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SACRIFICE

Regie: Romain Gavras / USA 2025 / 103 Min.

Besetzung: Chris Evans, Anya Taylor-Joy, Vincent Cassel, Ambika Mod, Sam Richardson, Jonatan „Yung Lean“ Leandoer, Jade Croot, Miriam Silverman, Charli xcx, John Malkovich, Salma Hayek Pinault

Produktion: Robert Walak, Jacob Perlin, Romain Gavras, Gregory Jankilevitsch, Klaudia Śmieja-Rostworowska, Giorgos Karnavas

Freigabe: FSK 12
Verleih: DCM
Start: 15.10.2026

Chris Evans und Anya Taylor-Joy müssen die Welt retten. Was zunächst nach dem Stoff für einen typischen Hollywood-Blockbuster klingt, ist in SACRIFICE deutlich weniger geradlinig. Denn während der eine seinen Geltungsdrang befriedigen möchte und die andere überzeugt ist, einer Prophezeiung zu folgen, arbeitet tief unter der Erde bereits ein Vulkan an der bevorstehenden Apokalypse. Dazwischen liegen ein geheimnisvoller Kult, ein Haufen exzentrischer Millionäre, jede Menge schwarzer Humor – und die Frage, ob die Menschheit überhaupt gerettet werden möchte.

Bereits die ersten Minuten machen deutlich, dass der Film seine Geschichte nicht auf gewöhnliche Weise erzählen will. Eine Kamerafahrt über ein Lavafeld, untermalt von tiefen, erdigen Tönen, kündigt die heraufziehende Katastrophe an. Wir begleiten Joan (Anya Taylor-Joy) zu einem mystischen Kult-Ritual auf einer Lichtung. Doch die archaische Atmosphäre wird rasch gebrochen, denn die Kultmitglieder tragen plötzlich moderne Overalls, bewaffnen sich und wirken eher wie eine Spezialeinheit auf Mission als eine religiöse Gemeinschaft.

Ein Schnitt führt uns zu Mike (Chris Evans), der ahnungslos in einer Stretchlimousine sitzt und sich vor allem um seinen schwindenden Haaransatz sorgt. Evans spielt den Schauspieler mit herrlich überzeichneter Eitelkeit – auf der Suche nach Bestätigung und überzeugt von der eigenen Wichtigkeit. Gemeinsam mit seinem Agenten Oliver (Sam Richardson) ist er auf dem Weg zu einer dekadenten Klimagala in einem griechischen Marmorsteinbruch. Als Mike aus seiner weißen Limousine mit schwarzem Dach steigt, finden wir auch ihn in schwarzen Hosen und weißem Sakko wieder – passend zum schwarz-marmorierten Weiß des Steinbruchs, welcher die eindrucksvolle Kulisse der Gala bildet. Zu diesem Zeitpunkt wird auch die visuelle Inszenierung deutlich, denn hier wird mit monumentalen Settings gearbeitet. Der Marmorsteinbruch im griechischen Volakas verleiht dem Event eine überhöhte Dekadenz, die in skurrilem Kontrast zum eigentlichen Anlass – einer Klimagala – steht.

Die Bildsprache des Films verbindet häufig künstlerische Inszenierung mit klaren Bildkompositionen. So wird die zentrale Figur oftmals exakt in der Mitte des Bildes platziert, als bestünde die Inszenierung selbst darauf, sie gefälligst für wichtig zu halten.

Auf der Gala trifft die Welt des luxuriösen Spektakels auf den mystischen Kult. Die Veranstaltung ist so exzentrisch inszeniert – inklusive prominenter Auftritte wie dem von Sängerin Charli xcx –, dass die anschließende Geiselnahme durch den Kult vom Publikum zunächst für einen weiteren Programmpunkt gehalten und bejubelt wird. Mittendrin bewegen sich Vincent Cassel und Salma Hayek als selbstgefälliges Milliardärspaar, die sich nahtlos in eine elitäre Gesellschaft einfügen, in der Moral meist nur Behauptung ist. Später reiht sich zudem John Malkovich in das hochkarätige Ensemble ein.

Als die „Verteidiger der uralten Sehnsüchte der Erde“ ihre Motive enthüllen, entfaltet sich ein absurdes Aufeinandertreffen von Mystik, Hollywood, Klimakrise und menschlicher Eitelkeit. SACRIFICE lebt davon, immer wieder unerwartete Haken zu schlagen, und versteht es gekonnt, Ernst und Lächerlichkeit unmittelbar nebeneinanderzustellen.

Hinter der Weltuntergangskulisse verbirgt sich eine treffende Satire über eine Gesellschaft, die ständig von Wandel spricht, aber im Grunde nichts abgeben möchte. Statt seine Botschaft explizit auszuformulieren, verpackt der Film sie in überzeichnete Figuren und eine völlig bizarre Welt. Man muss ihn dabei keineswegs als tiefschürfende Parabel lesen, um Spaß an ihm zu haben. Wer Lust auf abgedrehte Unterhaltung, schräge Situationen und Superhelden-Vibes hat, kommt dank der Spielfreude des Casts voll auf seine Kosten.

Und vielleicht ist genau diese Mischung seine größte Stärke. SACRIFICE funktioniert als absurdes Unterhaltungskino, steckt aber gleichzeitig voller Gedanken, die über den Abspann hinaus nachwirken können. Denn wenn die Welt tatsächlich gerettet werden soll, reicht es möglicherweise nicht, über Veränderung zu sprechen oder nur den Eindruck zu erwecken, etwas zu verändern. Vielleicht beginnt sie erst dort, wo wir bereit sind, selbst etwas aufzugeben.

Dabei geht es keineswegs darum, sich den radikalen Vorstellungen des Kults anzuschließen. Vielmehr stellt SACRIFICE die unbequemere Frage, ob eine Gesellschaft, die an ihrem Wohlstand, ihrer Bequemlichkeit und ihrer Selbstdarstellung festhält, überhaupt zu den notwendigen Veränderungen bereit ist. Der Film liefert darauf keine realistische Lösung – aber er schafft es, diese Frage zwischen all dem Wahnsinn so zu platzieren, dass sie auch nach dem Abspann noch im Kopf bleibt.

SACRIFICE ist damit ein Film, den man wegen seines absurden Humors und seiner eigenwilligen Inszenierung genießen kann. Wer möchte, kann aber auch etwas mehr aus ihm mitnehmen: die Frage, was uns unsere Überzeugungen tatsächlich wert sind und ob wir bereit wären, einen Teil unseres eigenen Komforts aufzugeben, wenn es dafür tatsächlich etwas Größeres zu retten gäbe. (Vanessa Balonier)

„Bildgewaltiger Hollywood-Blockbuster mit tiefer Botschaft, der zum Nachdenken einlädt

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SACRIFICE

Regie: Romain Gavras / USA 2025 / 103 Min.

Besetzung: Chris Evans, Anya Taylor-Joy, Vincent Cassel, Ambika Mod, Sam Richardson, Jonatan „Yung Lean“ Leandoer, Jade Croot, Miriam Silverman, Charli xcx, John Malkovich, Salma Hayek Pinault

Produktion: Robert Walak, Jacob Perlin, Romain Gavras, Gregory Jankilevitsch, Klaudia Śmieja-Rostworowska, Giorgos Karnavas

Freigabe: FSK 12
Verleih: DCM
Start: 15.10.2026