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In der deutschen Unterhaltungsindustrie gibt es nur noch wenige echte Originale. Entertainer der alten Schule wussten noch, was es heißt, sich eine Persönlichkeit zu geben, bevor man sich auf die Bühne traut. Allein deswegen sind Namen wie Diether Krebs oder Loriot nach wie vor bekannt, und viele Menschen können gar ganze Sketche der beiden zitieren. Auch wenn sein Humor nicht bei jedem so ankommt wie das Weihnachtsfest bei Familie Hoppenstedt, so gehört Helge Schneider unbestritten in den Olymp jener Unterhaltungskünstler, die es zum einen geschafft haben, eine einzigartige Persönlichkeit auf der Bühne zu verkörpern, und die zum anderen auf eine sehr beachtliche Karriere zurückblicken können, die viele Felder umfasst.

Schneider ist nicht nur Komiker, er ist ein sehr talentierter Musiker, Regisseur und Autor, um nur ein paar Betätigungsfelder zu nennen. Schneider ist ein Künstler mit zwei Seiten, denn für die einen ist er der Musiker hinter „Katzeklo“ und „Es gibt Reis, Baby“, und für die anderen ist er eines der frühen Mitglieder im Kreis um Christoph Schlingensief. Oder er ist einer, der sich gegen die aktuelle Spaltung der Gesellschaft ausspricht und Altersdiskriminierung.

Helge Schneider ist ein Künstler, der sich nicht festlegen will. Von daher ist eine Dokumentation über sein Leben immer auch ein Risiko, denn es besteht natürlich die Gefahr, das Enigma aufzulösen und damit die Aura eines Künstlers irreparabel zu beschädigen. Dennoch hat sich Schneider gemeinsam mit Co-Regisseur Sandro Giampietro, dem langjährigen Gitarristen der Helge-Schneider-Band, genau an diese Aufgabe herangetraut. THE KLIMPERCLOWN, der in den deutschen Kinos am 7. August startet, ist das Ergebnis der gemeinsamen Arbeit.

Die 82-minütige Dokumentation erzählt vom Leben Helge Schneiders, seiner Kindheit und seinen ersten Berührungspunkten mit der Musik, doch darüber hinaus auch von dem Enigma rund um seine Person. Archivaufnahmen von Liveauftritten oder einem Treffen mit den Eltern in Mülheim an der Ruhr folgen auf nachgestellte Szenen oder Begegnungen mit Angelo Kelly oder Alexander Kluge. Über allem steht die Narration Schneiders, der in einer Manier, die an Werke wie TEXAS oder PRAXIS DR. HASENBEIN erinnert, das eigene Leben kommentiert und es dadurch nahtlos in das Gesamtwerk Schneider einfügt.

„Eigentlich wollte ich immer Förster werden“ ist einer der vielen Kommentare, die immer wieder einen ironischen Bruch darstellen. Die Improvisation und die daraus folgende Überraschung sind Schneiders große Stärke und bilden das Fundament für THE KLIMPERCLOWN. Der Zuschauer bekommt die Biografie, die man erwartet, aber bei einem Film von – und über – Helge Schneider erhält man noch eine ganze Menge mehr. Man wird herzlich lachen, in Erinnerungen schwelgen und fasziniert zuhören, selbst wenn sich Ironie mit den Fakten eines Lebens vermischt. So manchem Künstler hätte man einen solchen Kniff übel genommen, nicht aber Schneider, denn er hat ihn zur Essenz seiner Kunst deklariert.

Wenn man genau hinsieht und zuhört, dann ist THE KLIMPERCLOWN das Zeugnis zweier Personen: des Künstlers und des Privatmenschen. Beide Ebenen vermischen sich, sodass eine Unterscheidung schwerfällt. Jedoch wird dem Zuschauer das Einzigartige der Person Helge Schneider vor Augen geführt, und zwar in allen Facetten, die dazugehören. Helge Schneider ist Künstler, und THE KLIMPERCLOWN ist ein wichtiger Teil zum Verständnis dessen, was diese Kunst ausmacht.
(Rouven Linnarz)
Ein faszinierender und amüsanter Einblick in das Leben und Werk Helge Schneiders
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