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ZUM TODE VON SIR CHRISTOPHER LEE

Fotocredits (c) Uwe Huber

GROSS, DUNKEL UND SCHAUERLICH, ODER DER LORD DES TUMULTES
(übersetzte Titel der beiden Autobiografien – bislang nicht auf Deutsch erschienen)

 

 

Man kann manchen Kommentatoren unserer Facebook-Meldung zum Tode von Sir Christopher Lee vordergründig gesehen schwerlich widersprechen; „Schock!“ stand über der traurigen Nachricht, und da fühlten sich einige berufen zu bemerken, dass man mit 93 Lenzen doch schwerlich überraschend von dieser Welt geht und man somit nicht von einem Schock, also einem überraschenden, unerwarteten Schrecken, sprechen kann. Und doch ist es ganz genau das – ein Schock. So wie das Ableben von Leonard Nimoy. Oder Pierre Brice. Und auch James Last. Ihr dürft ruhig lauter raunen. Anno 2015 sterben rasch hintereinander einige der letzten Vertreter einer Generation, die man nicht anders denn als authentische „Ikonen“ definieren darf – Erfolge und Errungenschaften dieser Menschen, die in ihrem Feld überirdische Identifikationspersonen für Millionen Menschen über mehrere Generationen hinweg darstellten, muten in der heutigen multimedialen Turbowelt märchenhaft und „unrealistisch“ an. Obgleich sie real sind, waren und es noch für eine lange Zeit sein werden. Aber jetzt sind sie nicht mehr „da“. Das ist ein Schock. Besonders im Falle Christopher Lees. Ihm verdanke ich das bittersüße Vergnügen meines bis heute präsentesten Albtraums. Den träumte ich mit etwa 7 Jahren, und es ging darum, dass ich in den kommenden Tagen zum Vampir gemacht werden sollte, was mir ein diabolischer, aber dennoch seltsam zuvorkommender Vertreter der blutsaugenden Spezies süffisant eröffnete. Ich weinte verzweifelt ob meines grausamen Schicksals und wachte glücklicherweise vor dem finalen Biss auf … Am nächsten Tag verspürte ich aber irgendwie ein Bedauern, denn schließlich wäre ich unsterblich geworden, hätte mich nachts auf Friedhöfen herumtreiben und meine Zähne in Hälse schlagen können (übrigens sind meine Eckzähne schon damals recht groß und spitz zulaufend gewesen). Schuld an diesem Traum waren mit Sicherheit ein paar kleine Fotos in einer Programmzeitschrift, denn im Frühsommer 1976 strahlte das ZDF im Rahmen der Reihe DER PHANTASTISCHE FILM (Heinz Edelmann schuf den kongenialen Zeichentrickvorspann, der sich auch der Symbolik des Vampir-Mythos bediente) die Hammer-Klassiker DRACULA und BLUT FÜR DRACULA aus. Teuflische, blutunterlaufene, weit aufgerissene Augen, streng zurückgelegte Haare und ein Mund mit furchtbaren Fängen, aus dessen Winkeln das Blut bis zum Kinn hinab rann. Nie im Leben hätte ich nach dem Traum dem in ein schwarzes Cape gewandeten Grafen aus Transsilvanien auf der Mattscheibe begegnen wollen; da die Ausstrahlung aber zur kindernachtschlafenden Zeit erfolgte, war ich auf der sicheren Seite, bis 1979, kurz vor meinen 10. Geburtstag, DIE HERREN DRACULA Samstagabend zur Primetime lief. Was so früh kommt, sollte doch „ungefährlich“ sein?! Ich traute mich wagemutig ran, und ab diesem Zeitpunkt war ich ihm verfallen, diesem Mann mit dem markanten Gesicht und dem stechenden Blick. Er begleitete mich fortan bis vor einigen Wochen, als ich den HOBBIT sah.

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