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THE 355

Regie: Simon Kinberg / USA, China 2022 / 124 Min.

Besetzung: Jessica Chastain, Penélope Cruz, Diane Kruger, Lupita Nyong’o, Bingbing Fan, Sebastian Stan

Produktion: Jessica Chastain, Kelly Carmichael, Simon Kinberg

Freigabe: FSK 16

Verleih: Leonine

Start: 06.01.2022

Was hat es mit THE 355 auf sich? „Agent 355“ war der Codename einer der ersten Spioninnen der Vereinigten Staaten im 18. Jahrhundert, die im Unabhängigkeitskrieg Entscheidendes für die amerikanische Seite leistete und zu einer echten Heldin wurde – deren wahre Identität jedoch bis heute unbekannt ist. Laut Produzentin und Co-Hauptdarstellerin Jessica Chastain (CODE AVA) ist „355“ noch immer eine gängige Bezeichnung für Agentinnen in Geheimdiensten: unsichtbare Frauen ohne Namen, die unermüdlich hinter den Kulissen arbeiten.

 

Mit dem amerikanisch-chinesischen Spionagethriller THE 355 werden sie nun ins Rampenlicht gerückt, und das mit Wucht. Wenn es auch nicht ganz so viel knallt wie in den Filmen der BOURNE-Serie und der Spektakelfaktor geringfügig hinter den Abenteuern James Bonds zurückbleibt: Fans des Genres werden hier über zwei Stunden lang bestens bedient, denn der weiblich geführte Ensemble-Actionfilm ist nicht nur hochkarätig besetzt, sondern von Regisseur Simon Kinberg (X-MEN: DARK PHOENIX) auch angenehm atemlos inszeniert.

 

Handlungsseitig geht es um das, worum es in solchen Geschichten nun mal geht: Bösewichter im kolumbianischen Dschungel haben das ultimative Hacker-Tool entwickelt, einen Universal-Datenschlüssel, mit dem sich jedes x-beliebige Computersystem knacken und übernehmen lässt und gegen den es keinerlei Abwehrmöglichkeit gibt. In den falschen Händen könnte die Festplatte mit diesem Programm natürlich katastrophale Folgen zeitigen, also machen sich Geheimdienste aus aller Welt schleunigst auf die Jagd nach dem Mega-MacGuffin, genau wie eine ganze Reihe von Vertretern der Unterwelt.

 

Diese Jagd führt uns an verschiedenste eindrucksvoll in Szene gesetzte Schauplätze rund um den Globus: Von Kolumbien geht’s in die Cafés und Métro-Schächte von Paris, nach London, ins wuselige Marrakesch in Marokko und schließlich zum großen Finale ins glitzernde Shanghai. Nicht ganz so hübsch ist’s in Langley (Virginia) und in Berlin, darum werden hierher auch nur kurze Abstecher gemacht: ins Hauptquartier des CIA, für den Mason „Mace“ Brown (Chastain) tätig ist, bzw. in das des BND, den Marie Schmidt (Diane Kruger, AUS DEM NICHTS) ihren Arbeitgeber nennt.

 

Bis die beiden erkennen, dass sie zwar für unterschiedliche Regierungen im Einsatz sind, aber doch auf derselben Seite stehen, dauert es allerdings eine Weile: Zunächst platzt Marie in einen sorgfältig vorbereiteten Deal zur Übergabe der Festplatte an Mace und ihren Partner Nick Fowler (Sebastian Stan, der „Winter Soldier“ aus CAPTAIN AMERICA & Co.) und flüchtet im Anschluss vor der dem Schusswaffeneinsatz nicht abgeneigten US-Agentin. Diese benötigt die Hilfe ihrer alten Freundin und MI6-Spionin a. D., Khadijah Adiyeme (Lupita Nyong’o, WIR), um Marie als Mitarbeiterin des deutschen Geheimdienstes zu identifizieren – was fast genauso unglaubwürdig scheint wie die Existenz einer technologischen Wunderwaffe wie der oben beschriebenen, aber sei’s drum, wir wollen mal nicht kleinlich sein: Im Großen und Ganzen gibt sich THE 355 nämlich durchaus Mühe, halbwegs realistisch zu Werke zu gehen. Insbesondere, was die Charaktere selbst und ihre Entscheidungen im Handlungsverlauf angeht, wirkt das Skript deutlich lebensnäher als das anderer Genrevertreter.

 

Besonders beeindrucken kann der Film allerdings durch seine starken Hauptdarstellerinnen, zu denen sich neben Chastain, Kruger und Nyong’o noch die als Einzige etwas blass bleibende Penélope Cruz (MORD IM ORIENT-EXPRESS) als kolumbianische Psychologin Dr. Graciela Rivera sowie Bingbing Fan (X-MEN: ZUKUNFT IST VERGANGENHEIT) als chinesische Computerexpertin Lin Mi Sheng gesellen – sowie vor allem durch ihr hervorragend austariertes Zusammenspiel. Hier gibt es nicht einen Star und eine Reihe unwichtigerer Unterstützer:innen, hier gibt es ein gleichberechtigtes Miteinander von sehr unterschiedlich gezeichneten Figuren, denen zudem ausreichend Raum für persönliche Hintergründe bzw. eine Charakterentwicklung eingeräumt wird, um sie allemal interessanter als die leider oft üblichen Agentenfilm-Abziehbilder zu machen.

 

Ob die Kombination der unterschiedlichen Stärken unserer Heldinnen ausreicht, um die Welt vor dem Untergang zu retten, erfahrt ihr im Kino. Sie ist aber allemal genug, um THE 355 zu einem Spionagethriller zu machen, der sich vergleichsweise frisch anfühlt und den typischen Genrekomponenten einen interessanten „weiblichen“ Aspekt hinzuzufügt: Teamwork statt Einzelkämpfertum. Oder, wie es in der englischsprachigen Tagline heißt: „Work together or die alone“.

 

Besitzer männlicher Minderwertigkeitskomplexe brauchen sich übrigens keine Sorgen zu machen – hier wird weder ein pädagogischer „Feminismus“-Zeigefinger geschwenkt noch sich über Machotum oder patriarchalische Strukturen lustig gemacht. Stattdessen gibt es einfach schnittige, kompetent gefilmte Action mit toughen weiblichen Figuren, die man ihren Darstellerinnen tatsächlich abnimmt. (Dominic Saxl)

 

Treffsichere Agenten-Action – knallhart, international, weiblich und im Kollektiv.

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THE 355

Regie: Simon Kinberg / USA, China 2022 / 124 Min.

Besetzung: Jessica Chastain, Penélope Cruz, Diane Kruger, Lupita Nyong’o, Bingbing Fan, Sebastian Stan

Produktion: Jessica Chastain, Kelly Carmichael, Simon Kinberg

Freigabe: FSK 16

Verleih: Leonine

Start: 06.01.2022

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