(OT: CAPTAIN AMERICA: CIVIL WAR)

Regie: Anthony Russo, Joe Russo / USA 2016 / 147 Min.

Darsteller: Chris Evans, Robert Downey Jr., Scarlett Johansson, Sebastian Stan, Anthony Mackie, Don Cheadle, Jeremy Renner, Chadwick Boseman, Elizabeth Olsen

Produktion: Kevin Feige

Verleih: Marvel Studios, Disney

Freigabe: FSK 12

Start: 28.04.2016

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Langsam und unheilschwanger verdunkelt sich der Raum, während die Jalousien heruntergelassen werden und das von Schlaflosigkeit gezeichnete Augenpaar noch ein letztes Mal vom Tageslicht getränkt aufblitzt, bis es endgültig eine tiefschwarze Allianz mit der Abgeschiedenheit des Zimmers eingeht. Die blauen Wellenlängen des Lichtes, mit dem LEDs den dort thronenden Laptop beleuchten, treffen jene Netzhaut und stimulieren sogleich wieder das Nervensystem. An Schlaf ist nun schließlich auch nicht zu denken. Es gilt, einen Krieg zu führen, denn das Lager ist gespalten, die Gemüter erhitzt, und da die Feder immer noch mächtiger ist als das Schwert, werden noch mal die Fingerknöchel geknackt, um dann wutschnaubend in die Tasten zu hauen. Von „der letzte Dreck“ über „Blasphemie“ bis hin zu „ich spreche euch jedwede Empathie ab“ fliegt die virtuelle Munition von Kritik zu Kritik, von Kommentar zu Kommentar. Freundschaften sowie der gesunde Menschenverstand werden infrage gestellt, während sich die Front des Shitstorms an der Bastion der Fangemeinschaft bricht. Es scheint so, als wäre der „Versus-Gedanke“ von der großen Leinwand direkt in die Köpfe der Rezipienten eingepflanzt worden, die daraufhin ihren Sturm im Wasserglas destruktiv wüten lassen. Kein Film hat in letzter Zeit wohl so stark polarisiert wie Zack Snyders BATMAN V SUPERMAN. Dabei kommt es bei der Wirkung eines Films gar nicht so sehr auf allgemeingültige Kritikpunkte an, sondern eher auf die individuelle Verfassung des Betrachters. Die gegenwärtige Stimmung, die Erwartungshaltung, prägende eigene Erfahrungen, welche bei bestimmten emotionalen Aspekten einfach eine wichtige Rolle spielen. Was für die einen Emotionspornografie par excellence ist, erreicht die anderen dafür genau dort, wo sie abgeholt werden wollen. Was für den einen furchtbar prätentiös wirkt, sind für den anderen ikonische Bilder mit Gänsehaut-Garantie. Einerseits ist es ja total toll, dass man anscheinend trotz Terror, „Flüchtlingskrise“ und Böhmermann-Affäre in seinem Alltag immer noch nicht so eingeschränkt ist, wie uns die (keine) AfD unbedingt suggerieren will, und man noch genug Zeit hat, aufgrund solch marginaler Dinge wie jener Superheldenkonfrontation einen riesigen Streit vom Zaun zu brechen. Andererseits zeigt uns dies mal wieder, wie wenig doch notwendig ist, um aus Freunden Feinde werden zu lassen, die sich gegenseitig (verbal) in Grund und Boden stampfen. Wenn die Unterhaltungsindustrie schon solche Anfeindungen hervorruft, wie weit würde es gehen, wenn wir auf politischer Ebene in globale Konflikte involviert wären? Mit dieser Frage konfrontiert uns der thematisch ähnlich wie Snyders Adaption gelagerte CAPTAIN AMERICA: CIVIL WAR, der die mittlerweile dritte Phase des MCU (Marvel Cinematic Universe) einläutet. Nachdem Mastermind Joss Whedon in AVENGERS: AGE OF ULTRON unsere Sinne zuletzt erneut mit nahezu größenwahnsinnigem Effekt-Bombast penetrierte, dessen Schlussakkord gar eine ganze Stadt wortwörtlich in der Luft zerfetzte, erden die Regisseure Anthony und Joe Russo das Franchise wieder. Das Brüderpaar inszeniert den dritten Auftritt des Übersoldaten in jenem actiontechnisch greifbaren Agenten-Stil, der auch schon ihren THE RETURN OF THE FIRST AVENGER auszeichnete. Neben der politischen Komponente gesellt sich zudem nun auch eine sich mehr und mehr entfaltende emotionale Wucht hinzu, die die Superhelden menschlicher, verletz-, aber auch unberechenbarer macht. Kollabierende Häuserschluchten und die martialische Dekonstruktion ganzer Weltmetropolen weichen kerniger Arschtritt-Action und knackigen Verfolgungsjagden, die, eingebettet in ein ernsteres und düsteres Grundgerüst, genau jene mitreißende Intensität erreichen, die den Puls permanent auf sportlichem Niveau hält.

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Nachdem die Avengers den Blauen Planeten vor dem fehlgeleiteten Roboter Ultron beschützt haben, folgt Steve Rogers (Chris Evans) weiterhin seiner Berufung und operiert verdeckt mit einem neu zusammengestellten Team. Als der jüngste Einsatz von ihm, Falcon (Anthony Mackie), Black Widow (Scarlett Johansson) und Scarlet Witch (Elizabeth Olson) völlig aus dem Ruder läuft, werden Zivilisten getötet, was die Vereinten Nationen auf den Plan ruft. Jene wollen eine staatlich kontrollierte Instanz, welche den Avengers übergeordnet ist und diese lenkt, um weitere Kollateralschäden zu verhindern und dem skeptischen Teil der Weltbevölkerung die Angst vor jenem Unbekannten zu nehmen. Während Tony Stark (Robert Downey Jr.), der von Schuldgefühlen ob der zivilen Opfer seines letzten Iron-Man-Einsatzes zerfressen wird, dieser Doktrin zustimmt, will Rogers unabhängig bleiben. Bald schon spaltet sich das Team in zwei Lager, und es brodelt hinter den Kulissen mächtig. Als sich die Lage immer weiter zuspitzt, tritt mit Baron Zemo (Daniel Brühl) eine mysteriöse weitere Figur in Erscheinung, die nicht nur Öl ins Feuer gießt, sondern dabei auch ihre ganz persönlichen Ziele verfolgt. Eine heftige Konfrontation zwischen den einstigen Freunden, welche schließlich durch War Machine (Don Cheadle), Hawkeye (Jeremy Renner), Vision (Paul Bettany), den Winter Soldier (Sebastian Stan) und erstmals Black Panther (Chadwick Boseman) sowie Ant-Man (Paul Rudd) und Spider-Man (Tom Holland) ergänzt werden, scheint unausweichlich.

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