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Im Gespräch mit Michael und Peter Spierig zu PREDESTINATION

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TWINS
Im Gespräch mit Michael und Peter Spierig

 

Die Zwillinge Michael und Peter Spierig, bekannt als die Spierig Brothers, wurden 1976 in Buchholz in der Nähe von Hamburg geboren, sind jedoch schon in jüngsten Jahren mit ihrer Familie nach Australien ausgewandert. Kann man ihnen bei diesem Ortswechsel nur schwer verdenken. Nachdem sie mit zehn Jahren die Videokamera ihres Vater entdeckten und damit Filme über explodierende Teddys in ihrem Hinterhof aufnahmen, war das Interesse für das Medium Film und dabei vor allem den fantastischen geweckt.
Nach ihrem Debüt und Überraschungserfolg NIGHTBREAKERS – THE UNDEAD und der erfrischenden Vampir-Interpretation DAYBREAKERS ist PREDESTINATION ihr dritter Langfilm und erzähltechnisch am aufwendigsten. Wussten in den ersten beiden Werken neben kleineren Plot-Twists vor allem die Schaueffekte zu überzeugen, stehen diese in PREDESTINATION ganz im Dienste der Story.
Die Zwillinge kümmern sich bei ihren Filmen um die verschiedensten Aufgaben und Details und fungieren gerne als Autoren, Produzenten, Regisseure, Effektmeister und Komponisten in Personalunion.
Ein Review könnt ihr in der DEADLINE #49 lesen. PREDESTINATION ist jetzt erhältlich!

 predestination_JPG-I10©TiberiusFilm

Deadline: Ihr seid ja beide in Deutschland geboren. Sprecht ihr auch Deutsch und habt noch irgendeine Verbindung zu eurem Geburtsland?

 

Peter Spierig: In unserer Familie wurde immer viel Deutsch gesprochen, vor allem von meinen Eltern. Wir konnten es auch mal sprechen, aber haben später leider das meiste unserer Deutschkenntnisse verloren. Wir verstehen immer noch einiges, aber es ist so lange her.

 

Deadline: Wann wart ihr das letzte Mal hier?

 

Peter Spierig: Das letzte Mal, dass wir wirklich in Deutschland waren, ist schon 15 Jahre her. Seitdem waren wir leider immer nur noch auf der Durchreise hier. Aber wir möchten unbedingt bald mal wieder zurückkehren.

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Deadline: Euer Film PREDESTINATION basiert auf der Kurzgeschichte ALL YOU ZOMBIES von Robert A. Heinlein. Wie seid ihr auf die Story gestoßen?

 

Peter Spierig: Ich habe die Kurzgeschichte vor vielen Jahren mal gelesen und fand sie sofort außergewöhnlich kreativ und interessant. Ich habe sie dann Michael gegeben, und er empfand das Gleiche. Wir haben zueinander gesagt, dass wir eines Tages einen Film darüber machen würden. Irgendwann haben wir dann aufgehört, „eines Tages“ zu sagen, und angefangen, es einfach in die Tat umzusetzen, also unser Drehbuch zu schreiben. Und schließlich ist dann der Film daraus geworden, der er jetzt ist.

 

Deadline: Welche Veränderungen habt ihr an der ursprünglichen Erzählung vorgenommen? Ich meine, dass das Element des Attentäters im Original nicht zu finden ist.

 

Peter Spierig: Ja, der Bombenattentäter war eine der Hauptzutaten, um aus der Kurzgeschichte einen Film zu machen. Wir hatten das Gefühl, einen nervenkitzelnden Aspekt hinzufügen zu müssen. Wenn man einfach nur die Kurzgeschichte in ein Drehbuch umwandelt, was wir zu Beginn getan haben, kommt man nur auf 20 bis 25 Seiten. Die Kurzgeschichte selber hat nur neun Seiten, man muss also einige Elemente verstärken, vergrößern und hinzufügen. Auch die Figur von Robertson, gespielt von Noah Taylor, war unsere Erfindung. Auch dank Robertson wurde aus der anfänglichen Erzählung ein rundes Stück in drei Akten.

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Deadline: Nach DAYBREAKERS habt ihr euch bereits zum zweiten Mal für Ethan Hawke in der Hauptrolle entschieden. Warum passt er so gut als Protagonist in die Geschichte?

 

Peter Spierig: Ethan ist ein unglaublich intelligenter Kerl, der einen solch gebildeten und gleichzeitig verwundbaren Charakter hervorragend spielen kann. Aber nicht nur das, er ist auch jemand, der sich mit Ideen aktiv in die Entstehung des Films einbringt. Als er zum Projekt stieß, hatte er sofort verschiedene Vorschläge. Jedes Mal, wenn es darum ging, den Film noch etwas besser zu machen, schaute er auf das große Ganze und nicht darauf, dass seine Rolle mehr in den Mittelpunkt gerückt werden würde. So jemanden dabei zu haben ist sehr angenehm und wertvoll.

 

Deadline: Was ist eurer Meinung nach so interessant an dem Gedanken der Zeitreisen und fasziniert die Menschen so sehr?

 

Peter Spierig: Zum einen ist es reizvoll darüber nachzudenken, wie es wäre, in die Zukunft zu reisen und Dinge zu sehen, die jetzt unvorstellbar sind. Zum anderen ist es der Wunschtraum von vielen, in die Vergangenheit gehen zu können und Dinge zu ändern, von denen man sich wünscht, dass man sie anders gemacht hätte. Das alleine schafft alle möglichen Arten von Problemen und komplexen Situationen. Es ist einfach ein faszinierendes Konzept, welches man unendlich weiterspinnen kann, ein Paradoxon. Und es bietet sich natürlich auch sehr für visuelle Effekte an.

 

Deadline: Interessieren euch mehr Zeitreisegeschichten, in denen die Figuren viele Jahre in die Zukunft oder die Vergangenheit reisen, oder reizt euch eher die Idee, nur wenige Minuten vor- oder zurückgehen zu können?

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