Wenn Jason Statham einen Film macht, werfen die Götter eine Münze. Also nicht irgendeine, es ist immer dieselbe, aber manchmal kommt dabei ein furchtbarer Müll raus, und manchmal akzeptabler Quatsch. Diesmal war der Münzwurf erfolgreich. MUTINY ist komplett okay. Also, wenn man Lust auf die Art von Münze hat, die Götter für Jason-Statham-Filme werfen. Aber hätte man die Lust nicht, würde man auch keinen Film anschauen, auf dessen Cover die grimmige Glatze prangt.

In MUTINY spielt Jason Statham den Bodyguard einer Unternehmerfamilie. Eigentlich ist er schon Teil der Familie, weil er so ein lieber Kerl ist, den ein jeder einfach in seine Familie aufnehmen will. Als der Patriarch und Unternehmensgründer ermordet wird, folgt Statham der Spur der Killer bis auf ein Schiff, wo er dann das beginnt, was dem Film seinen Titel verleiht: eine Meuterei.
Nun stimmt das nicht ganz. Eine Meuterei würde bedeuten, dass die Crew sich gegen die Führung der Crew auflehnt. Aber Statham ist nicht Teil der Crew, sondern eines Etikettenschwindels, der sich durch den ganzen Film zieht wie Statham einen Handhaken durch die Wange eines Kontrahenten. Denn der Film will – und könnte – so viel mehr sein. Er präsentiert sich auf den ersten Blick wie STIRB LANGSAM auf dem Wasser. Ein Mann gegen alle anderen in einer fest abgesteckten Umgebung, die er nicht verlassen kann.

Nur funktioniert das kaum, weil die Actionszenen nicht gleichmäßig im Film verstreut sind, sondern sich bis auf wenige Ausnahmen auf eine Action-Orgie in der letzten halben Stunde konzentrieren. Wenn es knallt, dann wird es auch laut und teilweise nicht unkreativ, mitunter sogar richtig blutig. Nur wartet man sehr lang darauf, dass Statham endlich aufhört, durch Schächte zu krabbeln, an Seilen zu hängen oder durch Gänge zu schleichen. Dass er ballert und prügelt und das macht, wofür man sich einen Jason-Statham-Film halt anschaut.

Schade ist das vor allem, weil MUTINY einige Voraussetzungen mitbringt, um richtig gut zu sein. Das Ambiente des Schiffs ist fantastisch gewählt. Man spürt die Klaustrophobie zwischen den Containern und die bedrohliche Unendlichkeit des Meeres. Die Kämpfe sind ansehnlich choreografiert und sauber gefilmt, mitunter sogar überraschend aufwendig. Auch wenn ihre Qualität und ihre Wucht nie an THE FURIOUS oder JOHN WICK heranreichen, sind sie doch eine Million Mal besser als zum Beispiel in Stathams unterirdischem A WORKING MAN, wenn auch selten so gut wie in seinem THE BEEKEEPER. Der Antagonist, der wahnsinnig muskelbepackte Kapitän, dem man gleichermaßen zutraut, Mitglied der russischen Mafia zu sein, wie tatsächlich ein gezeitengegerbter Seebär. So einen fies-finsteren Typen muss man erst mal casten.

Dass die Story selbst völliger Quatsch ist, wird man dem Film nicht ankreiden wollen. Darum geht es hier nicht, und das ist allen Beteiligten klar. So ist eher schade, dass Statham kein Bruce Willis ist, der mit seinem Charisma und einfallsreichen One-Linern Akzente setzen kann, die auch über die trockeneren Stellen tragen können. Gerade weil dieser Film nur so selten Action zeigt, bräuchte es deutlich mehr Ideen für eben diese Trockenstrecken.
Am Ende werden Freunde von Jason Statham dennoch nicht enttäuscht sein. Zumindest wenn sie ohne große Erwartungen starten, werden sie diese erfüllt finden. Und wenn sie doch enttäuscht sein sollten, dann haben sie die Sache mit dem Münzwurf nicht verstanden. Jason Stathams Spätwerk ist halt wie eine Schachtel Pralinen. Man weiß nie, was man kriegt. Man weiß nur, dass keine wirklich lecker ist. (Robert Hofmann)
Wertung: Auf hoher See okay, wenn man nach seiner Schicht auf dem Containerschiff noch nicht müde genug ist, um sofort einzuschlafen
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen

