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MATRIX RESURRECTIONS

Regie: Lana Wachowski / USA 2021 / 148 Min.

Besetzung: Keanu Reeves, Christina Ricci, Carrie-Anne Moss, Jessica Henwick, Jonathan Groff, Priyanka Chopra

Freigabe: FSK 12

Start: 23.12.2021

Die letzten sechs Jahre standen ganz im Zeichen der toten Pferde. Die großen Studios fluteten Kinos wie Streamingdienste mit einer Welle ausgegrabenen und nostalgisch bestrahlter Kultfranchises. Auch Warner Bros. stimmte in den „Weißt du noch“-Reigen ein und kündigte im Sommer 2019 unerwartet eine Fortsetzung der MATRIX-Reihe an. Die Filme um kampferprobte Lederliebhaber in einer dystopischen „Mensch vs. Maschine“-Zukunft läuteten basslastig das Millennium ein und setzen bis heute vor allem technische Maßstäbe in der Filmwelt. MATRIX-Mitschöpferin Lana Wachowski kehrt für die Regie aus der Versenkung zurück (ohne Schwester Lilly), ebenso Keanu Reeves und Carrie-Ann Moss in ihren alten Rollen als Neo und Trinity. Doch eine Rückkehr zu alter Stärke sieht anders aus: Die ersten 60 Minuten kreist der Film um den gealterten Helden, der seine Berufung an den Nagel gehängt hat und nun als Spieleentwickler in einer alternativen Realität vor sich hinsiecht. Depressive Angstzustände und Alkoholsucht haben den einstigen Messias abstumpfen lassen. Doch eine neue Gefahr bahnt sich am Horizont an und die nächste Menschengeneration setzt weiterhin auf Neos Mithilfe. Matrix Resurrections strahlt mit jeder Faser das Desinteresse seiner Macherin an der eigenen Schöpfung aus. Beinah verächtlich dekonstruiert Lana Wachowski in der ersten Filmstunde die einst gefeierten Mechanismen, die Matrix so frisch haben wirken lassen. Hierbei hievt sie das ganze Universum mitsamt abgestürztem Helden auf ein Meta-Podest und gibt es pseudo-ironisch der Lächerlichkeit preis. Das hätte durchaus reizvoll und intellektuell fordern sein können, würde Wachowski nicht ausschließlich auf eine plumpe wie ausufernd selbstreferenzielle „Schau mal, was wir damals gemacht haben“-Mechanik setzen. Zwar will die Regisseurin offensichtlich auch die profitorientierten Geschäftsstrukturen Hollywoods ankreiden, verrennt sich jedoch in augenzwinkernden Plattitüden. Auch die in der zweiten Hälfte zunehmenden Action-Gelage wirken zu uninspiriert und forciert, keine Spur des einstigen Erfindergeistes mehr erkennbar. Schauspielerisch kann lediglich Neil Patrick Harris hervorstechen, dessen spannend angelegte Rolle jedoch in puncto Screentime deutlich zu kurz kommt. Les dazu auch das Interview mit ihm in der DEADLINE #90. Das traurige Aushängeschild dieses Projekts ist Keanu Reeves, der in seinem scheinbar zementierten John Wick-Look unfreiwillig komisch durch die Szenerie stolpert und unbeholfen als Kugelfang dient. Matrix Resurrections will kritisch-reflexiv sein, ist letztlich jedoch bloß anstrengend wie belanglos. Hier hilft nur: Pferd wieder vergraben und Gras darüber wachsen lassen. (Steffen Buchmann)

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MATRIX RESURRECTIONS

Regie: Lana Wachowski / USA 2021 / 148 Min.

Besetzung: Keanu Reeves, Christina Ricci, Carrie-Anne Moss, Jessica Henwick, Jonathan Groff, Priyanka Chopra

Freigabe: FSK 12

Start: 23.12.2021

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