Hier erhältlich als E-Paper
Warenkorb
Jörg Buttgereit - Nackt und zerfleischt am Dortmunder Theater

Jörg Buttgereit – Nackt und zerfleischt am Theater Dortmund

Jörg Buttgereit - Nackt und zerfleischt am Dortmunder Theater

Nach seinen Theatererfolgen kehrt Jörg Buttgereit mit der Talk-Reihe NACKT UND ZERFLEISCHT nach Dortmund zurück. Weitere Einblicke in andere mediale Abseitigkeiten von Film und Subkultur möchte er seinem Publikum in Form einer Talk-Reihe verschaffen. Als Unterstützung holt sich Buttgereit dafür jedes Mal andere fachliche Hilfe auf die Bühne. Für die Premiere ist der deutsch-türkische Dokumentarfilmer und Filmfan Cem Kaya mit auf der Bühne. Seine Dokumentation „Remake, Remix, Rip-off“ über das türkische Exploitation-Kino sorgte bereits auf Festivals und im TV für Aufsehen. TÜRKISCH STAR WARS oder DER MANN, DER DIE WELT RETTETE, wie die Übersetzung des eigentlichen türkischen Titels lautet, ist nur einer von vielen unzähligen grotesken Plagiaten, die für den türkischen Massenkonsum zwar für’s Kino, aber später hauptsächlich für den Einsatz im Ausland produziert wurden. Markenzeichen alles nur geklaut, einschließlich originaler Filmszenen und Soundtracks!

 

Gleich die Auftakt-Veranstaltung zeigt bereits, dass der Begriff Talk-Reihe hier fehl am Platz ist! NACKT UND ZERFLEISCHT ist ein Genre-Happening, Filmfreunde Treff in familiärer Runde, Live-Schlefaz und Stammtisch für mutwillige Kulturforscher zugleich. Nebelumschwadet betritt Jörg Buttgereit die kleine Studiobühne im Szenenbild seines Theaterstücks BESESSEN, um gleich klarzustellen: „Ich weiß auch noch nicht was heute passieren wird! Ich habe mich extra nicht vorbereitet, um genauso spontan auf das zu reagieren, was wir hier gleich erleben werden“, lacht die Berliner Blondbürste frech.
Zentrales Thema des Abends wird der Film RAMBO und sein türkisches Pendant sein. Dafür gibt es erstmal eine ausführliche Einführung in die RAMBO Filme. Teuflisch gut lässt Buttgereit die Originaltexte zu den Prädikatsausstellungen der Filmbewertungsstelle und Indizierungsbegründungen der Filmreihe von Louis Cypher (Uwe Rohbeck) aus BESESSEN etwas lang aber teuflisch unterhaltsam verlesen. Aufmerksamkeit und Konzentration sind gefordert, wenn die Jugendschützer von einst selbstgerechten Hass und Unverständnis zum Ausdruck bringen. Geradezu boshaft werden Indizien und verschwurbelt irre Begrifflichkeiten wie „präpubertäre Allmachtsfantasien von Zwölfjährigen“ herbeigedichtet, um einen Zensuranspruch zu legitimieren.