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LIFE OF CHUCK-INTERVIEW MIT KAREN GILLAN

IN DER UMLAUFBAHN VON MIKE FLANAGAN

Im Gespräch mit Hollywood-Schauspielerin Karen Gillan

Die aus Schottland stammende Karen Gillan ist der wahrgewordene Nerd-Traum. Von 2010 bis 2012 war sie die Begleiterin von Doctor Who, unter der Regie von James Gunn war sie als Nebula ein Teil der Guardians of the Galaxy und sie gehört ebenso zum Cast der beiden JUMANJI-Filme. Angesichts dessen wird gerne übersehen, dass sie auch zum Umfeld von Mike Flanagan gehört, für welchen sie im sehenswerten Horrorfilm OCOLUS vor der Kamera gestanden hat und in dessen Umlaufbahn sie mit dem meisterhaften Mystery-Drama LIFE OF CHUCK wieder zurückkehrt. Wir haben uns mit der ungemein sympathischen Schauspielerin über den Film, die Arbeit mit Mike Flanagan, aber auch Stephen King und ihre Liebe zu Horrorfilmen unterhalten.

Karen-Gillan-LA-Premiere-©Eric-Charbonneau-NEON-@lestudiophoto

DEADLINE: Zuerst mal möchte ich sagen, dass ich LIFE OF CHUCK liebe. Der Film ist ein wahres Juwel …

Karen Gillan: Wunderschön. Freut mich sehr, zu hören.

DEADLINE: Was mir am Film wirklich gefällt, ist, dass er so zum Nachdenken anregt. Ohne Spoiler vorwegzunehmen: Eines der großen Themen im Film ist das Warten auf etwas, das sich nicht vermeiden lässt. Was mich wiederum zu meiner ersten Frage bringt, wie gehst du persönlich mit dieser Art des Wartens um?

Karen Gillan: Warten auf etwas Unvermeidbares, du meine Güte, manchmal ist das eines der schwierigsten Dinge im Leben. Diese Antizipation ist wohl schlimmer, als die eigentliche Sache zu durchleben. Auf meine Person bezogen meine ich damit: Wenn ich Angst vor etwas Unvermeidbarem habe und darauf warten muss, dass es passiert, weiß ich eigentlich nie, wie man damit am besten umgehen sollte. Ich versuche daher jedes Mal etwas anderes, eine andere Herangehensweise. Ich glaube jedoch, dass der beste Weg eine radikale Akzeptanz dieser Dinge ist.

DEADLINE: Ein weiteres wichtiges Thema des Films ist, dass das Leben schön ist und dass wir wählen können, es auf eine schöne Weise zu leben. Denkst du, dass dies die größte Herausforderung im Leben ist, es auf eine schöne Weise zu leben?

Karen Gillan: Absolut. Ich meine, für mich persönlich ist es wichtiger, mich im Allgemeinen zufrieden zu fühlen, anstatt die ganze Zeit glücklich zu sein. Ich habe das Gefühl, Glück ist eine vorübergehende Emotion, genau wie Traurigkeit. Es geht im Leben immer auf und ab. Ich denke, der Idealfall ist jener, dass man eine Art Basislinie der Zufriedenheit schaffen kann. Das ist das, wonach wir streben sollten. Und ich denke, das ist vielleicht das, was das bedeutet, die Schönheit im Leben zu finden. Es geht darum, Zufriedenheit durch verschiedene Dinge zu finden, was auch immer das für einen selbst bedeutet.  Für mich besteht ein grosser Teil wahrscheinlich darin, anderen mit meiner Art zu Diensten zu sein.

DEADLINE: Wenn Filme uns helfen können, mit Verlusten umzugehen oder uns helfen, die kurze Zeit, die wir haben, zu genießen, glaubst du, dass die Schauspielerei eine Art emotionale Verantwortung mit sich bringt?

Karen Gillan: Irgendwie schon, ja. Ich denke, Geschichtenerzählen ist im Allgemeinen sehr wichtig für die Menschen. Es kann einem dabei helfen, über viele Dinge klar zu werden, und uns in die richtige Richtung leiten. So etwas birgt eine gewisse Verantwortung. Und dass ist etwas, ich nicht auf die leichte Schulter nehme. Für mich als Schauspielerin geht es darum, in allem, was ich tue, Wahrheit und Authentizität zu finden. Und als Nebeneffekt können sich die Menschen selbst ein wenig mehr darin finden, was sehr cool ist.

DEADLINE: Als man dir das Drehbuch zu LIFE OF CHUCK zukommen ließ, warst du glücklich oder vielleicht ein bisschen enttäuscht, dass es sich dabei um keine typische Stephen King Horrorgeschichte handelt?

Karen Gillan: Ich war wirklich aufgeregt, als ich das Drehbuch zum ersten Mal in den Händen hielt. In meinem Kopf war klar: Es ist Mike Flanagan, es ist Stephen King. Es wird etwas Blutiges werden und wir werden zusammen einen schönen Horrorfilm drehen. Und am Ende war es nichts von dem (lacht). Es war wunderschön, aber nicht auf eine horrormäßige Art. Und ich war tatsächlich noch aufgeregter, Teil von etwas zu sein, das eine so andere Seite von beiden als Künstlern zeigt. Und ja, ich habe mich einfach so dankbar gefühlt, ein Teil davon zu sein und damit auch in die Umlaufbahn von Mike Flanagans zurückzukehren.

DEADLINE: Mike Flanagan war somit der Grund, wieso du die Rolle in LIFE OF CHUCK angenommen hast?

Karen Gillan: Als Mike mich anrief und sagte: „Ich möchte, dass du in meinem neuen Film  mitspielst“, sagte ich sofort ja. Und ich hatte das Drehbuch noch nicht einmal gelesen (lacht). Ich musste das Drehbuch zuvor auch gar nicht lesen, weil es sich dabei um ein Mike Flanagan-Projekt handelt. Ich bin so ein grosser Fan von ihm. Er ist der ganze Grund, warum ich überhaupt nach Amerika gezogen bin, weil er mich damals in Oculus besetzt hat. Als ich dann noch hörte, dass es sich dabei um eine Stephen King-Verfilmung handelt, war es für mich unumstößlich klar, dass ich in dem Film mitspielen werde. Ich habe das Drehbuch dann gelesen und geliebt, aber ich hätte sowieso in dem Film mitgewirkt (lacht).

DEADLINE: Du bist also ein Horror-Fan?

Karen Gillan: Oh ja, ich bin ein Horror-Fan. Ich liebe Horrorfilme (lacht). Mein absoluter Lieblingsfilm ist SHINING.  Ich habe also eine Verbindung zu Stephen King – und ich liebe die Filmadaptionen. Weißt du, wie aufgeregt ich war, als es von meinem Lieblingsfilm eine Fortsetzung gab (lacht). Ich liebe DOCTOR SLEEP, welcher ja auch von Mike Flanagan gedreht wurde – ebenso auch DAS SPIEL.

DEADLINE: Mike Flanagan scheint wie kein Zweiter die Essenz der Werke von Stephen King zu verstehen. Wie erklärst du dir das?

Karen Gillan: Ich glaube, es liegt daran, dass sie gleich sind. Ich bin davon überzeugt, dass sie ein sehr ähnliches Gehirn haben (lacht). Und ich denke, Mike Flanagan adaptiert Stephen Kings Werke auf eine Weise, mit der Stephen deswegen zufrieden ist, weil beide Männer eine ähnliche Einstellung teilen und ihre Stile sehr ähnlich sind. Beide sind sozusagen wie füreinander geschaffen.

DEADLINE:  Dabei stellt Mike Flanagan mit LIFE OF CHUCK einmal mehr sein Talent für starke Dialoge und emotionale Monologe unter Beweis. Wie ist es für dich als Schauspielerin, mit solch einer Vorlage arbeiten zu dürfen?

Karen Gillan: Eine der größten Herausforderungen meiner gesamten bisherigen Karriere war im Film Oculus, den Mike Flanagan geschrieben und inszeniert hat. Er gab mir damals einen ca. 10 Minuten langen Monolog über die Geschichte eines verfluchten Spiegels. Es war eines der schwierigsten Dinge, die ich in meinem ganzen Leben lernen musste. Vor allem deswegen, weil es um Daten und Namen ging und nicht um einen emotionalen roten Faden. Ich habe also versucht, jenen selbst einzubringen. Mir selbst die Frage gestellt, mit welchen Emotionen übermittelt meine Figur die Fakten. Ich war damals sehr eingeschüchtert, meine eigene Note in den Monolog einzubringen, da ich nicht wusste, wie er darauf reagieren würde. Vollkommen unbegründet, wie sich herausstellte, da Mike so unterstützen war und mir die notwendigen Freiheiten gab. Da wusste ich, dass ich mich in den Händen eines ganz besonderen Regisseurs befand.

DEADLINE: Ein Regisseur, der in LIFE OF CHUCK auch nicht vor der Inszenierung von Tanzszenen zurückschreckt. Wie enttäuscht bist du, dass du im Film keine Tanzszene erhalten hast?

Karen Gillan: Ich hätte das wirklich gerne gemacht. Jedoch stellt sich die Frage, ob man so etwas von mir überhaupt sehen möchte. Ich bin keine Tänzerin (lacht). Aber ja, ich hätte mich gerne an einer Tanzszene beteiligt.

DEADLINE: Zum Abschluss muss ich noch ein paar Nerd-Fragen stellen. Schon mal Sorry deswegen ….

Karen Gillan: (lacht)

DEADLINE: Superman ist im Moment ein großes Thema im Kino. Siehst du eine Möglichkeit, dass du dich in naher Zukunft dem DC-Universum von James Gunn anschließen wirst?

Karen Gillan: Wir haben nie direkt darüber gesprochen. Wenn er mich deswegen jedoch anrufen würde, dann würde ich sofort zusagen. Es wäre mir eine Freude, ihm ins DC-Universum zu folgen. James ist einer meiner Lieblingsmenschen auf dem Planeten und er macht zufällig auch brillante Filme (lacht).

DEADLINE: Meine Tochter wartet sehnsüchtig auf den dritten JUMANJI-Film. Wann können wir damit rechnen?

Karen Gillan: Du kannst ihr sehr gerne sagen, dass er kommen wird. Er kommt bald (lacht).

DEADLINE: Und schließlich noch die Frage, was war der letzte Horrorfilm, den du dir angesehen hast?

Karen Gillan: Moment, was habe ich in letzter Zeit gesehen? Okay, ich habe gerade SMILE 2 gesehen. Ein guter Film mit einer brillanten Hauptdarstellerin.

DEADLINE:  Kannst du dir vorstellen, als Regisseurin eines Tages auch einen Horrorfilm zu drehen?

Karen Gillan: Auf jeden Fall. Darüber führe ich gerade Gespräche (lacht).

DEADLINE: Es war mir eine Freude, mir dir sprechen zu können.

Karen Gillan: (antwortet auf Deutsch) Tschüss.

Interview geführt von Nando Rohner

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