Annähernd sechs Monate in der Vorbereitung, war das WEEKEND OF FEAR am 15. und 16. Mai 2026 mal wieder viel zu schnell vorbei. Rückblickend kann man die 28. Ausgabe des kleinen Festivals ein weiteres Mal auf der Habenseite einbuchen. Die abwechslungsreiche Filmauswahl stieß auf überwiegend positive Publikumsresonanz, ein, zwei kleinere technische Probleme gab es natürlich auch heuer, glücklicherweise jedoch nichts allzu tragisches. Und somit macht sich nicht nur auf Veranstalterseite bereits jetzt Vorfreude auf das nächste WEEKEND breit, welches am 28. und 29. Mai 2027 im Erlanger E-Werk stattfinden wird.

Mit 18 Spielfilmen und 5 Kurzfilmen aus insgesamt 11 verschiedenen Ländern hatte das Programm des diesjährigen WoF einen beinahe rekordverdächtigen Umfang und bot zahlreiche Highlights. Neben vielen deutschen und internationalen Premieren gab es natürlich auch wieder einiges aus der Klassikerabteilung zum Neu- oder Wiederentdecken. Sicher ein besonderes Schmankerl war dabei die Aufführung von Tod Brownings Stummfilmklassiker THE UNKNOWN (1927), welcher vom in Erlangen ansässigen Konzertpianisten Christoph Orendi live am Klavier begleitet wurde. Orendi griff dabei allerdings nicht auf bestehende Musik zurück, sondern schrieb über den Zeitraum von einem halben Jahr einen kompletten Score für den 68-minütigen Film, was vom begeisterten Publikum mit minutenlangem Applaus und Standing Ovations honoriert wurde.

Vor Brownings Film lief, quasi als „warm up“, der 13-minütige italienische Stummfilm IL CASO VALDEMAR von 1936. Die Edgar-Allan-Poe-Adaption wurde von Mathias Schlitt mit ebenfalls selbst komponierten jazzigen Klängen am Klavier begleitet.
Auch schon mehrere Jahre auf dem Buckel hat der von Silvano Agosti inszenierte Streifen NEL PIU ALTO DEI CIELI (IN THE HIGHEST OF SKIES), welcher, obwohl bereits 1977 gedreht, als deutsche Premiere auf dem WoF zu sehen war. Schon kurz nach seiner Uraufführung wurde der Film in seiner italienischen Heimat von den Behörden einkassiert und erhielt Aufführungsverbot. Yazid Benfeghoul, Mitinhaber des Cinestrange Extreme Labels, welches den Film hierzulande veröffentlichen wird, sprach ein paar einleitende Worte, bevor der Film, der stellenweise an Pasolinis SALO erinnert, aufs Publikum losgelassen wurde und bei den Zuschauern seine Wirkung definitiv nicht verfehlte, was aus einigen Gesprächen im Anschluss der Vorführung hervorging.

Danach gab es mit BANNED ALIVE eine sehenswerte Dokumentation über das italienische Kannibalenkino der 70er und 80er Jahre, welche in neu überarbeiteter Fassung erstmals vor Publikum lief und ebenfalls von Cinestrange Extreme demnächst veröffentlicht wird.
Spanien war 2026 gleich mit drei Beiträgen auf dem WEEKEND vertreten. Home-Invasion im Wald wurde in THE TREEHOUSE von Luis Calderón thematisiert, während Zoe Berriatúas FREE BUFFET auf den Spuren von Herman Yaus THE UNTOLD STORY wandelte. LILY’S RITUAL von Manu Herrera kam mit seiner Witchcraft-Thematik beim Publikum besonders gut an, und ging in der Endabrechnung als zweiter Sieger beim Publikums Voting vom Platz!


Obwohl die Macher des WoF immer bemüht sind, dem Publikum eine möglichst abwechslungsreiche Show zu bieten, gibt es auch ein paar Konstanten, die einfach sein müssen. Natürlich ist das zum einen der obligatorische Paul Naschy Film – die Auswahl fiel in diesem Jahr auf Nashys 1977er-Regiearbeit INQUISITION, zum anderen stehen Werwolffilme beim WEEKEND immer hoch im Kurs. Mit WOLF MOON RISING von Todd Sheets, einem Urgestein der amerikanischen Independent-Szene, und einer ziemlich freien und vor allem freizügigen Adaption des Grimmschen Märchens ROTKÄPPCHEN – A DARK FAIRY TALE von Günther Brandl, gab es dann 2026 gleich zweimal Independent-Wolf-Power auf dem Festival.


In diesem Kontext liegt natürlich die Vermutung nahe, dass in der australischen Produktion WOLF CAT FEVER ebenfalls zottelige Monster ihr Unwesen treiben, dem ist aber nicht so. Regisseur Josh Sindbad Collins lieferte eine abgefahrene Rock ’n’ Roll-Trash-Comedy ab, welche bestens ankam und folgerichtig den dritten Platz im Voting um den Publikumspreis ergatterte.

„Internationales Festival für Horror, Thriller, Science Fiction & obskure Filme“ heißt es so schön in der Stellenbeschreibung des WEEKEND OF FEAR. So weit, so gut, aber was bitteschön sind obskure Filme? Blickt man auf den 2026er Programmflyer, dann stechen einem zu diesem Thema mindestens zwei Titel ins Auge: AN AMERICAN HIPPIE IN ISRAEL aus dem Jahr 1972 führt weltweit viele Trash Best-of-Listen an, und das vollkommen zu Recht! Ein Film jenseits sämtlicher Kappen und gerade deshalb ein wahrer Schenkelklopfer. Ähnliches gilt für den japanischen Splatter-Wahnsinn MAD MASK, dessen abgefuckter Humor sicher nicht bei allen Zuschauern auf Gegenliebe stieß, zur frühen Morgenstunde aber dennoch für einen erstaunlich gut gefüllten Saal sorgte.

Man sollte ja denken, dass nach jahrzehntelangem Festivalbetrieb eigentlich alles schon mal da war. Damit wäre man dann aber auf dem Holzweg, denn mit ZHAZA lief erstmalig ein Film aus der ehemaligen Sowjetrepublik Kasachstan auf dem WoF, und dieser entpuppte sich auch noch als absoluter Volltreffer! Das knallharte Revengedrama erinnert in vielen Momenten an die Klassiker des Hongkong Kinos der späten achtziger Jahre. Ebenso standen Filme wie etwa THE RAID Pate für Darkhan Tulegenovs Actionfest. Beim Publikum schien der Film offene Türen einzurennen, denn ZHAZA eroberte in der finalen Abstimmung Platz 1 als bester Film des Festivals. Bleibt zu hoffen, dass dieser grandiose Streifen möglichst bald einen deutschen Vertrieb findet!


Und das war es dann auch mit dem 28. WEEKEND OF FEAR. Alle, die das Festival dieses Jahr verpasst haben, bekommen in knapp 12 Monaten erneut Gelegenheit, sich ein Mai-Wochenende mit neuen und alten Perlen des fantastischen Kinos zu versüßen. Bis dahin. (Elmar Berger)



