Was ist Star Wars eigentlich? Lichtschwertkämpfe mit robenbehangenen Jedi und Sith? Die Macht? Droiden, lustige Tierwesen, Kopfgeldjäger, Raumschiffe, Schlammpfützen, Musikstücke von John Williams? Oder alles zusammen? Oder nur ein paar davon?
Was auch immer es sein mag, THE MANDALORIAN AND GROGU schafft es, den Kern eben dieses Universums behutsam herauszuarbeiten und anschließend seinen eigenen Stempel aufzudrücken. Und stellt damit nebenbei den besten STAR-WARS–Film seit der Akquise durch Disney auf die Beine, aber der Reihe nach.

Nach den Ereignissen von Staffel 3 der Disney-Plus-Serie THE MANDALORIAN sind Mando und sein kleiner grüner Begleiter Grogu auf dem Weg durch die Galaxis. Das Ziel ist nicht klar, da bekommen die beiden von der Neuen Republik einen Auftrag ausgehändigt. Die Nachfolger von Jabba the Hutt benötigen Hilfe. Aus dieser zunächst schlichten Prämisse entspinnt sich ein Auftragsnetz voller Intrigen, die zur bislang vielleicht größten Herausforderung des ungleichen Duos werden wird.

Ja, die großen Trilogien erzählen die auf dem Papier wichtigeren Geschichten im STAR-WARS-Kanon. Doch haperte es in den neueren Filmen immer wieder an den Feinheiten. Zu ernst war es oft, dann wieder zu albern. Dieser neue, sehr andere Film schafft es zum ersten Mal seit einer gefühlten Ewigkeit, die ernsten und völlig albernen Töne dieses besonderen Universums geschickt miteinander zu verbinden und dabei das Herzliche zu finden. Nicht umsonst ist Grogu dieses Mal im Titel vertreten und nimmt auch in der Narration seinen gleichwertigen Platz ein. Mitten in diesem Film, welcher sich zunächst wie eine sehr hochwertig produzierte Folge der Serie anfühlt, ändert sich plötzlich der Fokus hin zum kleinen grünen Alien und stellt ihn komplett in den Mittelpunkt.

Was sich dann ergibt, sind die besten 40 Minuten STAR WARS seit DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK. Mit feinster Puppentechnik traut sich Regisseur Jon Favreau endlich, etwas Experimentelles zu wagen. Beinahe wortlos wird hier eine Charakterentwicklung gezeigt – durch Taten, nicht durch Worte.
Am Ende dieses Films im Film ist Grogu nicht mehr Baby Yoda, sondern endlich sein eigenes Wesen. Nicht mehr nur Marketingtool zum Verkaufen von Plüschfiguren, sondern ein Charakter, den man vermissen wird, wenn er fehlt. Wie ein Chewbacca, ein Luke oder eben Meister Yoda.

THE MANDALORIAN AND GROGU ist ein großes Beispiel dafür, wie sich das Berufen auf alte Tugenden wie Puppen, praktische Sets und klassische Skripts auszahlen kann. Wenn all dies dann noch von einem extrem verspielten und abwechslungsreichen Soundtrack von Ludwig Göransson untermalt wird, fühlt man sich plötzlich zurückversetzt. Nicht weil da ein bekanntes Lichtschwert gezeigt oder mit wichtigen Namen um sich geworfen wird. Sondern weil das, was man dort sieht, endlich wieder an diese Magie von damals heranreicht.
Im großen Star-Wars-Kanon ist diese wundervolle Geschichte völlig unbedeutend. Gut so! Etwas Besseres hätte diesem Film und den Zuschauer:innen nicht passieren können. (Simon Greichgauer)
Lange war STAR WARS nicht mehr so magisch.
Bilder (c) Lucasfilm Ltd.
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