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INTERVIEW MIT REGISSEURIN RACHEAL CAIN ZU SOMNIUM

DEADLINE führte ein ausführliches Gespräch mit Racheal Cain, der Regisseurin des Psycho-Horrors SOMNIUM.  Ein Review findet hier in der Ausgabe #116 Im Interview spricht sie über die Verschmelzung von Traum und Wirklichkeit, ihre persönliche Verbindung zur Hauptfigur Gemma und die jahrelangen Hürden auf dem Weg zu ihrem Langfilm-Debüt.

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DEADLINE: SOMNIUM lässt die Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit verschwimmen – was hat dich persönlich an diesem Thema gereizt?

RACHEAL CAIN: Mich haben „andere“ Realitäten schon immer fasziniert. In meiner Kindheit hat mein Vater in der Garage einen selbstgebauten Sensory-Deprivation-Tank für seine nächtlichen Meditationen aufgestellt – das Thema war also immer präsent. Als ich erwachsen wurde, ist SOMNIUM für mich auf eine gewisse Weise zu meiner eigenen Coming-of-Age-Geschichte geworden: Durch die Linse des Horrors wollte ich die sich auflösenden Grenzen zwischen Sicherheit und Verletzlichkeit erkunden und der Aussage „Das Leben ist das, was du daraus machst“ wirklich auf den Grund gehen.

DEADLINE: Gemmas Reise wirkt zugleich sehr intim und universell – wie viel von deinen eigenen Erfahrungen steckt in ihrer Figur?

RACHEAL CAIN: Gemmas Weg verläuft unbestreitbar ziemlich parallel zu meinem eigenen. Technisch gesehen haben wir die Rückblenden vier Jahre vor dem Gegenwartsmaterial gedreht – mitten in meiner eigenen Trennung. Das hat es mir erlaubt, mich wirklich in diese rohe Übergangsphase hineinzugraben, die ich damals durchlebt habe. SOMNIUM ist gewissermaßen ein direktes Archiv einer früheren Version von mir, das wir dann vier Jahre später in die Gegenwartshandlung mitgenommen haben. Gemmas Suche nach Stabilität spiegelt meine eigene, über ein Jahrzehnt andauernde Reise, in L.A. Fuß zu fassen.

DEADLINE: Der visuelle Stil des Films lebt stark von Licht, Schatten und subtilem Horror – wie hast du diese Ästhetik entwickelt?

RACHEAL CAIN: Schon bevor ich das Drehbuch geschrieben habe, war mir klar, dass der visuelle Stil von SOMNIUM eine Hommage an den Sonnenuntergang werden sollte – diesen wunderschönen und plötzlich unheimlichen Übergang in die Nacht. Beim Schreiben habe ich die Geschichte so angelegt, dass sie dem Lauf der Sonne folgt: Sie geht auf und versinkt im Verlauf des Films langsam, die kräftigen Farben verblassen zu gedämpften Tönen, bis wir am Ende endgültig in die Nacht hinabtauchen. Diese Verschiebung spiegelt Gemmas eigenen psychologischen Verlauf wider – ihre Realität wird nach und nach von Farbe und Vertrautheit entleert, bis sie in einem kalten, liminalen Raum gefangen bleibt.

DEADLINE: Wie wichtig war es dir, SOMNIUM eher als psychologisches Drama denn als klassischen Horrorfilm anzulegen?

RACHEAL CAIN: Ich fand schon immer, dass die gruseligsten Geschichten die sind, die tatsächlich passieren könnten. Es war mir wichtig, den Fokus nach innen zu richten, weil das wirklich Erschreckende für mich nicht das Monster unter dem Bett ist, sondern das im eigenen Unterbewusstsein. Klassischer Horror setzt oft auf das Äußere, aber ich wollte diesen leisen Schrecken einfangen, der entsteht, wenn eine vertraute Umgebung plötzlich bedrohlich wirkt und wir anfangen zu zweifeln, ob das, was wir sehen, überhaupt real ist.

DEADLINE: Chloë Levine liefert eine bemerkenswerte Performance – was hat sie der Rolle gegeben, das dich überrascht hat?

RACHEAL CAIN: Chloë hat diese unglaubliche Fähigkeit, eine Szene zu erden, egal wie unglaubwürdig die Geschichte zu werden droht. Was mich am meisten überrascht hat, war ihre Fähigkeit, alles in echten menschlichen Emotionen zu verankern. Der Dreh war außerdem logistisch wahnsinnig anspruchsvoll. So viele Drehorte. Nie genug Zeit. Sie kam unfassbar vorbereitet ans Set, und ohne ihre Organisation und Hingabe wäre uns das Ganze leicht aus dem Ruder gelaufen.

DEADLINE: Die Schlafklinik wirkt zugleich faszinierend und beunruhigend – welche Ideen haben die Gestaltung dieses Ortes geprägt?

RACHEAL CAIN: Ich habe mir die Schlafklinik immer in einer Realität vorgestellt, die einen Schritt neben unserer eigenen liegt – wo die Regeln von Zeit und Raum nicht zwangsläufig so funktionieren wie bei uns. Mir war von Anfang an klar, dass ich vom Publikum verlange, den Unglauben auszusetzen. Deshalb wollte ich dieses „Außerhalb-der-Zeit“-Gefühl erzeugen, in dem Requisiten und Technologien aus verschiedenen Jahrzehnten nebeneinander existieren, um das Publikum dauerhaft zu desorientieren. Wir haben außerdem mit Pastelltönen in Rosa und Blau gearbeitet, um ein verschwommenes, traumartiges Gefühl zu erzeugen, und das mit kalten, klinischen Texturen gebrochen, um auch visuell Spannung aufzubauen.

DEADLINE: Der Film verhandelt Themen wie Einsamkeit, Ehrgeiz und Selbstzweifel – welche emotionale Botschaft wolltest du dem Publikum mitgeben?

RACHEAL CAIN: Ich habe immer gesagt, dass ich diesen Film für mein dreizehnjähriges Ich geschrieben habe, und die zentrale Botschaft sollte sein: „Stell dich deinen Ängsten – freunde dich mit ihnen an.“ Ich glaube, Angst ist einfach da, um uns etwas über uns selbst beizubringen, eine Art Wegweiser. Ich denke oft: Wenn mir etwas Angst macht, ist das wahrscheinlich genau der Weg, den ich gehen soll.

DEADLINE: Viele Szenen bauen Spannung eher durch Andeutung als durch explizite Schockmomente auf – war das eine bewusste kreative Entscheidung?

RACHEAL CAIN: Bei unserem kleinen Budget war mir immer klar, dass ich mich stark darauf verlassen muss, wie kreativ unser eigener Verstand ist. „Was sich dein Kopf in dieser dunklen Ecke vorstellt, ist wahrscheinlich weit gruseliger als alles, was ich dort auf der Leinwand zeigen könnte“, habe ich immer gesagt. Indem wir vieles dunkel halten und auf Andeutung setzen, ziehen wir das Publikum in diesen psychologisch-liminalen Raum hinein, bauen mit kleinem Budget Spannung auf – und die zahlt sich am Ende hoffentlich aus.

DEADLINE: SOMNIUM ist dein Langfilm-Debüt – was waren die größten Herausforderungen während der Produktion?

RACHEAL CAIN: So. Viele. Herausforderungen. Ich sage immer, der Film hat dreizehn Jahre gebraucht, aber die Wahrheit ist, dass zehn davon allein in die Suche nach Finanzierung geflossen sind. Als Erstlingsfilmerin ist die größte Hürde, überhaupt jemanden davon zu überzeugen, dir genug zu vertrauen, um in deine Vision zu investieren. Dass wir die Rückblenden zuerst gedreht haben – mit dem bisschen Geld, das ich damals hatte – war der Schlüssel, der den Rest der Finanzierung endlich freigeschaltet hat. Aber als wir 2021 endlich wieder ans Set zurückkamen, wurden wir mit einer wunderbaren globalen Pandemie belohnt. Chloë hat sich zwei Wochen vor Drehbeginn mit Covid infiziert, und wir mussten den gesamten Dreh verschieben. Mehrere Abteilungsleiter mussten abspringen. Es war ein einziges Chaos. Und als der Dreh dann endlich weitergehen konnte, lag eine erdrückende tägliche Angst in der Luft, dass irgendwer von uns Covid bekommen könnte und uns der Stecker gezogen wird. Nach den Anzahlungen für Equipment und Locations wusste ich, dass wir uns keine zweite Unterbrechung leisten konnten – es war wirklich alles oder nichts, jeden einzelnen Tag.

DEADLINE: Nach so einem starken Debüt – welche Geschichten oderGenres interessieren dich als Nächstes?

RACHEAL CAIN: Ich bin bereit, es mir selbst ein bisschen leichter zu machen. Ich denke an maximal zwei bis drei Drehorte, höchstens fünf Figuren. Meine Lieblingstage am Set waren diese Rückblenden in Georgia, wo wir mit einem achtköpfigen Team durch offene Felder in Athens gerannt sind. Es liegt eine unglaublich wertvolle kreative Freiheit darin, wenn man wendig bleibt. Ich freue mich darauf, alles, was ich beim Dreh von SOMNIUM gelernt habe, mitzunehmen und etwas in viel kleinerem Maßstab zu machen. Was das Genre angeht: Ich bin durch und durch ein Horror-/Thriller-Girl, daran gibt es keine Zweifel.

DEADLINE: Vielen Dank für deine Zeit!

Interview geführt von Marcel Kober

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