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OLIVER KALKOFE UND PETER RÜTTEN IM INTERVIEW ZU DER NEUEN SCHLEFAZ-STAFFEL AUF TELE 5

In SchleFaZ besprechen die Humoristen Oliver Kalkofe und Peter Rütten auf dem Sender Tele 5 die „schlechtesten Filme aller Zeiten“ mit großem Augenzwinkern und viel Tamtam. Nun geht das Format, welches aus einer Schnapsidee heraus entstand, in die mittlerweile vierte Staffel. Was dabei neu ist, erklärt uns das eingespielte Duo im Exklusivinterview. Darin erfahren wir auch, inwiefern die DEADLINE Mitverantwortung dafür trägt, dass in dieser Staffel DANIEL DER ZAUBERER bearbeitet wird, und wie Kalkofe und Rütten angesichts von Ereignissen wie in Nizza nicht den Humor verlieren.

 

 

 

DEADLINE: Was gibt es Neues bei SchleFaZ – im Vergleich zur vorangegangenen Staffel?

 

Peter Rütten: Wir haben dieses Mal einen großen Schwerpunkt auf den deutschen Film gelegt. Mit DANIEL DER ZAUBERER, ICH – EIN GROUPIE, LIBERO und MUSIK, MUSIK – DA WACKELT DIE PENNE, den wir ja gleich zu Beginn brachten, ist schon einiges dabei.

 

Oliver Kalkofe: Von Jahr zu Jahr gehen wir immer mehr dahin, dass wir unsere Wunschfilme heraussuchen, und zudem versuchen wir, neue, unterschiedliche Genres zu entdecken. Die alten deutschen Filme hatten wir bis jetzt noch nicht so auf dem Schirm. Indem wir aber vier unserer ersten zwölf Streifen aus Deutschland kommen lassen, haben wir nun einen sehr heftigen Schwerpunkt gesetzt. Ein bisschen weg von den Monstertrashfilmen, hin zu Perlen aus den 1970er- und 1980er-Jahren, die man damals vielleicht sogar schon selbst im Kino gesehen hat.

 SchleFaZ: Sharktopus vs. Pteracuda

DEADLINE: Wie würdet ihr die Entwicklung von SchleFaZ von Staffel 1 bis heute beschreiben?

 

Kalkofe: Eigentlich ist die aktuelle Situation unglaublich, da damals alles mit einer Schnapsidee angefangen hat, woraus dann tatsächlich eine Sendung wurde. Inzwischen hat sich SchleFaZ zu einem richtigen Show-Format entwickelt, welches eine unfassbar treue und große Fangemeinde um sich weiß. Das hat all unsere Erwartungen um ein Vielfaches übertroffen. Am Anfang dachten wir, wir zeigen einen schlechten Film und kommentieren diesen ein wenig. Mittlerweile machen wir zu jedem Film quasi eine Folge Sitcom. Eine halbe Stunde liefern wir knackige Texte, dazu verkleiden wir uns auch noch und spielen Sachen nach. Unser Regisseur macht dazu auch noch Effekte, die zum Teil besser sind als im Film selbst. Wenn wir dann auch noch mitkriegen, was sich so auf der Publikumsseite getan hat, ist das beeindruckend. Da treffen sich Leute, kostümieren sich und schlürfen zusammen zum Film passende Cocktails. Die feiern richtig ab. Wir haben es geschafft, wenn auch in einem kleinen, überschaubaren Rahmen, das Lagerfeuerfernsehen wieder von Neuem zu entfachen, welches von allen totgeglaubt war und bis heute mit alten WETTEN, DASS…?-Erinnerungen verbunden wird. 

 

DEADLINE: Bei den ganzen Filmen, die bisher so liefen: Was ist euer persönliches SchleFaZ-Highlight?

Rütten: Etwas, das bisher noch nicht gelaufen ist: DANIEL DER ZAUBERER. Es ist die bisher größte Herausforderung, vor der ich nicht kapituliert habe. Und bei der ich mich auch darauf freue, dass dem Zuschauer beim Film genauso schwindelig vor Ratlosigkeit wird wie uns. Aber insgesamt gab es wirklich viele Produktionen, die mir sehr gefallen haben. Da ist es schwer, eine bestimmte herauszupicken. ICH – EIN GROUPIE, den der Kollege Olli für diese Staffel bearbeitet hat, gehört zum Beispiel dazu.

 

Kalkofe: Es ist wirklich schwer, einen Lieblingsfilm zu wählen, da jeder Film auf eine neue Art Spaß macht, auch wenn er furchtbar ist. Wenn man den richtigen Angelpunkt für sich gefunden hat, macht jeder Film Freude. Ein wirkliches Highlight für uns war aber natürlich ohne Frage SHARKNADO 3, wo wir es tatsächlich geschafft haben, den Film zu infiltrieren und 15 Sekunden mit drin zu sein. Die Geschichte, die sich daraus entwickelt hat, war wirklich DAS persönliche Highlight von allem, was wir erreicht haben. Die anderen sind fast alle auf gleich hohem Niveau anzusiedeln. Die größte Herausforderung für alle Zuschauer und auch für uns wird in dieser Staffel eindeutig DANIEL DER ZAUBERER sein.

SchleFaZ: Daniel der Zauberer

DEADLINE: Was hat euch eigentlich zum Umdenken bei diesem Film bewegt? Als ich euch DANIEL DER ZAUBERER bei unserem ersten SchleFaZ-Interview empfohlen habe, hattet ihr strikt abgelehnt, ihn mit in eure Reihe aufzunehmen …

 

Rütten: Wir konnten ihn haben. Nein, tatsächlich wollte ich damals nicht mit dem küblböckschen Leben konfrontiert werden. Aber erst einmal hat mich unser damaliges Gespräch mit dir ein wenig auf den Geschmack gebracht und zudem die Tatsache, dass Ulli Lommel als Fassbinder-Schüler da ja für die Regie verantwortlich war. Diese Kombination hätte ich so nie erwartet und machte mich irgendwann doch ein wenig neugierig. Ich wollte mich selbst davon überzeugen, wie so viel Castingtrash und hohe Filmkunst einen derartigen Brei verursachen können.

 

Kalkofe: Man muss aber auch sagen, dass wir, als wir anfingen, auch noch unschuldiger und unbedarfter waren. Da waren wir Kinder und hatten Angst vor DANIEL DER ZAUBERER. (beide lachen) Den hätten wir damals noch nicht geschafft. Dafür waren wir noch nicht stark genug. Jetzt haben wir einen gewissen Panzer aufgebaut und uns deshalb da rangetraut. Es war schon echt harte Kost. Wirklich sehr, sehr harte.

 

DEADLINE: Welche positiven Aspekte konntet ihr DANIEL DER ZAUBERER abgewinnen?

 

Kalkofe: Keine.

 

Rütten: Das tendiert wirklich gegen null. Die Tatsache macht einen schon verrückt, dass Küblböck von Lommel inszeniert wird, der ja selber einen botenhaften Zauberer spielt, der das Gute in die Welt bringen will und Daniel beschützen möchte, der andauernd Morddrohungen erhält von Assassinen, die ihn beseitigen wollen. Die Tatsache, dass er in der Mitte des Films zu einem Engel, einer messianischen Gestalt erklärt wird, während sich Hollywood-Manager um ihn bemühen, da kulminiert wirklich alles. Da passt nun wirklich nichts zusammen. Da bleibt kein Stein auf dem anderen, es ist so surreal. Das Schöne ist, dass das Ganze dann auch noch inszeniert ist wie FAMILIEN IM BRENNPUNKT.

 

Kalkofe: Die vergleichbaren VERDACHTSFÄLLE und FAMILIEN IM BRENNPUNKT sind dagegen wirklich Hollywood-Kino und hundertmal besser. Das ist dann eben auch eine Leistung, einen Film zu machen, der so scheiße ist, dass Scripted Reality, die am Nachmittag versendet wird, im Vergleich dazu große Kunst ist. Das muss man erst einmal hinkriegen. So heftig zu scheitern, das ist wirklich eine enorme Leistung.