Regie: Darren Aronofsky / USA 2017 / 124 Min.

Darsteller: Jennifer Lawrence, Javier Bardem, Ed Harris, Michelle Pfeiffer, Brian Gleeson, Domhnall Gleeson, Kristen Wiig

Produktion: Scott Franklin, Ari Handel

Verleih: Paramount Pictures Germany

Freigabe: FSK 16

Start: 14.09.2017

 

Darren Aronofsky hat eine ganz schöne Geheimniskrämerei aus seinem neuesten Film MOTHER! gemacht. Die Produktion hat er weitestgehend geheim gehalten, und selbst der erste Teaser/Trailer zeigte keine Bilder, nur Audio, die Geschichte blieb weitestgehend unbekannt. Bei einem Regisseur wie Aronofsky, der Kritiker wie Publikum mit PI, REQUIEM FOR A DREAM, THE WRESTLER oder BLACK SWAN zum Großteil begeistern konnte, schraubt das die Erwartungen in nahezu unermessliche Höhen. Und dann macht der gebürtige New Yorker das, was man von einem echten Künstler erwarten könnte/sollte – das Unerwartete.

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Die Frage, worum es bei MOTHER! geht, ist mindestens genauso komplex wie eine eindeutige Bewertung für den Film zu finden. Ein Versuch: In der Synopsis heißt es, dass es um einen (namenlosen) Dichter (Javier Bardem) und seine (ebenfalls namenlose) Ehefrau (Jennifer Lawrence) geht, die sich in die Abgeschiedenheit eines viktorianischen Landhauses zurückgezogen haben. Dort versucht er, seine Schreibblockade zu überwinden, während sie das Haus einrichtet, Essen kocht, wäscht – und dabei zunehmend von albtraumhaften Eindrücken geplagt wird. Das ist oberflächlich betrachtet – und zumindest auf der narrativen Ebene – augenscheinlich richtig. Doch als plötzlich mit einem Fremden, gespielt von Ed Harris, und später seiner Ehefrau (Michelle Pfeiffer) überraschender Besuch vor der Tür steht, merkt nicht nur sie, dass etwas nicht stimmt. Auch der Zuschauer beginnt zu realisieren, dass er immer weiter in eine Mischung aus Arthouse-Mindfuck, Thriller und Drama hineingerät. Eingenommen ist man ja schon von der wieder mal auf den Punkt gebrachten Inszenierung sowie der Darstellung aller Figuren auf höchstem Niveau. Neben der fantastisch diabolischen Michelle Pfeiffer sei vor allem Jennifer Lawrence erwähnt, die die meiste Laufzeit über zu sehen ist und den Film mit einer einnehmenden Welt an Emotionen trägt. Die Kamera verfolgt ihre Figur nahezu die gesamte Laufzeit – die Zuschauer sehen entweder ihr Gesicht oder per Überschulter-Perspektive das, was sie sieht. Somit ist das Publikum untrennlich mit ihr und ihren Gedanken sowie Befindlichkeiten verbunden. Eingenommen von diesen direkten Emotionen, von ihrer Unschuld und dem Unverständnis für das, was alles um sie herum passiert, wird der Zuseher mitgerissen, geschluckt, zerkaut und wieder ausgespuckt.