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SUPERMAN

Regie: James Gunn / USA 2025 / 129 Min.

Besetzung: David Corenswet, Rachel Brosnahan, Nicholas Hoult, Edi Gathegi, Anthony Carrigan, Nathan Fillion

Produktion: James Gunn, Peter Safran

Freigabe: FSK 12

Verleih: Warner Bros.

Start: 10.07.2025

James Gunns Neuinterpretation des wohl bekanntesten Superheldenmythos aller Zeiten ist ein durchweg mutiges Unterfangen – und das spürt man schon in der ersten Minute. In der wird uns der namensgebende Kryptonier nämlich als Verlierer eines Kampfes präsentiert. Halb tot, buchstäblich am Boden zerstört. Kein über allem stehendes Götterwesen, sondern ein trauriges Häufchen Elend: Die Inszenierung der Titelfigur in ihrem Eröffnungsauftritt verdeutlicht unmittelbar, dass hier kein „more of the same“ zu erwarten ist. Dass Gunn sich nicht den Regeln seiner Vorgänger verpflichtet fühlt und bereit ist, Risiken einzugehen.

Allerdings ist er ja auch genau deswegen in die Führung der DC Studios berufen worden: Nachdem das DC Extended Universe an den Kinokassen eine Reihe von Pleiten eingefahren hatte, gegenüber den Marvel-Filmen immer weiter ins Hintertreffen geraten war und seine Kinoproduktionen, speziell unter der Ägide Zack Snyders, oft zu in ihrem Pathos kaum noch genießbaren Karikaturen geronnen waren, wurde die Notbremse gezogen. Und Gunn engagiert, um DCs gewaltigen Helden-Pantheon zeitgemäßer und vor allem publikumsträchtiger neu zu verorten.

Den Anfang seiner Aufbauarbeit markiert nun passenderweise seine Auseinandersetzung mit der größten Marke im gesamten Portfolio. Und ja, eindeutig: Er verortet sie neu. Radikal. Mit großen Chancen, mehr als nur verlorenen Boden gutzumachen. Nicht nur im Vergleich mit Marvel, sondern vor allem auch in Hinsicht auf die heutigen Publikumspräferenzen. Viel hängt dabei jedoch davon ab, ob die DC-Fanbase – die nicht unbedingt für riesige Offenheit für Experimente bekannt ist – bereit ist, ihre Helden in einem neuen, deutlich anderen Licht erstrahlen zu sehen. Sollte das der Fall sein, steht uns eine Zukunft wunderbar kreativer filmischer Umsetzungen großer Geschichten ins Haus. Das zumindest lässt Gunns überbordend verspielte, fantastisch unterhaltsame Erzählung um Kal-El erhoffen.

Diese langweilt uns nicht mit seiner Origin-Story, denn die ist heutzutage nun wohl wirklich allen ausreichend vertraut – und wird hier direkt zu Beginn mit vier kurzen eingeblendeten Sätzen maximal knapp abgehandelt. Vielmehr versetzt sie uns in eine Welt, in der Superman bereits seit drei Jahren als Held aktiv ist, die Menschheit vor diversen Katastrophen bewahrt hat, mit Lois Lane (Rachel Brosnahan, THE AMATEUR) in einer Beziehung und als Clark Kent (unerkannt) als Reporter für den „Daily Planet“ erfolgreich ist. Sowie schon mehrfach Konflikte mit dem überaus einflussreichen, finsteren Magnaten Lex Luthor auszufechten hatte, wobei der jüngste davon gerade eskaliert. Sprich: Sie versetzt uns mitten ins actionreiche Geschehen und hält sich nicht mit dem Schildern längst bekannter Hintergründe auf.

Zudem ist dies eine Welt, in der Superman nicht der einzige „Metahuman“ ist. Gunn betreibt sehr effektives Universe-Building: Neben einem Cameo von Peacemaker (John Cena), einer der wenigen Figuren, die aus dem bestehenden DC-Universum in die aktuelle Iteration hinübergerettet wurden, sind hier wesentlich umfassendere, gar storyentscheidende Auftritte von Figuren zu erleben, die künftig noch eine größere Rolle spielen werden. In erster Linie ist dabei eine Gruppe von irdischen Helden zu nennen, die von keinem Geringeren als Maxwell Lord (Sean Gunn) finanziert wird: Unter dem ungelenken (und intern umstrittenen!) Namen „Justice Gang“ versammeln sich drei grundverschiedene Figuren, namentlich die Guy-Gardner-Inkarnation von Green Lantern (wunderbar prollig und hässlich frisiert: Nathan Fillion, THE ROOKIE), Hawkgirl (Isabela Merced, ALIEN: ROMULUS) und Mr. Terrific (Edi Gathegi, FOR ALL MANKIND). Daneben tritt nicht nur etwa Metamorpho (Anthony Carrigan, BARRY) auf, es gibt noch eine Reihe weiterer Gastauftritte zu entdecken – die in dieser Besprechung nicht gespoilert werden sollen. Vor allem aber muss Superman im Verlauf des Films gleich mehrfach gegen den ihm mindestens ebenbürtigen Ultraman antreten. Dessen Geheimnis erst im Finale gelüftet wird.

Mit derartigen Querverweisen, Easter Eggs und Reverenzen gibt sich Gunn sichtlich Mühe, Fans der Comicvorlagen zu beglücken. Das Schöne daran: Sie alle fühlen sich organisch an, wirken nicht wie in die Storyline hineingezwungen, sondern treiben sie voran oder ergeben zumindest in ihrem Rahmen absolut Sinn. Dieser Rahmen wird hauptsächlich bestimmt von der neuesten Finte Lex Luthors: Um den despotischen Führer des fiktiven osteuropäischen Staates Borovia (mit heftigen Putin-Vibes: Zlatko Buric, TANZ DER TITANEN) bei der Invasion eines Nachbarlandes zu unterstützen, bemüht er sich, Superman aus der Weltfrieden-Gleichung herauszunehmen. Dafür findet er Mittel und Wege, ihn öffentlich zu diskreditieren, als Gefahr für die Menschheit zu denunzieren und schließlich, mit der Mob-Meinung auf seiner Seite, semilegal in einem geheimen Gefängnis in einer „Pocket Dimension“ zu internieren.

Durch Kryptonit im Zaum gehalten – und vorübergehend in ein erbarmungswürdig verunstaltetes Strahlungsopfer verwandelt –, kann Superman keine Superkräfte entfalten. Was das Publikum erfahren lässt, dass auch der größte Held der Welt manchmal Hilfe braucht. Beziehungsweise: Super-Freunde. Neben der oben genannten „Justice Gang“ muss in diesem Zusammenhang nun auch endlich der eigentliche Star des Films erwähnt werden: Krypto. Genau, der treudoofe, überaus lebhafte Vierbeiner, der bislang zwar in einigen TV-Umsetzungen wie etwa SMALLVILLE, aber noch nie in einem Realfilm aufgetreten ist. Seine Bedeutung für das Geschehen kann kaum überschätzt werden. Sein Bemühen, nur virtuell existierende Eichhörnchen zu fangen, ebenso wenig.

Das zuletzt Erwähnte lässt zu Recht vermuten, dass Gunns Film viel Wert auf komödiantische Aspekte legt. Was vielleicht auch einfach nötig war: als Gegengift gegen das überkommene Snyder-Pathos. Dabei gibt sich das 130-Minuten-Epos zwar tatsächlich immer wieder äußerst spaßig, macht sich aber niemals über sein Erbe, seine tradierten Figuren lustig. Im Gegenteil. SUPERMAN verfällt in keinem Moment in eine alberne Klamauk-Parade, bewahrt seinen Respekt vor der langen Historie des Franchises, behandelt seine Protagonist*innen stets im Einklang mit den Vorlagen – und ist in den richtigen Momenten auch überzeugend emotional. Ohne dabei kitschig zu werden. Er stellt seine Figuren einerseits so überlebensgroß dar, wie es angemessen und notwendig ist, inszeniert sie andererseits jedoch konsequent erstaunlich menschlich.

Das gilt insbesondere für Superman selbst und seinen zentralen Antagonisten: Kal-El wirkte in seinem Tun, seiner grundsätzlichen Zuneigung für die menschliche Rasse und seiner häufigen Irritation über ihr irrationales Handeln noch nie so nachvollziehbar, war noch nie ein im Kern so „normaler“, verletzlicher Midwest-Farmboy wie in seiner Verkörperung durch David Corenswet (PEARL). Nicholas Hoult (NOSFERATU) wiederum gibt Lex Luthor glaubwürdiger als jemals zuvor als von offensiv deklariertem Neid zerfressenen Narzissten.

Gunn platziert ihre Figuren gekonnt im Einklang mit den tradierten Comic-Sujets und gleichzeitig abseits eines rein fiktiven Universums: vor allem, indem er Nachrichtenmeldungen und Reaktionen einer Internet-Öffentlichkeit einstreut, die klar auf den gegenwärtigen Zustand der Trump-USA verweisen, ohne dabei einen überdeutlichen moralischen Zeigefinger zu schwingen. Dass ihm dies gelingt – ohne die in sich schon monströs herausfordernde Aufgabe zu vernachlässigen, das Franchise zu modernisieren und für Fans wie für das allgemeine Publikum attraktiv zu gestalten –, verdient in jedem Fall Applaus.

Die aktuelle Ausgabe ist hier erhältlich!

Aber auch davon abgesehen: SUPERMAN unterhält über seine gesamte Laufzeit grandios. Er langweilt keine Sekunde und besticht neben fantastischen Effekten sowie visuell aufregenden Szenarien durch fast durchgehend überraschenden, niemals plumpen Humor. Sowie durch Figuren, die sich außerordentlich lebensecht anfühlen.

Großartige Action, großartige Effektarbeit, großartiges Storytelling: SUPERMAN ist …

(Dominic Saxl)
„… wirklich super!“

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Regie: James Gunn / USA 2025 / 129 Min.

Besetzung: David Corenswet, Rachel Brosnahan, Nicholas Hoult, Edi Gathegi, Anthony Carrigan, Nathan Fillion

Produktion: James Gunn, Peter Safran

Freigabe: FSK 12

Verleih: Warner Bros.

Start: 10.07.2025