Wer kennt noch BUBE, DAME, KÖNIG, GRAS? Guy Ritchies Debüt von 1998 markierte die Geburtsstunde eines völlig eigenen Stils: Schon hier fand der Brite seine unverkennbare Handschrift. Eiskalte, knochentrockene Ganoven auf der Jagd nach dem nächsten großen Coup. Das Ergebnis war eine perfekt austarierte Kriminalkomödie, garniert mit schwarzem britischem Humor und Pointen, die so knackig sitzen wie eine Linke von Vinnie Jones.

Apropos: Mit diesem Geniestreich ebnete Ritchie nicht nur Jones, sondern auch Jason Statham den Weg vom Leistungssport vor die Kamera. Man darf jedoch vermuten: Wäre die mediale Schlammschlacht rund um die Ehe mit Madonna zur Jahrtausendwende nicht gewesen, würde Ritchie heute wahrscheinlich in einer Liga mit seinem großen Vorbild Quentin Tarantino spielen.

Seit 2019 hat der Regisseur glücklicherweise wieder in die Spur gefunden. Filme wie THE GENTLEMEN, CASH TRUCK und THE MINISTRY OF UNGENTLEMANLY WARFARE fanden gebührenden Anklang beim Publikum und an den Kinokassen. Und dieses Kunststück wird garantiert auch IN THE GREY wiederholen, der diese Woche in den Lichtspielhäusern anläuft.

Damit heißt es: Vorhang auf für Eiza González, Ritchies mexikanische Entdeckung. Sie spielt Sophia, den reizenden Kopf einer Eliteeinheit. Gemeinsam mit Sid (Henry Cavill) und Bronco (Jake Gyllenhaal) hat sie von Bobby (Rosamund Pike) den Auftrag, mehrere Milliarden Dollar von dem extrem abgeschotteten Kartellboss Salazar zurückzuholen. Letzterer residiert auf einer Privatinsel, auf der alles nach seiner Pfeife tanzt, inklusive der örtlichen Polizei. Dass bei dem hochgradig ausgeklügelten Plan nicht alles glatt läuft, versteht sich von selbst. Im Gegenteil: Es fliegt ordentlich etwas in die Luft, und das Trio muss permanent improvisieren, um die Mission zu retten.

Mit IN THE GREY bekommt das Publikum genau die Kost, die es bestellt hat. Typisch für Ritchie sind die markigen Sprüche, die ausgefeilte Technik und der eine oder andere handwerklich brillante Kniff. Es ist beispielsweise köstlich, wie ein langer, lautstarker Fluch von Salazars Buchhalter mitten im Wort weggeschnitten wird. Den Rest denkt man sich schmunzelnd selbst.
Cavill und Gyllenhaal geben gewohnt die ultracoolen Typen ab, die so leicht nichts erschüttern kann, selbst wenn mancher Kinogänger Cavill inzwischen fast als ewigen Superman abgespeichert hat. Rosamund Pike nervt ein wenig mit ihrer ihr eigenen Prise zu viel Zickigkeit, was durch Eiza González jedoch mehr als wettgemacht wird. Sie trägt den Streifen auf ihren eleganten Schultern mit enormer Souveränität.

Es lohnt sich definitiv, IN THE GREY auf der großen Leinwand zu erleben. Zum einen, weil die wuchtige Action den Raum braucht, zum anderen, um den verschachtelten Handlungssträngen ohne häusliche Ablenkung konzentriert folgen zu können. Erst dann entfaltet der Film seine volle Wirkung.
Der Titel bedeutet übrigens, dass sich die Protagonisten in einer Grauzone am Rande der Legalität bewegen. Nachdem das geklärt wäre: Unbedingt ab ins Kino mit euch! (Rainer Bachmann)
Sehr befriedigend: Profis bei der Arbeit!
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