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ONSLAUGHT

Regie: Adam Wingard / USA 2026 / 92 Min.
Besetzung: Adria Arjona, Alex Pereira, Dan Stevens, Eric Wareheim, Rebecca Hall, Michael Biehn
Freigabe: FSK 16
Verleih: Plaion Pictures
Start: 03.09.2026

Adam Wingards THE GUEST endet mit einem geradezu unverschämten Cliffhanger. Die von Maika Monroe gespielte Anna traut ihren Augen nicht, als sich der totgeglaubte „Gast“, gespielt von Dan Stevens einen Weg aus dem Flammenmeer bahnt. Getarnt als Feuerwehrmann bleibt er natürlich für die anderen um ihn herum unerkannt, doch als sich ihre beiden Blicke treffen, ahnt man, dass der Supersoldat unkaputtbar ist und vermutlich wiederkommen wird. Wie der Terminator braucht er wahrscheinlich nur einen Moment, um noch stärker zurückzukommen. „I’ll be back“, sagen diese Augen, während sich in Annas Blick Angst und Erschöpfung spiegeln.


Eigentlich hätte man meinen können, Regisseur Adam Wingard würde diesen Cliffhanger nutzen, um seinem Publikum bald schon eine Fortsetzung des Actionthrillers THE GUEST (2014) zu geben. Doch es sollten zwölf Jahre, ein BLAIR WITCH und zwei GODZILLA VS. KONG-Filme ins Land ziehen, bevor Wingard wieder zu seinen Wurzeln zurückkehrt. ONSLAUGHT ist jedoch keine direkte Fortsetzung, sondern spielt in der gleichen Welt wie der Film von 2014 und ist wie schon THE GUEST und YOU’RE NEXT eine Verneigung vor dem Action- und Horrorkino der 1980er Jahre. Dies ist aber keineswegs bloße Deko, denn Wingard nutzt die filmische Grammatik von Regisseuren wie James Cameron oder Walter Hill, um eine Geschichte zu erzählen, die neben satter Action typische Themen der 80er aufgreift, insbesondere die Idee des aus-tauschbaren Menschen, der durch Konzerne und skrupellose Regierungen zu einer Killermaschine gemacht wird.


Die ehemalige Army-Scharfschützin Celeste (Adria Arjona) lebt nach ihrer Zeit beim Militär in einem Trailerpark in der Nähe der Kleinstadt Moriarty, New Mexico. Ab und zu besucht sie dort ihre Tochter Daisy (Blake Kennedy), so auch an diesem Wochenende. Es ist ein ruhiges, abgeschiedenes Leben, das Celeste führt – doch eines Abends ist damit ein für alle Mal Schluss. Unbekannte, schwer bewaffnete und exzellent trainierte Angreifer machen Jagd auf die Bewohner des Trailerparks. Binnen weniger Minuten haben sie unter den Menschen dort ein Blutbad angerichtet, doch sie sind noch lange nicht am Ende.


Celeste und Daisy haben sich in ihrem Trailer versteckt, aber die Angreifer ahnen bereits, dass ein paar Bewohner dem Kugelhagel entkommen konnten. Für Celeste steht fest, dass sie sich wehren muss, wenn sie überleben will, und mithilfe ihres prächtig gefüllten Waffenschranks geht sie ihrerseits auf die Jagd.
Manchmal kann Genrekino so simpel sein. Bei GODZILLA X KONG: THE NEW EMPIRE hatte man sich als Filmfan noch gefragt, was dieses komplizierte, see-lenlose Gerangel der beiden Riesenkreaturen noch mit deren Ursprung zu tun hatte. Mit ONSLAUGHT hingegen kehrt Wingard zu seinen Wurzeln zurück, was ihm sichtlich guttut. Natürlich gibt es bestimmte Punkte, die über das Ziel hinausschießen und übertrieben wirken, wie beispielsweise Dan Stevens’ Auftritt (der im Übrigen perfekt Deutsch sprechen kann) als deutscher Wissenschaftler – eine Figur, die sehr dem durchgeknallten Hotelier aus CUCKOO ähnelt. Generell wirkt die gesamte Thematik rund um die Supersoldaten, die man gleich zu Beginn des Films kennenlernt, wie eine vergessene Fortsetzung von UNIVERSAL SOLDIER.

Aber im Kontext der Filmtradition, auf die Wingard anspielt, passt das alles schon. Wenn ONSLAUGHT nämlich seine kurze Exposition hinter sich gebracht hat, bekommt man Action nonstop geboten – blutig, schnell und brutal.
Neben den Verweisen auf das Actionkino der 80er darf natürlich die eine oder andere Anspielung auf John Carpenter nicht fehlen. Gerade sein ASSAULT ON PRECINCT 13 stand gewissermaßen Pate für das Duell Celestes gegen die Su-persoldaten, die den Trailerpark umzingelt haben und wie Raubtiere nur auf die passende Gelegenheit warten, um zuzuschlagen. Wie Carpenters Film lässt sich auch ONSLAUGHT als Spiegelbild der US-Gesellschaft sehen, in der Milita-risierung und staatliche Gewalt immer weiter zunehmen. Wie schon in den Filmen Carpenters oder den bereits zitierten Beispielen aus dem 80er-Jahre-Kino sind der Staat und mächtige Konzerne – wie schon in THE GUEST – die Feinde, die sich in unsere Mitte eingeschlichen haben.


Eine besondere Erwähnung gebührt Adria Arjona in der Rolle der Celeste. Während moderne Actionblockbuster die Stärke ihrer weiblichen Helden bisweilen demonstrativ hervorheben, hat ein Film wie ONSLAUGHT dies überhaupt nicht nötig. Celeste ist tough, nicht auf den Mund gefallen und eine Gegnerin, mit der man sich besser nicht anlegt – vielleicht auch, weil man(n) sie unterschätzt. Wingard inszeniert sie als starke Actionheldin, die durch ihr Kriegstrauma verwundet ist, aber deswegen noch lange nicht das Kämpfen verlernt hat.
ONSLAUGHT ist ein Muss für Actionfans, besonders wenn man schon THE GUEST mochte. Adam Wingard beweist eindrücklich seine Liebe zum Horror- und Actionkino der 80er, bleibt aber nicht in Nostalgie verhaftet, sondern inszeniert dessen Einflüsse modern, dynamisch und spannend. (Rouven Linnarz)

Wertung: Eine ebenso blutige wie temporeiche Liebeserklärung an das Actionkino der 80er – kompromisslos, dynamisch und herrlich überdreht.

Alle Bilder ©Richard_Foreman-Courtesy_of_A24

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Regie: Adam Wingard / USA 2026 / 92 Min.
Besetzung: Adria Arjona, Alex Pereira, Dan Stevens, Eric Wareheim, Rebecca Hall, Michael Biehn
Freigabe: FSK 16
Verleih: Plaion Pictures
Start: 03.09.2026