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Jurassic World

JURASSIC WORLD: EIN NEUES ZEITALTER – DIE INTERVIEWS

Wir waren bei der Deutschland-Premiere von JURASSIC WORLD: EIN NEUES ZEITALTER in Köln dabei. Wir haben mit den Darsteller:innen DeWanda Wise, Bryce Dallas Howard und Mamoudou Athie, sowie Regisseur Colin Trevorrow frisch zum Kinostart am 09. Juni sprechen können.

 

 

 

INTERVIEW MIT DARSTELLER MAMOUDOU ATHIE

 

Nach THE CIRCLE und UNDERWATER oder der Netflix-Serie ARCHIVE ´81 übernimmt Mamoudou Athie in JURASSIC WORLD: EIN NEUES ZEITALTER eine der Schlüsselrollen. Im Interview mit der DEADLINE spricht er nun über seine Figur Ramsay und darüber, welchen großen Fehler er beim Dreh des Films gemacht hat.

 

 

DEADLINE: Du bist in der JURASSIC-Welt ja neu mit an Bord. Wie war es, zu einem etablierten Cast hinzuzustoßen?

 

Mamoudou Athie: Als ich am Set ankam, war es für mich sehr schwer zu verstehen, dass ich mich nun tatsächlich im selben Film befinden würde wie die etablierten Darsteller und ihre Figuren. Ich bin mit den Figuren damals aufgewachsen. Diese dann plötzlich in echt vor mir zu sehen und mit ihnen zusammenzuarbeiten, fühlte sich irgendwie bizarr an – auf eine positive Art. Ich fragte mich manchmal: Geschieht das jetzt wirklich? Ich habe sehr viel gelernt, und mir gegenüber traten alle anderen sehr generös und unterstützend auf. Man hat am Set gemerkt, dass niemand nur mit seinem Ego beschäftigt war, sondern alle als ein Team gehandelt und gedacht haben.

 

DEADLINE: Wie war es, eine der absoluten Schlüsselrollen in einem solch großen Film zu übernehmen?

 

Athie: Es war wild. Colin hatte mich ungefähr anderthalb Jahre vor dem Beginn der Dreharbeiten erstmals kontaktiert. Es war der bis dato unerwartetste Anruf, den ich je in meiner Karriere erhalten hatte. Es kam echt wie aus dem Nichts, dass Colin Trevorrow mich in einer Schlüsselrolle seines neuen Films besetzen wollte. Das war auch deshalb unerwartet, weil ich zuvor für praktisch jede Rolle, die ich spielen durfte, hatte vorsprechen müssen. (lacht) So etwas spricht aber für das Vertrauen, welches der Regisseur in einen hat. Ihm gefällt es einfach, auf diese Weise zu casten. Er sieht jemanden, merkt, dass diese Person für eine Figur seiner Geschichte passen könnte, und nimmt dann ohne große Umschweife direkt Kontakt auf. Das ist wirklich ein tolles Gefühl.

DEADLINE: Wie bereitest du dich auf einen Film wie JURASSIC WORLD: EIN NEUES ZEITALTER vor?

 

Athie: Wie immer startet stets alles mit dem Drehbuch. Natürlich ging es hier um keinen Genrefilm mit tiefem intellektuellen Hintergrund, sondern es gab die Story und dann gleich mit die Charaktere. Dem nähert man sich dann so wahrhaftig an wie möglich, zumindest mache ich es so. Bei allem anderen kommt es auf deine Umwelt mit an: die Schauspieler, mit denen du drehst, der Regisseur, mit dem du arbeitest. Wenn ich einen Actionfilm drehe wie hier, kommt es mir einfach auf die Wahrhaftigkeit des jeweiligen Moments an. Das finde ich viel besser und interessanter, als nur zu in einer Szene zu posen.

 

DEADLINE: Ramsay ist ein sehr idealistischer Mensch. Ist er aber auch zugleich ein realistischer Mensch?

 

Athie: Ich finde ihn sehr realistisch. Die Dinge, die er tut oder auch nicht, macht er, weil sie auf etwas fußen. Er bringt sich dabei in große Gefahr, aber das macht er für das Gute der Welt und auf geheime Art. Idealistisch wäre es von ihm, direkt zu seinem Chef zu gehen und zu sagen: „Das, was du machst, ist falsch.“ Aber das wäre nicht realistisch gewesen. Ramsay macht einfach das Beste aus der Situation, so wie es auch in der Realität möglich gewesen wäre. Er tut erst einmal so, als wäre alles gut, um seinen Chef dann zu hintergehen. Er betrügt ihn – aber aus guten Gründen.

 

DEADLINE: Deine Figur war sehr erfrischend, da man in Filmen wie JURASSIC WORLD: EIN NEUES ZEITALTER oft den bösen Wissenschaftler hat, der auch immer böse bleibt. Du warst zwar nicht der Superbösewicht, aber ein Teil seines Teams. Hattest du irgendwelche Charaktere im Kopf, die dich zu Ramsay inspiriert haben?

 

Athie: Als ich den Zuschlag für die Rolle bekam, sah die Figur noch völlig anders aus. Sie mischte sich nicht so ein, was ich aber nicht gut fand. Die ursprüngliche Figur und die im Film haben daher eigentlich nicht mehr groß etwas miteinander gemein. Aber inspiriert für diese Figur hat mich eigentlich keine andere. Wenn überhaupt, war das Ian Malcom von Jeff Goldblum, da meine Figur dieselbe Schule besucht hat wie er.

DEADLINE: Du hast gesagt Ramsay, unterscheide sich vom ersten Entwurf zu jetzt. Was war der größte Unterschied?

 

Athie: Zunächst hat er eigentlich nur die Position eines Beobachters gehabt. Er hat gesehen, was passiert, ist aber nicht eingeschritten, obwohl er wusste, dass das, was passiert, nicht richtig ist. Ich fand hingegen, dass das nicht sehr realistisch ist und dass Ramsay jemand sein sollte, der irgendwann innere Haltung zeigt und die Dinge selbst in die Hand nimmt.

 

DEADLINE: Ramsay hat nicht sonderlich viele Dinosaurierinteraktionen. Hast du trotzdem die coolen Animatronics am Set gesehen?

 

Athie: Ja, absolut. Als ich Colin zum ersten Mal traf, sagte ich ihm dummerweise, dass ich nicht zu viel mit Dinosauriern zu tun haben möchte. Das war echt voll für den Arsch! Ich sagte, ich möchte das tun, was ich am liebsten mache: mit Menschen interagieren, anstatt viel mit Bluescreen und Greenscreen zu arbeiten. Ich hatte da leider falsche Vorstellungen, wie viele Animatronics wirklich am Set genutzt werden, und bereue deshalb meine Entscheidung. Immerhin konnte ich aber am Set viele dieser Saurier sehen und bestaunen, welche mechanischen Wunder da auf die Beine gestellt wurden. Ich konnte mir kaum vorstellen, wie die Leute das hinbekommen haben, was sie hinbekamen.

 

DEADLINE: Bitte nenn uns drei Sachen, ohne die du nicht leben kannst, wenn du einen Film drehst.

 

Athie: Guter Wille. An einem Set muss von jedem guter Wille vorhanden sein, damit ein Projekt gut funktioniert. Zudem ist Gleichberechtigung zwischen allen Teammitgliedern wichtig – vom Regisseur über die Darsteller und Produzenten bis hin zu allen anderen aus der Crew. Denn wir sind aufeinander angewiesen und versuchen alle zusammen, etwas Neues, Kreatives zu schaffen. Vor allem die Crew ist wichtig, dass sie gut eingebunden ist, denn sie sind das Herzstück am Set und sorgen dafür, dass alles rundläuft. Zu guter Letzt ist gute Organisation von enormer Bedeutung. An einem Set, erst recht an einem so großen wie bei JURASSIC WORLD: EIN NEUES ZEITALTER, sind gute Vorbereitung und effiziente Planung enorm von Bedeutung, da dir das eine Menge Zeit sparen kann und Dinge tausendfach einfacher macht. Natürlich geht auch mal etwas schief am Set. Aber wenn du gut vorbereitet bist, kannst du gut darauf reagieren und bist nicht sofort aufgeschmissen.

 

DEADLINE: Was ist denn am Set schiefgelaufen?

 

Athie: Ehrlich gesagt, nicht viel. Und das war wirklich bemerkenswert, da dies der erste Film war, den ich während der Pandemie drehte, und somit für eigentlich alle die Umstände neu und besonders waren. Aber die Macher haben es echt gut hinbekommen, dass die Produktion rundlief. Natürlich hat enorm geholfen, dass für den Film sehr, sehr viel Geld zur Verfügung stand – so ehrlich muss man sein. Aber natürlich war alles trotzdem eine enorme Herausforderung, da niemand vorher in einer Pandemie einen Film gedreht hatte. Ich kann mich auch nicht daran erinnern, dass jemand aus dem Cast mal so richtig krank gewesen wäre.

 

DEADLINE: Wie genau sah deine Verbindung mit dem Franchise aus, als du aufgewachsen bist?

 

Athie: Den ersten habe ich noch nicht im Kino gesehen. Aber wir haben ihn uns angeschaut, als er auf VHS herauskam. Ich bin in Washington, D. C., aufgewachsen und hatte dort gleich das National Museum of Natural History, wo auch ein Dinosaurier ausgestellt war, den ich bewundern konnte. Meine Onkel, Tanten und Großeltern waren alle verrückt nach Dinosauriern. Sie haben mich überallhin mitgenommen, sodass ich dann zu der Zeit auch begann, mich für wissenschaftliche Themen und Biologie zu interessieren. Aber ich denke, dass das eine universelle Sache ist. Kinder interessieren sich für Dinosaurier, da sie cool sind.

 

DEADLINE: Hast du einen Lieblingsdinosaurier?

 

Athie: Den Triceratops.

 

DEADLINE: Warum?

 

Athie: Sie sind einfach süß. Außerdem finde ich die Möglichkeiten, die sie zur Selbstverteidigung anwenden können, interessant. Das unterscheidet sie von anderen Dinos und macht sie umso spannender.

DEADLINE: Die JURASSIC-Filme haben viele besondere Momente. Gibt es einen Moment oder eine Person, welcher oder welche dir besonders im Gedächtnis geblieben ist?

 

Athie: Sam Neill. Noch mehr als Jeff Goldblum spielt er auf den ersten Blick eigentlich einen typischen Titelhelden einer Actionreihe, so wie es das Publikum normalerweise liebt. Aber er spielt seine Figur nicht wie irgendeinen Superhelden, der sich größer macht, als er ist, oder so tut, als könnte er etwas, was er in Wirklichkeit nicht kann. Seine Figur geht einfach ehrlich mit der Situation um. Das macht Sam Neill und seine Figur für mich gleich um einiges cooler, da er versucht, das Beste aus der Situation zu machen, ohne wirklich das Handwerkszeug dafür zu haben. Bei ihm gibt es viele Momente, die mir in Erinnerung geblieben sind. Eine für mich ikonische Szene ist, wenn Sam Neill so tut, als hätte er vom Zaun einen elektrischen Schlag abbekommen, obwohl dies nicht der Fall war. Er ist einfach ein super Typ.

 

DEADLINE: Gibt es noch ein anderes Franchise, bei dem du gerne mal mitmachen würdest?

 

Athie: Ich weiß, das klingt jetzt ein wenig abgedroschen, aber es käme einfach auf die Rolle an, die mir angeboten wird. Aber ein bestimmtes Franchise, bei dem ich mal dabei sein möchte, habe ich nicht direkt im Kopf. Auch die JURASSIC-Reihe war nie in dem Sinne das ganz große Ziel. Aber ich freue mich natürlich dennoch sehr, dass ich hier dabei sein kann und die Zusammenarbeit mit Colin so gut funktioniert hat. Das Leben ist auch zu kurz, um aus Prestigegründen einen großen Film zu machen, dafür dann aber eine schlechte Zeit zu haben. Ich mache lieber das, wozu ich Lust habe, mit Menschen, die ich mag.

 

DEADLINE: Danke für deine Zeit.

 

Interview geführt von Heiko Thiele

 

 

INTERVIEW MIT REGISSEUR COLIN TREVORROW

Die JURASSIC WORLD-Reihe ist ein Herzensprojekt von Colin Trevorrow. Dies fällt auf, wenn er über seine Arbeit an JURASSIC WORLD: EIN NEUES ZEITALTER spricht. Im Interview mit der DEADLINE berichtet Trevorrow über die Herausforderungen bei den Dreharbeiten, sein Zusammenwirken mit Steven Spielberg und den gesellschaftlichen Einfluss der inzwischen insgesamt sechs JURASSIC-Filme.

 

 

DEADLINE: Steven Spielberg hatte nicht nur einen unglaublichen Einfluss auf die Welt von JURASSIC PARK. Auch in JURASSIC WORLD: EIN NEUES ZEITALTER ist er als Executive Producer mit dabei. Wie sehr war er denn tatsächlich involviert? Musstest du alles mit ihm absprechen, oder hat er einfach nur seinen finalen Segen gegeben?

 

Colin Trevorrow: Vor allem während des Schreibens des Drehbuchs war er involviert. Gerade bei dem jetzigen Film wollte Steven sicherstellen, dass wir den von ihm geschaffenen Charakteren angemessen Tribut zollen. Er war schließlich derjenige, der Jeff Goldblum, Laura Dern und Sam Neill castete. Er ist ihren Figuren emotional sehr verbunden, da ihn diese bereits seit über 30 Jahren begleiten. Steven hat mit angesehen, dass die von ihm geschaffenen Filme nicht nur ein unglaublicher kommerzieller Erfolg waren, sondern weltweit immensen Einfluss auf die Gesellschaft ausübten. Deshalb war es ihm wichtig, dass wir mit seinen Figuren besonders sorgsam umgingen.

 

DEADLINE: In JURASSIC WORLD: EIN NEUES ZEITALTER gibt es erstaunlich wenig Tote. War dies eine bewusste Maßnahme, um den Film familienfreundlicher zu machen?

 

Trevorrow: Das war keine bewusste Entscheidung, es hat sich einfach aus der Story heraus ergeben. Als wir uns an die Umsetzung des Films machten, gingen wir gerade durch eine schwere Pandemie, welche die gesamte Welt in Atem hielt. Vielleicht hatten wir deshalb einfach das Bedürfnis, weniger Tote zu sehen, da wir das in der realen Welt gerade stark genug am eigenen Leib erleben mussten. Natürlich geht es im Film deftig zur Sache, und es gibt viel Action, aber ich wollte zum Beispiel ungern altbekannte Figuren sterben lassen. Das hätte sich wie der Tod der eigenen Eltern angefühlt, zumindest für Menschen meiner Generation, die mit den JURASSIC-Filmen aufgewachsen sind.

 

 

DEADLINE: Hattest du mehr Spaß daran, die menschlichen Figuren zu entwickeln oder die Dinosaurier?

 

Trevorrow: Bei den Dinosauriern hatte ich mehr Kontrolle darüber, wie sie sich entwickeln. (lacht) Ich habe den Schauspielern sehr viel Verantwortung für ihre Figuren übertragen. Mir war es wichtig, dass sie sich intensiv mit ihren Charakteren auseinandersetzen und mir dann erzählen, wer sie sind. Jeder Schauspieler und jede Schauspielerin hatte insofern enormen Einfluss darauf, wie sein oder ihr Charakter am Ende aussieht. Zum Teil haben sie sich sogar ihren Dialog selbst schreiben können. Die Dinosaurier wiederum habe ich mit einer anderen Gruppe von Personen entwickelt, und hier habe ich immer nur vorsichtig versucht, diese in die Richtung meiner persönlichen Vorstellungen zu bewegen.

 

DEADLINE: Wie hast du entschieden, welche Dinosaurierart du im Film aufnimmst?

 

Trevorrow: Das Tolle an meinem Job ist, dass ich mich einfach mit meinen Dinosaurierfiguren hinhocken und testen kann, was gut zueinander passt. Es ist wie das Spielen eines Kindes im Sandkasten. Es gab aber auch einzelne Arten, die ich bewusst bis zu JURASSIC WORLD: EIN NEUES ZEITALTER zurückgehalten habe. Zum Beispiel den Pyroraptor mit seinen Federn, da ich den letzten Film der Reihe farbenfroher und farblich wärmer gestalten wollte, um so auch einen Bogen zu schlagen zum ersten der sechs Filme.

 

DEADLINE: Wo du von allen sechs Filmen sprichst: Du hast immer betont, dass du die Reihe mit JURASSIC WORLD: EIN NEUES ZEITALTER zusammen mit den altbekannten Charakteren zu einem runden Abschluss bringen willst. Nun hat Produzent Frank Marshall jedoch schon gesagt, dass es mit den JURASSIC-Filmen noch nicht zu Ende sein soll. Könntest du dir vorstellen, noch einmal in diese Welt zurückzukehren? Und selbst wenn nicht: Welches Potenzial siehst du noch in der Geschichte?

 

Trevorrow: Für mich selbst ist nach diesen drei Filmen Schluss. Aber ich habe bereits mit Frank darüber gesprochen, dass es sicherlich irgendwo da draußen einen jungen Filmemacher gibt, der sich die von uns geschaffenen Filme ansieht und daraufhin seine ganz eigenen Vorstellungen der JURASSIC-Welt entwickelt und dann ganz leidenschaftliche Ideen hat, so wie es bei mir war, als ich Mitte 30 war.

 

DEADLINE: Was ist an JURASSIC WORLD: EIN NEUES ZEITALTER besser als an den beiden vorherigen Filmen?

 

Trevorrow: Das kann nur das Kinopublikum beantworten und nicht ich. Das, was ich sagen kann, was mich besonders interessiert und bewegt hat, ist, dass im Kern die ersten beiden Filme dieselbe Story hatten, wo man glaubte, dass die Dinosaurier auf einer einsamen Insel sicher seien, bis man feststellte, dass dem nicht so ist. Der dritte Film erzählte hingegen eine den Globus umspannende Whistleblower-Geschichte und von einem Mädchen, welches entführt wird. Es spielt sich also nicht alles an ein und demselben Fleck ab. Diese inhaltlich andere Ausrichtung eröffnet natürlich für die Zukunft neue Möglichkeiten.

 

DEADLINE: War es schon immer der Plan, die Charaktere von Jeff Goldblum, Laura Dern und Sam Neill erst im letzten Teil wiederzuvereinen sowie Dodgson wieder hervorzuholen und ihn zum Superbösewicht zu machen?

 

Trevorrow: Als wir JURASSIC WORLD drehten, wussten wir nicht, ob es einen weiteren Film geben würde. Insofern ist hier der Film als Geschichte gedacht, die in sich abgeschlossen ist, wenngleich ich bereits im Hinterkopf hatte, dass in einem möglichen dritten Film Jurassic World für etwas anderes stehen würde als für einen Themenpark. Als wir nach dem erfolgreichen ersten Film das Go für zwei weitere Werke bekommen hatten, gestalteten wir die Geschichten dann auch in dem Sinne aus. Dazu gehörte auch, Dodgson für den dritten Film aufzusparen. Er hat sich von ganz unten bis ganz nach oben hochgearbeitet und ist in seiner ganzen Art ein ziemlich realistischer Bösewicht, so wie er auch in der echten Welt vorkommen könnte.

 

DEADLINE: Die JURASSIC-Filme wären nicht so ikonisch ohne ihre Musik von John Williams und Michael Giacchino. Wie hast du dich dem Thema Musik bei den JURASSIC WORLD-Filmen angenähert?

 

Trevorrow: Michael ist ein toller Kerl und ein enger Freund von mir. Uns war wichtig, einerseits Referenzen zu den JURASSIC PARK-Filmen einzubauen, andererseits aber auch nicht einfach nur billig zu kopieren, sondern auch Neues zu kreieren. In keinem unserer drei Filme haben wir das JURASSIC PARK-Theme in voller Stärke zur Geltung kommen lassen, sondern immer nur nuanciert eingesetzt, wenn wir das Gefühl hatten, dass es der Situation wirklich angemessen und nicht nur Selbstzweck war. Als ich JURASSIC WORLD: EIN NEUES ZEITALTER kürzlich nach vielen Monaten mal wieder gesehen habe, dachte ich an einer Stelle, dass hier das JURASSIC PARK-Theme echt gut gepasst hätte, aber da war Michael mir gegenüber ziemlich eindeutig und meinte, dass wir das nicht machen dürften, da dies den Ton der Szene zu sehr verändern würde und letztlich nur Fan-Service sei.

 

DEADLINE: Wir meinten ja schon, dass JURASSIC PARK einen großen Einfluss auf die Welt hatte. Welchen Einfluss hatte der erste Film auf dich als Filmemacher?

 

Trevorrow: Zunächst einmal war ich ziemlich davon beeindruckt, wie sehr es der Film geschafft hat, mich von einem Erwachsenen wieder zu einem Kind zu machen. Auf der anderen Seite kann man an den Filmen, die wir jetzt machen, sehen, wie sehr es mich beeindruckt und beeinflusst hat, welch klare moralische Botschaft JURASSIC PARK hatte – philosophisch, ethisch, wissenschaftlich und hinsichtlich unserer Natur. Dass er unseren Platz auf dem Planeten Erde zurechtrückte. Das ist etwas, das den meisten großen Franchises nicht einmal im Ansatz innewohnt. Die Möglichkeit zu haben, das, was Crichton und Spielberg bereits auf die Beine gestellt haben, inhaltlich noch weiterzuführen, war für mich eine tolle Möglichkeit als Filmemacher.

 

DEADLINE: Nicht alle Menschen werden JURASSIC WORLD: EIN NEUES ZEITALTER mit diesem inhaltlich vielschichtigen Hintergrund wahrnehmen, sondern den Film in erster Linie als Action-Kracher genießen. Ist das okay für dich?

 

Trevorrow: Es ist absolut notwendig, dass Menschen den Film auch einfach so gucken können, ohne sich um das inhaltliche Drumherum Gedanken machen zu müssen. Ich schätze, das ist auch einer der Gründe, weshalb ich die Möglichkeit erhielt, einen Film wie diesen zu machen, weil mir natürlich klar ist, was ein Studio benötigt, damit ein Streifen wie JURASSIC WORLD global und für jeden funktionieren kann, und sei es nur, dass ein Dinosaurier Menschen anspringt. Generell finde ich es toll, wenn man in einem Film wie JURASSIC WORLD: EIN NEUES ZEITALTER viele Dinge ausprobieren und unterbringen kann. Ich bin niemand, der andere belehrt, wie sie einen Film anschauen sollen, oder der Anleitungen erstellt, wie man sich allem annähert. Für mich sind Dinosaurier einfach faszinierende Wesen, da es sie Millionen von Jahren gab, uns hingegen erst seit einer kurzen Zeit.

 

DEADLINE: Der Film steckt voller Easter Eggs und diverser Reverenzen an andere Filme, insbesondere THE SHINING und die DIE VÖGEL. Welche anderen Reverenzen kannst du noch als Beispiel nennen?

 

Trevorrow: Die Reverenzen an die ganzen Filme haben sich wie von alleine ergeben. Es ist ganz normal, bei so einer Art von Film den Geist anderer Werke zu spüren, die der Regisseur des jeweiligen Films ebenfalls liebt. Das Spannende ist: Wenn du Tarantinos Filme guckst oder die von Spielberg und Scorsese, spürst du stets, von welchen Filmemachern sie zuvor geprägt wurden und wer sie inspiriert hat. Bei Spielberg ist es beispielsweise John Ford. Der Geist der Filme, welche die jeweiligen Personen in ihrer Kindheit gesehen haben, ist immer auch ein Teil ihrer Werke als Filmemacher. Ich bin 45 und in den 1980er-Jahren aufgewachsen. Insofern ist es nur natürlich, dass sich meine Reverenzen auf Spielberg, George Lucas und Co. beziehen, wenngleich es aber auch Ausnahmen wie Alfred Hitchcock gibt.

 

DEADLINE: Du standest ja kurz davor, auch bei einem anderen großen Franchise Regie zu führen. Kurz nachdem STAR WARS: DER AUFSTIEG SKYWALKERS ins Kino kam, wurden deine eigenen Konzepte online geleakt, und die Reaktionen darauf waren ziemlich positiv. Hast du das genauer verfolgt, wie deine Vorstellungen im Vergleich zum tatsächlich realisierten Projekt wahrgenommen wurden? Oder hast du versucht, alles hinter dir zu lassen?

 

Trevorrow: Natürlich habe ich mitbekommen, was so los war. Aber unabhängig davon, wie schwierig das für mich persönlich war, habe ich die feste Überzeugung, dass die Kinder, die wirklich daran glauben, dass diese Dinge in einer weit entfernten Galaxie tatsächlich passieren könnten, diejenigen waren, die für die Magie der Filme sorgten, als wir jung waren. Wenn wir heute jedoch zu sehr Hollywood in den Fokus stellen und was hinter den Kulissen so passiert ist, könnte dies den Traum junger Menschen zerstören, die an die heutige Geschichte glauben. Um dies nicht kaputt zu machen, möchte ich da nicht groß drüber reden.

 

DEADLINE: Wir hätten uns jedenfalls sehr gefreut, wenn der Film von dir gekommen wäre.

 

Trevorrow: Ich höre, was du sagst, aber ich schweige dazu und genieße einfach nur. (lacht)

 

DEADLINE: Große Filme wie JURASSIC WORLD: EIN NEUES ZEITALTER werden immer auch in einem großen Kino zu sehen sein. Denkst du, das wird auch bei kleinen Filmen in Zukunft noch so sein? Oder liegt die Zukunft für solche Filme ausschließlich im Streaming?

 

Trevorrow: Ich bin mir nicht sicher. Aber wirklich kleine, völlig unabhängige Filme hätten auf jeden Fall die Möglichkeit, durch Dienste wie Apple+ einen Zugang zu größeren Filmfesten zu erhalten oder allgemein durch Streaming ihr Publikum zu finden, welches sie sonst womöglich nicht hätten. Ich darf mich jedenfalls sehr glücklich schätzen, als junger Filmemacher die Möglichkeit gehabt zu haben, für 750.000 US-Dollar einen Film drehen zu können, der dann auf allen Festivals rund um die Welt gezeigt wird oder auch im Kino. Das wäre heutzutage unvorstellbar.

 

DEADLINE: Gab es in JURASSIC WORLD: EIN NEUES ZEITALTER inhaltliche Änderungen, die aufgrund der Corona-Umstände durchgeführt werden mussten?

 

Trevorrow: Die Geschichte musste kaum geändert werden aufgrund der Corona-Umstände. Allerdings wird unsere Story vermutlich ein wenig anders wahrgenommen als zuvor, durch die Zeit, die wir alle auf der Welt durchmachen mussten. Das wiederum verändert aber trotzdem nicht die Aussage, die wir mit dem Film treffen wollen.

 

DEADLINE: Und wie sieht es mit coronabedingten Änderungen am Set aus?

 

Trevorrow: Es gab hier und da die Situation, dass jemand aus dem Cast nicht da sein konnte, wo er sein sollte, aufgrund von Corona. Zudem konnten wir nicht ganz so viel in Malta mit unseren Hauptdarstellern drehen, wie wir es uns gewünscht hätten. Aus diesem Grund haben wir in Pinewood, Florida, vereinzelt Szenen nachgebaut, um dies aufzufangen – teilweise sogar Außenszenen. Es gab Tage, wo ich eine Außenszene in den Pinewood-Studios drehte und parallel dazu Takes von Motorradszenen aus dem echten Malta übermittelt bekam.

 

DEADLINE: Wie schwer war es, das Fake-Malta mit dem echten Malta realistisch zu verschmelzen?

 

Trevorrow: Im Film fallen die Unterschiede kaum auf. Wir haben das Ganze auch äußerst sorgfältig geplant. Mein Kameramann hat sich da viel einfallen lassen. So wurde an allen Sets mit echtem Sonnenlicht gespielt. Das heißt: Wenn wir einen Innendreh hatten, wurden die Dächer aufgemacht, sodass wir das natürliche Licht nutzen konnten.

 

DEADLINE: Womit hast du am Set am liebsten gearbeitet?

 

Trevorrow: Animatronics waren für mich von Beginn an sehr wichtig. Denn sie halfen mir enorm dabei, die Illusion zu kreieren, dass alles real ist. Der Anfang, als wir im Film Bryce Dallas Howard ein Dino-Baby in den Arm nehmen sehen, wurde komplett mit einem Animatronic gedreht. Jede einzelne Sekunde. Ich wollte unbedingt, dass das Publikum mit etwas im Film begrüßt wird, was sich wirklich authentisch anfühlt. Aber auch ansonsten finden sich an so ziemlich allen Stellen im Film Animatronics wieder. Gerade für Zuschauer, die es gewohnt sind, Filme mit viel CGI zu sehen, wird JURASSIC WORLD: EIN NEUES ZEITALTER eine interessante Erfahrung, da wir insgesamt 112 Sets hatten, alle Orte, die im Film zu sehen sind, auch wirklich besucht wurden und unser Film insofern kein am PC hergestelltes Werk ist, sondern handgemachter, als man zunächst meinen könnte.

 

DEADLINE: Vielen Dank für das Gespräch.

 

Interview geführt von Heiko Thiele

 

BRYE DALLAS HOWARD UND DEWANDA WISE IM INTERVIEW

Bryce Dallas Howard und DeWanda Wise sorgen in JURASSIC WORLD: EIN NEUES ZEITALTER für mächtig Frauenpower. Im Interview mit der DEADLINE spricht die Tochter von Ron Howard unter anderem über die Entwicklung ihrer Figur Claire und zukünftige Karrierepläne. Von DeWanda Wise wiederum erfahren wir, wovor sie beim mutmaßlichen Abschluss der Reihe am meisten Angst hatte und weshalb ihr Mann nicht nur für sie am Set wichtig war.

 

DEADLINE: Wie siehst du die Entwicklung deiner Figur, wenn du die drei JURASSIC WORLD-Filme Revue passieren lässt?

 

Bryce Dalls Howard: Claire war im ersten Film eine hochrangige Führungspersönlichkeit. Sie hat sich mehr für ihre Gier interessiert als für ihre menschliche, mitfühlende Seite. Sie war genau die Art von Figur, von der man denkt, dass sie zu den Bösen gehört, die am Ende von einem Dinosaurier aufgefressen werden. Gerade im ersten Film macht Claire dann aber einen großen inneren Wandel durch, der sich in den beiden Sequels fortsetzt. Jetzt befindet sie sich in der Situation, dass sie erkennt, dass sie früher auf der falschen Seite gestanden hat, sich nun aber auf der richtigen Seite der Geschichte befindet. Doch trotz bester Intentionen laufen die Dinge für Claire weiterhin schief. Zu Beginn dieses Films stellt sie fest, dass das daran liegt, dass sie eine große innere Schuld fühlt und sich für ihr früheres Verhalten schämt. Man lernt sie nun auch von ihrer mütterlichen Seite kennen. Mir hat es sehr gefallen, diese Figur zu spielen, denn sie zeigt, dass wir alle lernen und mit unseren Aufgaben wachsen können.

 

DEADLINE: Chris Pratt und du habt ja während früherer Dreharbeiten eine Liste mit Ideen erstellt, die man in einen JURASSIC-Film einbauen könnte. Eine davon war, dass Blue ein Baby haben soll. Gibt es noch andere Ideen von eurer Liste, die es später in den Film geschafft haben?

 

Howard: Ich liebe GoogleDocs-Dokumente. Ich habe auch mal eine Liste mit Witzen von Chris Pratt angefangen. Auf jeden Fall sammelten wir in einem Dokument Ideen, die wir beide oder andere für ein JURASSIC-Werk hatten, ohne dass wir davon ausgingen, dass wir sie tatsächlich in unsere Filme integrieren würden. Auch am letzten Drehtag von JURASSIC WORLD: DAS GEFALLENE KÖNIGREICH, als alle meinten, wir sollten endlich aufhören zu arbeiten, gingen wir herum und fragten, ob irgendjemand Ideen habe, die er gerne im nächsten JURASSIC-Film sehen würde. Besonders viele Kollegen meinten dann, dass Blue unbedingt ein Baby bekommen solle. Aber ehrlich gesagt, müsste ich noch mal in meine Datei gucken, um dir sagen zu können, ob noch weitere Ideen von unserer Liste es in unseren neuen JURASSIC-Film geschafft haben. Ich werde die Liste für die Zukunft aber auf jeden Fall aufheben.

 

DEADLINE: Ziehst du es in Betracht, irgendwann wieder in die JURASSIC-Welt zurückzukehren?

 

Howard: Ich verstehe meine Figur absolut so, dass die Reise von Claire in JURASSIC WORLD: EIN NEUES ZEITALTER zu Ende geht. So sieht es meines Wissens jeder andere aus unserem Team auch. Owen und Claire sind ein Teil der JURASSIC WORLD-Filme und halfen dabei, unsere emotionale Geschichte zu erzählen. Dennoch könnte ich mir sehr gut vorstellen, mich im Rahmen kleinerer Auftritte wie von Jeff Goldblum erneut mit einzubringen. Aber es gibt in unserem neuen Film definitiv andere Charaktere, deren Geschichte noch nicht zu Ende erzählt ist und wo ich mir gut vorstellen kann, dass es für sie weitergeht.

 

DEADLINE: Kayla werden wir zum Beispiel sicher noch nicht das letzte Mal gesehen haben, oder? Hättest du Lust, deine Figur noch einmal zu spielen?

 

DeWanda Wise: Das wäre toll! Kayla ist eine sehr vielschichtige Figur, es gibt hier unendlich viel zu entdecken. Ich finde toll, wie sie ins Franchise eingeführt wird. Sie ist nicht nur irgendeine Randfigur, sondern hat richtigen Einfluss auf den Verlauf der Story und versucht, einen Sinn in all die Geschehnisse um sie herum zu bringen.

DEADLINE: Ich habe gelesen, dass du in der Pandemie die Erste warst, die wieder am Set war. Wie war das für dich, und welche Herausforderungen hast du erlebt?

 

Wise: Ich wollte unbedingt wieder spielen. Damit alles funktioniert, war ein enormes Maß an Disziplin und Gemeinschaftssinn erforderlich. Das darf man nicht unterschätzen! Was für mich unerwartet kam: Ich war emotional sehr berührt, als ich den Film das erste Mal sah und die Rückmeldungen dazu hörte. Insbesondere wie wir auf der Welt alle miteinander umgehen hat die Leute beschäftigt. Ich finde, dieses Thema ist im Film enorm präsent und global außerordentlich relevant. Das kam auf der großen Leinwand auf eine Weise zum Ausdruck, die ich so nicht erwartet hatte.

 

DEADLINE: Bitte nennt jeweils drei Dinge, die für euch am Set nie fehlen dürfen.

 

Wise: Es kommt definitiv auf den Film an. Bei JURASSIC WORLD: EIN NEUES ZEITALTER waren es die folgenden Dinge: mein Ehemann. Ich brauchte ihn definitiv vor Ort. Er war für uns alle wie ein Maskottchen. (lacht)

 

Howard: Er war der Hotel-Ehemann. (lacht)

 

Wise: Er ist einfach eine phänomenale mentale Unterstützung für mich und hat sich stets um mich gekümmert. Er ist mein Held! Außerdem gab es unsere Trainerin, eine Body-Work-Spezialistin, sie war eine grandiose Physiotrainerin, und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich ohne sie nicht länger als eine Woche am Set überstanden hätte. Und drittens: Essen. Die Antwort auf alle nicht zu lösenden Fragen ist stets Essen – wirklich gutes Essen. (lacht)

 

Howard: Für mich war die Physiotrainerin ebenfalls superwichtig. Schauspielerei ist ein Kontaktsport – du wirst mit vielen verschiedenen Dingen und Menschen zusammenstoßen. Solange du dir dabei nicht wehtust oder es immerhin innerhalb einer Woche verheilen kann, ist alles gut. Aber an manchen Sachen hast du halt länger zu knabbern. Und wenn du dann jemanden wie unsere Trainerin Ruth hast, hilft es dir dabei, deinen Arbeitsalltag weiter zu bestreiten. Es ist echt auch eine Sache der Athletik, einen Film wie JURASSIC WORLD: EIN NEUES ZEITALTER zu machen, sodass das, was Schauspieler benötigen, oft dem ähnelt, was Sportler benötigen. Eine Physiotrainerin hilft dir einfach dabei, dich zu erholen. Und Erholung ist halt echt megawichtig. Außerdem genieße ich es, ein Bad zu nehmen, und zudem hatte ich die vergangenen gut drei Jahre eine unglaublich tolle Assistentin. Ohne sie wäre dieser Film für mich eine ganz andere Erfahrung gewesen.

 

DEADLINE: Du bist ja inzwischen auch als Regisseurin in Produktionen wie FLIGHT OF THE NAVIGATOR tätig. Siehst du deine berufliche Zukunft deshalb eher hinter als vor der Kamera?

 

Howard: Als mein Vater das erste Mal bei einem Spielfilm Regie führte, war er in seinen Zwanzigern. Danach hat er im Prinzip für einige Jahre mit der Schauspielerei aufgehört. Ich möchte das hingegen nicht. Ich würde sehr gerne mit der Schauspielerei weitermachen und zugleich aber auch immer wieder Regie führen. Es gibt viele bekannte Beispiele von Künstlern, die so etwas erfolgreich parallel hinbekommen haben. Was ich auf jeden Fall sagen kann, ist, dass mein Leben anders aussehen würde, wäre ich nicht Teil der JURASSIC-Filme geworden. Denn das Franchise ermöglichte mir einerseits, mich für längere Zeit bei einem großen Projekt schauspielerisch zu engagieren, mich andererseits aber auch dazwischen jeweils auf das Regieführen zu fokussieren. Ich sprach 2017 mit Colin, und er motivierte mich, auch größere Projekte anzugehen. Ich führe bereits viele Jahre Regie, hatte bis dahin aber noch keine größeren oder bekannteren Sachen gemacht. Ich entschloss mich deshalb dann, bei THE MANDALORIAN als Regisseurin zu arbeiten. Ich hatte zudem den Vorteil, dass einer der Produzenten der JURASSIC-Filme mit einer STAR WARS-Produzentin verheiratet ist: Frank Marshall und Kathleen Kennedy, sodass es für mich gleich einfacher war, die Dinge auszuarbeiten und bei STAR WARS als Regisseurin einen Fuß in die Tür zu bekommen.

 

DEADLINE: Bei THE MANDALORIAN warst du ja Teil jeder Staffel. Hat sich dein Stil zu inszenieren im Laufe der Zeit verändert?

 

Howard: Das Format fußt grundlegend auf dem Talent und den Ideen von Jon Favreau und Dave Filoni. Ich fühle mich äußerst privilegiert, die beiden als meine Mentoren zu haben und von ihnen Wege aufgezeigt zu bekommen, wie ich mich noch weiter verbessern kann. Jon ist nicht nur der Showrunner, er schreibt zudem auch jede Episode selbst. Insofern ist es in jeder Hinsicht eine unglaubliche Erfahrung, von den beiden geführt zu werden. Die Art, wie sie mich unterstützt haben, nicht nur als Regisseurin, sondern indem sie mir zugleich auch erlaubten, parallel zu THE MANDALORIAN noch weiter als Schauspielerin zu arbeiten, war wirklich schön. Als wir wiederum JURASSIC WORLD: EIN NEUES ZEITALTER drehten, habe ich zudem bereits meine DAS BUCH VON BOBA FETT-Episode vorbereitet, gerade auch was visuelle Effekte angeht, da diese bereits sehr, sehr weit im Voraus geplant werden. Ich kann dir natürlich nicht sagen, wie es weitergeht oder was allgemein noch kommt, aber ich kann dir sagen, dass es für mich bis hierhin bereits eine unglaubliche Erfahrung war.

 

DEADLINE: Was kannst du uns zu Baby Yoda und Dinosaurierbabys erzählen?

 

Howard: Baby Yoda und die Baby-Dinosaurier sind echt süß. Jon hatte sich wirklich sehr mit Baby Yoda beschäftigt. Aufgrund meiner Erfahrungen mit Animatronics in den JURASSIC WORLD-Filmen, aber auch bei einem der TERMINATOR-Werke fragte er mich, was mit Baby Yoda als Puppe denn so möglich sei, da er dies so viel wie möglich nutzen wolle, anstatt nur digital zu arbeiten. Die Tendenz überall ist natürlich, dass das Baby süß sein soll, genauso wie das Baby von Blue. Die Schwierigkeit dabei ist, dass beide Figuren auf ihre jeweils eigene Art eigentlich ziemlich mächtige, starke Wesen sind. Das völlig zu ignorieren und die Babys einfach nur süß aussehen zu lassen unterminiert die Kraft ihrer Beziehung zu den anderen Figuren. Als wir dann guckten, wie sich Baby Yoda anhören sollte und was für Gesichtsausdrücke er machen können sollte, wollten wir eigentlich den reptiloiden Aspekt mehr berücksichtigen. Wir wissen aber nicht viel über seine Spezies, seine Heimat und seinen Planeten, denn das ist eine Direktive von George Lucas.

 

DEADLINE: Gibt es eine Szene im Film, die bei euch Gänsehaut verursacht hat?

 

Howard: Die Szene, die du mit Chris und dem Dinosaurier auf dem Eis hast, ist echt heftig. Das ist für mich die bedrohlichste und angsteinflößendste Dino-Szene aus dem gesamten JURASSIC-Franchise – zusammen mit den Dinos in der Küche aus dem ersten Teil.

 

Wise: Als wir dem Gigantosaurus gegenübertraten, machten die anderen vor allem große Augen, ich hingegen habe mich gleich in die Ecke verzogen, weil ich einen mächtigen Schreck bekommen habe. (lacht) Ich habe mich so weit entfernt, wie es nur irgendwie ging. Denn wenn das Tier sich unmittelbar vor deinem Gesicht befindet, vergisst du komplett, dass dir da gerade in Wirklichkeit nur ein Animatronic gegenübersteht. Das war wirklich verstörend.

 

DEADLINE: Danke für das Gespräch!

 

Interview geführt von Heiko Thiele

 

Pictures (c) Universal Pictures

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JURASSIC WORLD: EIN NEUES ZEITALTER – DIE INTERVIEWS

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