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(HYPE DES TAGES) RESURRECTION – REVIEW UND INTERVIEW MIT BI GAN

RESURRECTION

(OT: KUANGYE SHIDAI)

Regie: Bi Gan / China, Frankreich 2025 / 159 Min.

Besetzung: Jackson Yee, Shu Qi, Mar Chao, Li Gengxi, Huang Je, Chen Yongzhong

Freigabe: FSK 16

Vertrieb: Plaion Pictures

Start: 25.06.2026

Ist RESURRECTION der außergewöhnlichste Kinofilm des Jahres?

🎬 Kinostart: 25.06.2026 via Plaion Pictures!

Wir haben nicht nur unsere ausführliche Review für euch, sondern auch ein exklusives Interview mit Bi Gan, in dem er über Traumlogik, die Zukunft des Kinos und die Inspiration durch den deutschen Expressionismus spricht.

Nach einem berühmten Zitat des russischen Filmemachers Andrei Tarkowski ist das Kino „versiegelte Zeit“. Einem Bildhauer gleich nutzt man Momente, um eine Erzählung zu kreieren, wobei Aspekte wie Kameraführung, Schnitt, Licht und Schauspiel die Palette des Künstlers darstellen. Darüber hinaus ist Kino jedoch ebenso eine Perspektive auf die Welt, auf Gegenwart wie Vergangenheit, die darauf abzielt, diese besser zu verstehen. Besonders in von Krisen geprägten Zeiten wie heute vermag das Kino nicht nur zu erinnern und zu reflektieren, sondern eröffnet uns auch die wichtige Möglichkeit, innezuhalten und zu verstehen – etwas, wofür im Rausch der Welt um uns herum meist keine Zeit bleibt.

Diese Grundidee des Kinos müsse man sich immer wieder vor Augen führen, wie der chinesische Filmemacher Bi Gan betont. Seine bisherigen Werke KAILI BLUES und LONG DAY’S JOURNEY INTO THE NIGHT definierten Kino bereits als Raum der Erinnerung, wobei die Grenzen zwischen Realität und Traum immer wieder verschwammen. Kollektive wie individuelle Erinnerung funktionieren niemals linear und sind stets geprägt von unterschiedlichen, oft auch widersprüchlichen Emotionen. Da gegenwärtig politisch wie gesellschaftlich viele weitere Sicherheiten wegzubrechen drohen, drehte Bi Gan seinen neuen Film RESURRECTION als Reaktion auf diese Entwicklungen. Mit diesem blickt er zurück auf die vergangenen hundert Jahre – auf Liebe, Dunkelheit und Verbitterung –, um zu verstehen, wie wir zu unseren heutigen Konflikten gelangt sind.

Zunächst jedoch versetzt uns RESURRECTION in die Zukunft. Die Menschheit hat aufgehört zu träumen, um die Lebenszeit jedes Einzelnen zu verlängern. Eine geheimnisvolle Frau (Shu Qi) ist auf der Suche nach einem Fantasmer (Jackson Yee), einem Wesen, das sich in Filmen versteckt, wo es weiterhin träumen darf. Da sie seine Leidenschaft für das Träumen nicht versteht, geht sie dieser auf den Grund und stößt dabei auf einen alten Filmprojektor im Kopf der Kreatur. Als sie diesen in Gang setzt, erlebt sie die einzelnen Stationen im Leben des Fantasmers, der von Jahrzehnt zu Jahrzehnt immer wieder in eine andere Gestalt schlüpft. Dabei begegnet sie Liebe, Wut und den Konflikten, die das Leben der Menschen geprägt haben.

Sechs Kapitel umfasst das Leben des Fantasmers. Während das erste zu Beginn des letzten Jahrhunderts spielt, befinden wir uns im letzten Abschnitt – oder vielmehr Traum – in der Silvesternacht des Jahres 1999 und begleiten einen jungen Mann (Yee) bei der Suche nach einer jungen Frau (Li Gengxi), in die er sich unsterblich verliebt hat. Dabei legt er sich jedoch mit einer Gruppe Gangster sowie einer übersinnlichen Macht an.

Der Zuschauer muss sich bei RESURRECTION auf eine Traum- und Zeitreise gefasst machen. Ähnlich den fließenden Übergängen eines Traums verbindet Bi Gan die sechs Geschichten und die Rahmenhandlung seines nunmehr dritten Films. Linearität ist dabei kaum gegeben, weshalb es innerhalb der Geschichte immer wieder zu Zeitsprüngen kommt. Das mag zu Beginn gewöhnungsbedürftig wirken – gerade weil die Rahmenhandlung überaus abstrakt erscheint –, jedoch kann man sich dem erzählerischen Sog von RESURRECTION kaum entziehen. Hinzu kommt, dass Bi Gan sehr unterschiedliche Tonlagen miteinander vereint: Während das eine Kapitel romantisch und berührend wirkt, erscheinen andere wiederum dramatisch, tragisch oder melancholisch. Wie ein Träumender ergibt man sich dem einen wie dem anderen Traum, die zugleich immer wieder auf die Geschichte des Kinos selbst verweisen.

Der Film wird dabei zum Spiegel gesellschaftlicher Brüche. Wie schon in seinen vorherigen Werken scheut Bi Gan direkte Verweise und lässt stattdessen Symbole und Zeichen für sich sprechen. Die Asche eines Briefes, geschrieben von der geliebten, aber zu früh verstorbenen Tochter, wird zum Schlüssel, um eine zerbrochene Beziehung zu heilen. Ein ehemaliger Mönch beteiligt sich am spirituellen Raub der Vergangenheit und stellt sich letztlich seiner eigenen Verbitterung und Schuld. Die Bilderflut, die Bi Gan seinem Zuschauer präsentiert, ist wunderschön, vielschichtig und elegant, zugleich aber auch fordernd, sodass ein wiederholtes Ansehen der sechs Träume sicherlich hilfreich sein dürfte. Dennoch lässt sich auch RESURRECTION intuitiv erfassen, sofern man in diesem hypnotischen Bilderstrom nicht bloß eine ästhetische Erfahrung erkennt, sondern einen möglichen Schlüssel zum Verständnis der Welt und der eigenen Existenz – genau das sind Träume schließlich.

RESURRECTION ist ein wunderschöner Film, der ebenso zwischen verschiedenen Genres changiert wie zwischen Stimmungen, Tonlagen und Empfindungen. Bi Gan nimmt seinen Zuschauer mit auf eine Reise – oder vielmehr auf eine Erfahrung –, die dem Betrachter eine Perspektive auf unsere Zeit eröffnet, in all ihren Facetten und Widersprüchen. (Rouven Linnarz)

Eine hypnotische Traumreise durch Erinnerung, Kino und die Widersprüche eines Jahrhunderts.

INTERVIEW MIT REGISSEUR BI GAN

DEADLINE: Herr Gan, die meisten Kritiker, darunter auch ich, sind von Ihrem Film RESURRECTION sehr angetan. Wie zufrieden sind Sie selbst mit Ihrem Film?

Bi Gan: Ich bin tatsächlich sehr zufrieden. Gerade in dieser Zeit einen solch retrospektiven Film zu drehen, ist etwas, das mich sehr erfüllt und worauf ich stolz bin. Es ist beinahe so, als würde ich verschiedene Kurzgeschichten in eine Anthologie einfügen. Ich habe versucht, mit all diesen unterschiedlichen Geschichten und Episoden 100 Jahre in einem Film zu verdichten. Und das Ergebnis macht mich sehr zufrieden.

DEADLINE: Ihr Film funktioniert nach einer Traumlogik und hat eben solche traumhaften Bilder. Für manche Menschen ist der Film daher nur schwer zugänglich. Planen Sie, irgendwann einen Film mit einer sehr einfachen, geradlinigen Erzählstruktur zu drehen?

Bi Gan: Am Anfang war mein Ansatz tatsächlich einfacher gedacht. Doch im Laufe der Produktion stellte ich fest, dass es mit den vorhandenen filmischen Mitteln sehr schwer ist, die Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit zu überschreiten. Ich musste eine neue filmische Sprache erfinden, um von Träumen zu erzählen. Mein Ausgangspunkt war eine Geschichte über hundert Jahre, was natürlich sehr komplex ist. Aber es wurde noch schwieriger als erwartet, nicht nur wegen des großen zeitlichen Bogens, sondern weil ich zunächst mit den bestehenden Techniken auskommen musste. Jedes Element musste neu zusammengesetzt und bearbeitet werden. Das war anders als bei meinen früheren Filmen. Ich konnte mich dann nicht mehr nur auf die vorhandene Filmsprache stützen, sondern musste neue Erzählweisen entwickeln. Anders hätte ich 100 Jahre Geschichte nicht in zweieinhalb Stunden unterbringen können. Das machte den Film für manche Zuschauer vielleicht etwas herausfordernder.

DEADLINE: Sie sprechen von Filmsprache und der Erfindung neuer Ausdrucksformen. Glauben Sie, dass es grundlegende Unterschiede zwischen der chinesischen und der westlichen Filmsprache gibt?

Bi Gan: Ost und West unterscheiden sich definitiv auf philosophischer und konzeptueller Ebene, also in der Art und Weise, wie sie die Welt betrachten. Wenn man die Einzigartigkeit der chinesischen Filmsprache wirklich verstehen will, denke ich, dass sie stärker vom Realismus geprägt ist als die westliche Filmsprache.

DEADLINE: In RESURRECTION setzen Sie so viele verschiedene Techniken, unterschiedliche Blickwinkel und Kadrierungen ein, dass der Film an Kreativität nur so strotzt. Haben Sie manchmal Angst, dass Ihnen die Kreativität ausgeht?

Bi Gan: Es ist meine Art, alles für den Film zu geben, an dem ich momentan arbeite. Ich könnte gar nicht anders, als alles dafür zu geben. So habe ich schon immer gearbeitet, und das wird auch in Zukunft so sein.

DEADLINE: In Ihrem Film gibt es eine Episode, die eine Vampir-Liebesgeschichte erzählt. Warum haben Sie sich genau für diese Kreatur entschieden und nicht für ein anderes filmisches Monster?

Bi Gan: Diese Episode spielt um das Jahr 2000. Das war eine Zeit, in der es viele Gerüchte und kindliche Vorstellungen vom Weltuntergang gab. Es war auch die Zeit, in der das Internet in China Einzug hielt und rasant an Popularität gewann. Die Menschen konnten plötzlich eine eigene Identität im Netz aufbauen, sich Pseudonyme geben und so weiter. Gleichzeitig entstand durch das Internet ein massives Aufeinanderprallen verschiedener Kulturen, das seine eigenen Regeln schuf. Diese Periode wollte ich einfangen, aber nicht nur die gelebte Realität, sondern auch die virtuelle Wirklichkeit, die damals immer mehr an Bedeutung gewann. Der Vampir erschien mir als geeignetes Mittel, um diesen Zeitgeist in China zu erfassen. Vor allem aber wollte ich damit in dieser Episode ein ganz bestimmtes Gefühl untersuchen: das Gefühl der Berührung. Der Vampir diente mir als Vehikel, um diesen Sinn des Tastens und Berührens zu erkunden.

DEADLINE: Zu Beginn von RESURRECTION gibt es eine Episode, die stark vom deutschen Expressionismus beeinflusst scheint. Haben Sie eine besondere Vorliebe für diese Epoche des deutschen Kinos?

Bi Gan: Ja, ich habe mich intensiv mit dem Stummfilm auseinandergesetzt, insbesondere mit dem deutschen Expressionismus. Ich habe für die erste Episode aber auch andere filmische Sprachen aus der Stummfilmära einbezogen. Aber der deutsche Expressionismus passte für mich besonders gut zu dem Monster, das ich erschaffen wollte, sowohl in seiner äußeren Erscheinung als auch in seiner physischen Umgebung. Deshalb haben wir uns zu Beginn der Produktion mit unseren Designern zusammengesetzt und besprochen, wie wir das Wesen dieses Monsters visuell umsetzen können. Und dabei kamen wir schnell auf den deutschen Expressionismus. Wir haben uns dabei einen alten Film von Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau angesehen, FAUST (1926). Das war eine unserer größten Inspirationen.

Interview geführt von Martin Seng

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Bilder (c) Plaion Pictures

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RESURRECTION

(OT: KUANGYE SHIDAI)

Regie: Bi Gan / China, Frankreich 2025 / 159 Min.

Besetzung: Jackson Yee, Shu Qi, Mar Chao, Li Gengxi, Huang Je, Chen Yongzhong

Freigabe: FSK 16

Vertrieb: Plaion Pictures

Start: 25.06.2026