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UND AB GING DIE LUCY – LUC BESSON IM INTERVIEW

 Luc Besson - Lucy

LUCY ist der Überraschungserfolg des Jahres. Einer der wichtigsten Männer in der Filmwirtschaft ist und bleibt Luc Besson, der ständig Projekte, Produktionen und Filme von hoher Qualität herauspeitscht. Das Angebot, mit ihm nach dem Kinostart ein Interview zu führen, ließen wir uns nicht entgehen. Und man lese und staune in den folgenden Zeilen: Nach dem Film LUCY, an dem er Jahre arbeitete, hat er keine weiteren Pläne. Was ist los, Monsieur Besson?

Ein Review von LUCY könnt ihr hier https://deadline-magazin.de/lucy/  nachlesen.

 

 

DEADLINE:

LUCY ist dein zweitbester Start ever in Deutschland. Auch in anderen Ländern läuft der Film sehr gut. Hast du zu irgendeinem Zeitpunkt des Produktionsprozesses geahnt, dass LUCY so erfolgreich werden könnte?

 

Luc Besson:

Nein, natürlich nicht. So etwas weiß man vorher nie so genau. Das Einzige, was du vorher einschätzen kannst, ist, wie viel Lust und Arbeit du in dein Projekt gesteckt hast. Danach kann man lediglich hoffen, dass irgendjemand den Film sehen möchte, den du da gerade fertiggestellt hast. (lacht)

 

DEADLINE:

Warst du dieses Mal nervöser als sonst? Du hast an LUCY ja viele Jahre gearbeitet …

 

Besson:

Ja, der Produktionsprozess hat sehr lange gedauert, aber das liegt daran, dass es ein Film über Intelligenz ist. Vielleicht fühlte ich mich nicht intelligent genug, um in einem schnelleren Tempo an LUCY zu arbeiten. Ich habe mir schlichtweg die Zeit genommen, die ich brauchte, da es im Film um ein sehr seriöses, ernstes und anspruchsvolles Thema geht. Ich habe immer ein wenig an LUCY gearbeitet, dann das Projekt zur Seite gelegt und dann wieder die Arbeit daran aufgenommen. Zudem habe ich mich mit vielen Professoren unterhalten, um deren Meinung mit ins Drehbuch integrieren zu können.

 

DEADLINE:

Was hat dein Interesse an dem Projekt über all die Jahre aufrechterhalten?

 

Besson:

Der Film ist wie eine hübsche, attraktive Frau, die dir nie aus dem Kopf geht. Du weißt, sie ist da, und du weißt, sie ist gut, aber du willst dir die Sache mit deiner Übermotivation nicht kaputt machen. Ich musste auf den richtigen Zeitpunkt warten, um den Film zu machen. Ich denke, vor wenigen Jahren war ich noch nicht dazu bereit, LUCY zu drehen. Es ist ein wirklich kompliziert zu machender Film, weil man so viele Genres bzw. Themen miteinander mixt: Philosophie, Sci-Fi, Action usw. Es ist schwierig, da eine ausgewogene Mischung zu finden.

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DEADLINE:

Würdest du meiner Beschreibung zustimmen, dass LUCY eine Mischung aus NIKITA und MATRIX ist?

 

Besson:

Ich finde es witzig, dass alle Journalisten versuchen, zwischen NIKITA und LUCY eine Verbindung herzustellen. Aber okay, das ist natürlich euer Job. (lacht) Ich persönlich sehe keinerlei Verbindung zwischen diesen beiden Werken. Denn ein Film ist wie ein Mensch – jeder ist einzigartig und steht für sich. Vielleicht gibt es einen kleinen Beigeschmack von anderen Sachen, aber die größten Einflüsse auf LUCY waren sicherlich meine ganzen Treffen mit den Wissenschaftlern, und nicht MATRIX oder NIKITA.

 

DEADLINE:

Für mich gibt es da schon Gemeinsamkeiten, weil es beide Male um starke Frauen geht, die zupacken können und ziemlich intensiv mit Drogen zu tun haben. An MATRIX fühlte ich mich vor allem optisch und hinsichtlich des metaphysischen Ansatzes erinnert.

 

Besson:

Wenn wir zum Beispiel NIKITA nehmen: Die Frau ist bereits von Anfang an eine sehr außergewöhnliche Frau, da sie unter Drogeneinfluss einen Cop tötet. Lucy hingegen ist eine ganz gewöhnliche, fast schon langweilige Person. Sie ist ein Kind der Straße und nicht unbedingt die Intelligenteste. Sie hat um nichts gebeten und nichts wirklich falsch gemacht. Insofern sind die beiden Charaktere zu Beginn des Filmes extrem unterschiedlich, so wie Schwarz und Weiß.

 

DEADLINE:

Du sagtest ja bereits, dass du mit vielen Professoren wegen LUCY gesprochen hast. Das Ding, dass Menschen nur 10 % ihres Gehirns nutzen würden, ist ja aber ein Fake. Welche wissenschaftlichen Aussagen im Film sind also korrekt?

 

Besson:

Lasst uns bitte nicht vergessen, dass es sich bei LUCY um einen Film handelt. Denn ich habe bereits mehrfach lesen müssen, dass sich einige deiner Kollegen massiv darüber aufregen, dass die Sache mit der Nutzung der Hirnkapazität „noch nicht mal wahr“ sei. Dazu kann ich nur sagen: Ja klar, es ist ja auch ein Sci-Fi-Film! Und selbst im Film sagen wir ja, dass das nur grobe Einschätzungen seien, also nicht wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse. Darüber hinaus gibt es aber viele wissenschaftliche Fakten im Film, die echt sind. Beispielsweise das PH4 ist echt, abgesehen davon, dass wir uns einen neuen Namen dafür ausgedacht haben. Auch die Moleküle, die Frauen nach sechs Wochen Schwangerschaft bilden, stimmen. Ebenso der Fakt, dass jede Zelle unseres Körpers über 1.000 Nachrichten pro Sekunde an eine andere Zelle verschickt. Insofern mixen wir echte und unechte Fakten zu einem großen Ganzen, das viele Menschen am Ende für wahr halten. Das ist die Magie des Kinos.

 

DEADLINE:

Die Erforschung des menschlichen Gehirns scheint dir ja generell sehr wichtig zu sein. Du bist ja Mitbegründer des ICM (L’Institut du Cerveau et de la Moelle Épinière).

 

Besson:

Stimmt, das war vor 6 oder 7 Jahren mit Michael Schumacher und Jean Todt sowie noch einigen weiteren brillanten Leuten. Was mich da momentan besonders berührt, ist die Tatsache, dass Michael da so viel Energie und Geld in dieses Institut gesteckt hat und genau dieses nun Michael dabei hilft, wieder komplett gesund zu werden, und dabei exakt die Forschung genutzt wird, die er selbst gefördert hat. An diesem Beispiel merkt man, wie merkwürdig das Leben manchmal ist.

 

DEADLINE:

Stehst du noch immer mit dem Institut in Verbindung? Welche Aufgaben hast du derzeit?

 

Besson:

Ich bin noch nie ein Professor gewesen und werde auch nie einer sein. Insofern gibt es in der wissenschaftlichen Arbeit selbst nichts, das ich machen kann. Aber ich bin dafür da, mit meinem bekannten Namen dabei zu helfen, Gelder für das Institut zu akquirieren bzw. dieses überhaupt erst in der Welt bekannt zu machen. Auch wenn es darum geht, mit Regierungen zu sprechen, bin ich mit von der Partie und versuche zu helfen. Wenn außerdem ein kleiner Film gemacht werden muss, zum Beispiel zu Werbezwecken, bin auch ich es, der da bereitsteht.

 

DEADLINE:

Du schreibst ja wesentlich mehr Drehbücher, als du Filme inszenierst. Nach welchen Kriterien entscheidest du, ob du ein von dir verfasstes Skript verfilmst oder an junge Talente weitergibst?

 

Besson:

Wenn ich das Gefühl habe, dass es einen Regisseur gibt, der mein Skript besser umsetzen kann als ich, dann gebe ich es weiter. Wenn ich hingegen glaube, selbst etwas mit einbringen zu können, aufgrund meiner Erfahrung als Regisseur oder einfach nur wegen meiner Lebenserfahrung oder meines Interesses, dann mache ich es selbst. An LUCY arbeite ich seit 9 Jahren, da gab es beispielsweise keine andere Möglichkeit, als dass ich selbst den Film drehe.

 

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