak

Freigabe: FSK 16

Verleih: SquareOne Entertainment

Start: 07.10.2021

Von dem Enthusiasmus, mit dem Peter Perg (Murathan Muslu) für den österreichischen Kaiser in den Krieg zog, ist nicht viel geblieben, als er 1920 aus russischer Kriegsgefangenschaft nach Wien zurückkehrt. Von seiner Heimat auch nicht. Seine Familie ist weg, bei der Arbeit will ihn niemand, er wird wie Dreck behandelt. Ebenso schlimm ist aber das, was in ihm selbst kaputt gegangen ist. HINTERLAND erzählt die Geschichte eines tief traumatisierten Mannes, der sich in einer veränderten Welt nicht mehr zurechtfindet. Das hätte auch als reines Drama funktioniert. Regisseur und Co-Autor Stefan Ruzowitzky (ANATOMIE, DIE FÄLSCHER) verbindet dieses und die Antikriegsnachricht aber mit einem klassischen Thriller, wenn Perg gemeinsam mit dem jungen Kommissar Paul Severin (Max von der Groeben) und der Gerichtsmedizinerin Dr. Theresa Körner (Liv Lisa Fries) einen Mörder jagt, der in der Stadt sein Unwesen treibt. Die Opfer: allesamt Männer aus Pergs Umfeld.

 

Ganz und gar nicht klassisch ist aber, welchen Look der österreichische Filmemacher hier auf die Leinwand geholt hat. Anstatt reale Kulissen aus dieser Zeit zu verwenden, wie man es bei historischen Filmen meistens macht, ist ein Großteil der Schauplätze am Computer entstanden. Diese wiederum wurden stark verfremdet: Alles in HINTERLAND ist schief, verzogen, irgendwie falsch. Die Häuser sehen immer so aus, als würden sie gerade kippen. Die Straßen sind praktisch nie ebenerdig, verschwinden schon mal auf groteske Weise im Himmel. Und auch die betont künstliche Farbgebung zwischen Schwarz, Grau und Blau trägt dazu bei, dass hier nichts real wirkt. Ruzowitzky hat mithilfe des Computers eine bizarre Alptraumwelt erschaffen, die zum Spiegel der tief gestörten Figuren wird. Die inneren Kämpfe, die Abgründe, die fehlende Orientierung, all das findet sich in den Szenerien wieder, bei denen Wirklichkeit und Vorstellungskraft nicht voneinander zu trennen sind.

 

Atmosphärisch ist das überwältigend, das Publikum darf in dem finsteren Labyrinth immer wieder verlorengehen. Gleichzeitig fordert HINTERLAND auch auf inhaltlicher Ebene heraus. Der Thriller stellt einige Fragen der Moral, deren Beantwortung nahezu unmenschlich ist. Im Krieg waren die Männer mit Entscheidungen konfrontiert, die getroffen werden müssen und die doch keiner treffen kann. Aus den Menschen mit Idealen und Träumen sind Bestien geworden, die sich gegenseitig zerfleischen mussten um zu überleben. Das taten sie. Aber der Preis für dieses Überleben war hoch: Sie haben nahezu alles verloren, inklusive sich selbst, werden unentwegt verfolgt von dem was war und nicht sei durfte.

 

Der Kriminalfall an sich hinterlässt dabei weniger Eindruck. Die Morde selbst sind bizarr, ansonsten zeigt sich der Film da von einer recht konventionellen Seite. Auch bei der Auflösung halten sich die Überraschungen in Grenzen, diese konnte man schon vorher erahnen. Doch die Bilder und die schauspielerischen Leistungen machen die Mörderjagd lohnenswert, bei der das Bekannte und das Unbekannte dicht beieinanderliegen und der Weg in eine mögliche Zukunft tief durch die Vergangenheit führt.

 

(Oliver Armknecht)

 

Traumatisch schräge Jagd auf einen Mörder

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HINTERLAND

Regie: Stefan Ruzowitzky / AT, LUX, B, D 2021/99 Min.

Darsteller: Murathan Muslu, Liv Lisa Fries, Max von der Groeben, Marc Limpach

Produktion: Oliver Neumann, Sabine Moser, Bady Minck, Alexander Dumreicher-Ivanceanu, Geneviève Lemal, Robert Marciniak

Freigabe: FSK 16

Verleih: SquareOne Entertainment

Start: 07.10.2021

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