26 SHADES OF PINK
Vom 2. bis 7. Juni wird Frankfurt wieder zur japanischen Kulturmetropole: Die 26. Ausgabe der Nippon Connection steht an, und mit ihr kommen sechs Tage voller Filme, Vorträge, Workshops und Konzerte.
Über 140 Kurz- und Langfilme umfassen die Kinosektionen diesmal, darunter viele Deutschland-, Europa- und internationale Premieren in Anwesenheit der Filmemacher:innen.

Das Rahmenprogramm mit rund 80 Veranstaltungen ist so umfangreich und divers wie nie zuvor: Neben den mittlerweile traditionellen Angeboten etwa zu Kalligraphie, Schwertkampf, Sumoringen und japanischem Tanz, neben Sake-Tasting und Kochkursen, Lesungen und Podiumsdiskussionen gibt es in diesem Jahr auch Workshops zu Game-Design sowie digitalem Mangazeichnen.

Wir empfehlen in der Sektion „Nippon Culture“ unbedingt die von Jörg Buttgereit und Christian Fuchs ausgerichtete Talkshow „Ein superheißes Ding – Der Filmtalk des Grauens“, in der Godzillas 71. Geburtstag nachgefeiert werden soll. Verlässlich gute Laune beschert auch „Nippon Heimkino“, bei dem Marcus Stiglegger und Kai Naumann einen trashigen Überraschungsfilm aus den 1970ern zu Chips und Dosenbier kommentieren.

Und auch die im Verlauf des gesamten Festivals stattfindenden Partys, DJ-Sets und Live-Konzerte, darunter einige Open-Air-Veranstaltungen bei freiem Eintritt, sind immer einen Besuch wert – ebenso wie der Markt, der in den Festivalzentren und auf dem umliegenden Gelände veranstaltet wird. Unter dem Motto „Nippon Food & More“ gibt es hier zahlreiche Stände mit Essen, Kunsthandwerk, Filmen und Büchern zu entdecken.
Shades of Reality – Between Truth And Fiction
Der Themenschwerpunkt der NC 2026 liegt auf dem Spannungsfeld zwischen Inszenierung und Wirklichkeit und will „neue Perspektiven auf künstlerische Auseinandersetzungen mit der Realität“ eröffnen. Nicht zuletzt im Hinblick aufs Genrekino ein hochinteressanter Ansatz, der unter anderem anhand von Filmen wie Sho Miyakes TWO SEASONS, TWO STRANGERS erörtert wird. Das 2025 in Locarno mit dem Goldenen Leoparden ausgezeichnete Werk konfrontiert das Publikum mit einer Realität, die sich wenig später als Fiktion herausstellt.

In der internationalen Premiere FIAMMA von Eiji Uchida arbeitet ein Regieassistent an der Verfilmung eines autobiografischen Romans, findet jedoch heraus, dass dieser auf einer Lüge der Autorin basiert. Vielleicht am interessantesten ist aus unserer Sicht allerdings der Thriller SAI: DISASTER von Yutaro Seki und Kentaro Hirase, der als Deutschlandpremiere gezeigt wird und sich um eine mysteriöse Mordserie dreht – aber ist diese überhaupt echt?
Das Filmprogramm
Als Eröffnungsfilm dient FUJIKO von Taichi Kimura, der vom Kampf einer alleinerziehenden Mutter um Selbstbestimmung erzählt; als Abschlussfilm TOKYO TAXI. Das 91. Werk des legendären Regisseurs Yoji Yamada dreht sich um eine Frau, die sich gegen die patriarchale Gesellschaft im Japan der Nachkriegszeit behauptet.

Mit der Deutschlandpremiere von Yoshiyuki Okuyamas Realverfilmung des Anime-Klassikers 5 CENTIMETERS PER SECOND ist ein sicherer Publikumshit im Programm. Für alle, die ihn noch nicht kennen, wird im Rahmen des „Nippon Filmfrühstücks“ am 4. Juni auch der Originalfilm von Makoto Shinkai gezeigt.

Apropos Anime: Sowohl der Berlinale-Beitrag A NEW DAWN als auch THE LAST BLOSSOM, JINSEI und der bittere Zweite-Weltkriegs-Anime COCOON – ONE SUMMER OF GIRLHOOD, der seine internationale Premiere feiert, versprechen intelligente Unterhaltung jenseits des Mainstreams. Erstmals gibt es zudem einen eigenen Wettbewerb für animierte Kurzfilme, den Nippon Animation Shorts Award.
In der Sektion „Nippon Retro“ wird in diesem Jahr der große Schauspieler Tatsuya Nakadai gewürdigt, der das japanische Kino über Jahrzehnte hinweg geprägt hat. Zu den neun Filmen mit ihm, die ausnahmslos im Kino des Deutschen Filmmuseums gezeigt werden, zählen zeitlose Klassiker wie HARAKIRI, PORTRAIT OF HELL und Akira Kurosawas episches Spätwerk RAN.
Zu den Genre-Highlights zählen einerseits der jüngst auch bei den Fantasy Filmfest Nights gezeigte, wirklich abgefahrene J-Horror-Comedy-Crossover MAG MAG von Yuriyan Retriever, die wilde ULTRAMAN-Hommage TAROMAN EXPO EXPLOSION sowie der sarkastische Supermarkt-Horror ANYMART. Interessant dürfte daneben der Kurzfilmblock NIPPON SHORTS: LONELY GHOSTS werden, der sich am Abschlussabend des Festivals den gruseligen Seiten des japanischen Kinos widmet.

Andererseits sollten weder der twistreiche Thriller SUZUKI=BAKUDAN noch der Indie-Horror-Popkultur-Clash I FELL IN LOVE WITH A Z-GRADE DIRECTOR IN BROOKLYN von Kenichi Ugana (THE GESUIDOUZ) verpasst werden.
Ebenso wenig wie NEW GROUP von Yuta Shimotsu, der seine Europapremiere 2025 in Neuchâtel feierte: In der absurd-bösen Horrorsatire über Hierarchien und Konformität geht es um Schüler:innen eines Gymnasiums, die aus unerklärlichen Gründen beginnen, eine menschliche Pyramide zu bilden. Irgendwo zwischen Kafka und J-Horror, und mit einer brillanten Hauptdarstellerin ausgestattet: Anna Yamada (SUICIDE FOREST VILLAGE).
Nippon Rising Star Award

Ebendieser wird am 7. Juni der Ehrenpreis des Festivals überreicht, der die Arbeit aufstrebender japanischer Talente würdigt. Neben NEW GROUP werden aus diesem Anlass auch das Coming-of-Age-Musical LITTLE LOVE SONG sowie der Animationsfilm CHAO aufgeführt, in dem sie der titelgebenden Meeresprinzessin die Stimme leiht.
Das vollständige Festivalprogramm und Tickets gibt’s auf der Festival-Website NipponConnection.com!
(Dominic Saxl)

