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REGISSEUR ARI ASTER IM INTERVIEW ZU HEREDITARY

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Selten wurde ein Regiedebüt so gefeiert wie das von Ari Aster. HEREDITARY – DAS VERMÄCHTNIS ist in aller Munde, und auch wir von der DEADLINE finden, dass er mit seinem Film einen der besten Horrorfilme aller Zeiten gedreht hat. Siehe unser Review in der DEADLINE #69. Und hier in der Postergalerie. Weshalb HEREDITARY. der ab dem 14.06 in den Kinos läuft, so gut funktioniert und woher er sich seine Inspiration geholt hat, erläutert Aster im exklusiven DEADLINE-Interview.

 

 

DEADLINE: Weshalb wolltest du mit HEREDITARY dein Spielfilmdebüt wagen?

 

ARI ASTER: Ehrlich gesagt war HEREDITARY nicht mein erster Versuch, einen Langfilm zu drehen. Es ist sehr schwer, einen Film erfolgreich zu finanzieren, erst recht, wenn es dein erster ist. Vielleicht ging ich auch ambitionierter zu Werke, als man es als Debütant tun sollte, und vielleicht hat es deshalb vorher nicht geklappt. Ich fand letztlich heraus, dass es für mich am einfachsten wäre, einen Horrorfilm finanziert zu bekommen, da dort öfters Debütanten rangelassen werden. Deshalb entschied ich mich, so einen zu schreiben. Fortan drehte sich für mich alles um die Frage, was für eine Art Horrorstreifen ich machen möchte und was mein Beitrag für dieses Genre sein soll. Und so kam dabei am Ende HEREDITARY heraus.

 

DEADLINE: Weshalb hast du den Film den Produzenten eher als Familiendrama denn als Horrorstreifen gepitcht?

 

ARI ASTER: Ich habe den Film nicht nur als einfaches Drama möglichen Finanziers vorgestellt. Ich habe HEREDITARY als Familientragödie gepitcht, welche sich in einen Albtraum verwandelt. Natürlich war es ein Horrorfilm, aber um nicht gleich in eine bestimmte Schublade gesteckt zu werden und genügend Beinfreiheit bei der Herstellung meines Films zu haben, musste ich meine Ideen zunächst auf andere Weise präsentieren. Bei mir reiht sich auch nicht ein Schockmoment an den anderen, sondern die Figuren machen eine richtige inhaltliche Entwicklung durch. Der Horror kommt nicht einfach so, sondern ergibt sich aus seinen Charakteren heraus. Und nur dann, wenn die Figuren echt und glaubhaft sind, erschrecken die Horrorelemente einen nicht nur, sondern sie nehmen dich auch emotional mit. Bevor ich also überhaupt an Horrorelemente denken konnte, musste ich ein gelungenes Familiendrama inszenieren. Gleichzeitig gibt es in diesem Genre gewisse Gesetze, die jeder einhalten muss. Ich hoffe, dass ich meinen Ansprüchen am Ende gerecht geworden bin.

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DEADLINE: Was waren die Schlüsselelemente, damit HEREDITARY verstörender wirkt als andere Filme?

 

ARI ASTER: Meine Intention war, im ersten Drittel ein Sittengemälde zu zeichnen, das am Ende des ersten Akts auf den Kopf gestellt wird. Einer der Personen passiert etwas, von dem ich hoffe, dass es niemand vorher kommen sieht. Denn mir ist es wichtig, dass es den Zuschauern meines Films genauso ergeht wie den Figuren, denen sie zusehen. Der Zuschauer soll dasselbe Gefühl des Verlustes spüren wie die Personen im Film. Ich hoffe wirklich, dass es mir gelingt, eine synthetische Verbindung zwischen dem Zuschauer und den Charakteren zu entwickeln, denn dies ist von essenzieller Bedeutung für das Funktionieren von HEREDITARY. Denn er nimmt uns so sehr mit und ist so effektiv, da wir mit seinen Charakteren emotional stark verbunden sind. Und je mehr Empathie eine Figur auf dich ausstrahlt, desto stärker werden dich die Ereignisse emotional mitnehmen. HEREDITARY soll sich am Ende für den Zuschauer optimalerweise so anfühlen, als ob die schlimmen Ereignisse nicht den Figuren widerfahren, sondern ihm selbst.

ARI ASTER AM SET
ARI ASTER AM SET