Hier erhältlich als E-Paper
Warenkorb

INTERVIEW MIT REGISSEUR KIAH ROACHE-TURNER ZU STING

Den australischen Regisseur Kiah Roache-Turner hatten wir schon zweimal zu seinen beiden Filmen WYRMWOOD und WYRMWOOD: APOCALYPSE im Interview. Nun durften wir ihn zum dritten Mal zu seinem Spinnenhorrorfilm STING, der nach der Fantasy Filmfest-Runde und dem Screening beim SLASH 1/2  in Wien am 20. Juni via STUDIOCANAL im Kino startet, sprechen. Ein Review von STING findet ihr in der aktuellen Ausgabe.

Wenn ihr lieber schauen, anstatt lesen wollt. Hier der Zoomcall als Video.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

DEADLINE: Hi, Kiah! Wie geht’s dir?

Kiah Roache-Turner: Mir geht’s super, danke. Jeder Tag, an dem ich über Riesenspinnen sprechen kann, ist ein guter Tag.

DEADLINE: Das glaube ich! Ich habe den Film vor ein paar Wochen hier in Deutschland beim Fantasy Filmfest gesehen. Er hat wirklich viele laute Reaktionen beim Publikum hervorgerufen.

Kiah Roache-Turner: Das ist schön zu hören. Jedes Mal, wenn mir jemand sagt, dass der Film gut ankomme, freue ich mich. Besonders aber, wenn es von Fantasy-Filmfest-Fans kommt.

DEADLINE: Was mir an dem Film besonders gefallen hat, ist, dass er zwei meiner Lieblingsgenres kombiniert: Creature Feature und speziell Spinnen-Creature-Feature. Leider gibt es davon viel zu wenige. Was war die ursprüngliche Idee für STING? Wolltest du zuerst ein Creature Feature machen und hast dich dann für eine Spinne als Hauptbedrohung entschieden? Oder wolltest du von Anfang an einen Film über die Angst vor Spinnen machen?

Charlotte (Alyla Browne)

Kiah Roache-Turner: Interessante Frage. Ich wollte zuallererst etwas in einem sehr spezifischen Horrorsetting schreiben: ein einzelner Ort mit einer Familie und einem Monster. Mein Schauplatz sollte ein Wohnblock in New York mitten im Winter sein, wo alle drinnen festsitzen. Ich habe das mitten in der Covid-Zeit geschrieben, also ist die Geschichte stark davon beeinflusst. Die Familie basiert auf meiner eigenen. Ethan, die Hauptfigur, ist Künstler. Genau wie ich. Er ist Comiczeichner, ich bin Regisseur. Ich habe eine Stieftochter, und ich bin verheiratet, wir hatten gerade ein neues Baby bekommen. Dann fragte ich mich, was das Monster sein sollte. Ich habe schon Zombies und Dämonen gemacht, Geister sind James Wans Spezialität, und Besessenheit ist auch irgendwie überall. Ich habe über meine größte Angst nachgedacht: Spinnen. In Australien sind Spinnen überall. Eine Spinne, die groß genug ist, um jemanden zu verschleppen und langsam zu verzehren, erschien mir also logisch.

DEADLINE: Ich verstehe das vollkommen. Einer der Gründe, warum ich noch nie in Australien war, ist die Angst vor Spinnen.

Kiah Roache-Turner: Hier versucht alles, dich zu töten. Wir haben giftige Spinnen, die giftigsten Schlangen der Welt und riesige Weiße Haie. Australien ist wunderschön, aber auch sehr gefährlich.

v.l.n.r.: Ethan (Ryan Corr), Charlotte (Alyla Browne) and Heather (Penelope Mitchell)

DEADLINE: Du hast über die Einflüsse der Charaktere gesprochen, die sehr persönlich wirken. Welche Filme haben dich beeinflusst, als du das Monster und das Setting entwickelt hast?

Kiah Roache-Turner: Die größten Einflüsse waren ALIEN und THE THING. Ridley Scotts ALIEN ist ein Monsterfilm an einem einzigen Schauplatz, einem Raumschiff, in dem die Kreatur ihr Unwesen treibt. Das Design von HR Giger gepaart mit Ridley Scotts Inszenierung wirkte sehr spinnenartig. Auch John Carpenters THE THING, wo eine Gruppe von Menschen in einer Forschungseinrichtung in der Antarktis festsitzt, hat mich beeinflusst. Carpenter schafft es, Spannung und Horror mit Humor zu verbinden, was ich sehr schätze.

DEADLINE: Beide Filme haben spinnenartige Monster: die Facehugger in ALIEN und der Spinnenkopf in THE THING.

Kiah Roache-Turner: Ja, die Facehugger wirken sehr spinnenartig, was sie so furchterregend macht. Alles, was mit mehr als vier Beinen auf dich zukrabbelt, ist nie ein guter Anblick. Genauso wie der Kopf in THE THING.

DEADLINE: Was ich auch sehr geschätzt habe, war der Konflikt zwischen den Charakteren, der emotional und mitreißend war. Wie hast du diesen Konflikt so geschaffen, dass er trotz der Riesenspinne wichtig blieb?

Kiah Roache-Turner: Um einen guten Horrorfilm zu machen, muss man sich um die Charaktere kümmern, bevor man sie in Gefahr bringt. Das ist die halbe Miete als Horrorregisseur. Es war für mich einfacher, weil vieles im Film auf meinem eigenen Leben basiert. Ich habe eine Stieftochter, und wir streiten nie, aber ich habe mir vorgestellt, worüber wir streiten könnten. Da die Beziehungen im Film auf echten Dingen basieren, hilft das vielleicht, sie realer wirken zu lassen. Und natürlich die Schauspieler – man kann so viel schreiben und planen, wie man will, aber ohne brillante Schauspieler wie Ayla Browne hat man ein Problem. Ryan Corr als Vater war großartig, ebenso Penelope Mitchell und alle anderen. Sie haben wirklich gearbeitet, und man glaubt einfach, dass diese Familie echt ist. Das macht die Angriffe der Spinne umso schrecklicher.

Ethan (Ryan Corr)

DEADLINE: Du hast erwähnt, dass die Idee kam, da du selbst in der Stiefvaterrolle steckst. Aber der Film wird im Gegensatz dazu dann aus der Perspektive der Tochter Charlotte erzählt. Warum hast du dich entschieden, die Perspektive zu wechseln?

Kiah Roache-Turner: Lustig, ich habe neulich erst mit meiner Stieftochter darüber gesprochen. Sie weiß, dass ich die Figur an sie angelehnt habe, aber am Ende des Tages bin ich selbst in Wahrheit Charlotte, also das kleine Mädchen. Ich war selbst ein Kind, das Ärger machte und durch Lüftungsschächte kroch. Deshalb war es für mich sinnvoll, den Film aus der Perspektive des Kindes zu erzählen. Außerdem ist es in einem Horrorfilm gruseliger, wenn man in den Schuhen der Figur steckt, die sich am wenigsten verteidigen kann. Im dritten Akt, wenn sie sich zu einer jungen Ripley aus ALIEN entwickelt und die Waffe ergreift, ist es für das Publikum umso befriedigender.

DEADLINE: Ich denke, STING wird aufgrund seines Monsters nicht nur beim Fantasy Filmfest große Reaktionen bekommen.

Kiah Roache-Turner: Das hoffe ich. Ich wollte einen wirklich furchterregenden Riesenspinnen-Film machen, weil es, wie du schon gesagt hast, davon nicht viele gibt. Was ziemlich überraschend ist, schließlich sind Spinnen einfach nur angsteinflößend,

Interview geführt von Marcel Anthony Alber

Interviewfoto (c) Emma Bjorndahl

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

INTERVIEW MIT REGISSEUR KIAH ROACHE-TURNER ZU STING