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IM GESPRÄCH MIT DEN SCREAM 6-REGISSEUREN MATT BETTINELLI-OLPIN UND TYLER GILLETT

DER WOHLIGE SCHATTEN VON WES CRAVEN

 

Passend zum neuen Trailer zu SCREAM 6 haben wir uns mit den beiden Regisseuren über den kommenden Teil des SCREAM-Franchises unterhalten. Erfahrt somit Wissenswertes über den Setting-Wechsel, den Paranoia-Aspekt, die Rückkehr von Kirby, die Abwesenheit von Sidney Prescott und wieso es toll ist, im Schatten von Wes Craven zu stehen.

DEADLINE: Ich denke, als ihr SCREAM 5 gedreht habt, war schon klar, dass es bei Erfolg eine Fortsetzung geben würde. Stand zu dieser Zeit jedoch auch schon fest, dass jene Fortsetzung in New York spielen würde?

Matt Bettinelli-Olpin: Wenn ja, dann wurde uns davon noch nichts gesagt. Als wir jedoch davon erfahren haben, waren wir deswegen sehr aufgeregt. Wir lieben die Stadt New York und Filme, die in New York spielen. Die Idee, Ghostface in New York von der Leine zu lassen, hat uns auf Anhieb gepackt.

 

Tyler Gillett: Es mag verrückt klingen, doch James und Guy (Anm.: er meint damit die beiden Drehbuchautoren James Vanderbilt und Guy Busick) haben uns nie ihr ganzes Konzept vorgelegt, welches sie mit ihren SCREAM-Filmen verfolgen. Ein Ansatz, der mir sehr gefällt, weil wir dadurch unbelastet an die Filme herangehen können. Als wir jedoch erfahren haben, dass das nächste Setting New York sein würde, hat uns das vollkommen vom Hocker gehauen.

Ghostface in Paramount Pictures and Spyglass Media Group’s „Scream VI.“ © 2022 Paramount Pictures. Ghost Face is a Registered Trademark of Fun World Div., Easter Unlimited, Inc. ©1999. All Rights Reserved.”. Ghost Face is a Registered Trademark of Fun World Div., Easter Unlimited, Inc. ©1999. All Rights Reserved.”

DEADLINE: Ist das neue Setting nun der Anfang einer neuen Ära, oder wird es irgendwann auch wieder zurück nach Woodsboro gehen?

Matt Bettinelli-Olpin: Es ist es noch zu früh, um dies einschätzen zu können. Fakt ist, Woodsboro ist ein essenzieller Teil der SCREAM-Filme, weswegen man den Ort nie abschreiben sollte.

 

DEADLINE: Das New-York-Setting eröffnet vollkommen neue Möglichkeiten für euch als Regisseure, die Kills von Ghostface auf ein nächstes Level zu hieven. In einem direkten Vergleich mit SCREAM 5, wie blutig und brutal wird SCREAM 6 sein?

Tyler Gillett: Ich würde sagen, wir bewegen uns mit dem neuen Film auf einem vollkommen anderen Level. SCREAM 5 war für uns eine Art Home-Invasion-Film – sozusagen ein intimer Slasher. Mit SCREAM 6 erweitert sich das Bild, wir öffnen das Szenario in einem Ausmaß, welches uns selbst immer noch erstaunt, wenn wir uns den Film ansehen. Wir haben Szenen im Film, wo wir uns teilweise fragen, wie wir so weit gehen konnten. Wir haben versucht, die urbane Atmosphäre von New York einzufangen und dafür zu nutzen, neue und intensive Set-Pieces zu kreieren.

 

DEADLINE: Der erste Trailer zu SCREAM 6 glänzt mit einem unbequemen Gefühl der vollkommenen Paranoia. Wie wichtig ist das Element der Paranoia in dem gesamten Film?

Matt Bettinelli-Olpin: Er ist sehr wichtig. Genau aus diesem Grund hat uns das New-York-Setting so begeistert, weil in solch einer großen Stadt sprichwörtlich jeder Ghostface sein könnte. Zusätzlich spielt die Handlung auch noch an Halloween. Masken und Verkleidungen sind somit allgegenwärtig, was das Gefühl der Paranoia hoffentlich noch verstärken wird.

 

DEADLINE: Wieso besteht eurer Meinung nach noch ein Bedürfnis nach Meta-Slashern wie den SCREAM-Filmen?

Tyler Gillett: Ich denke, es hat damit zu tun, dass sie einem die Möglichkeit geben, klar und unverblümt über den Zustand der Filmlandschaft zu sprechen. Für uns war genau dieser Aspekt so wichtig, als wir vor Jahrzehnten den ersten SCREAM-Film im Kino gesehen haben. SCREAM hat uns damals die Tür in eine Welt geöffnet, die wir selber noch nicht kannten. Die Zuschauer heute sind viel medialer, als es seinerzeit der Fall war, weswegen die Messlatte dessen, was es braucht, um das Publikum auf einer Metaebene zu packen, viel höher liegt. Wir hoffen, dass wir mit unseren Filmen einen Teil dazu beitragen, dass die Leute über Filme, Filmregeln, Klischees und vor allem das Horrorgenre an sich diskutieren werden.

DEADLINE: Die Fans werden es lieben zu hören, dass im neuen Film Hayden Panettiere in ihre aus SCREAM 4 bekannte Rolle als Kirby zurückkehrt. Wie wichtig ist es für euch, damit eine Art Fan-Service zu liefern?

Matt Bettinelli-Olpin: Es ist kein Fan-Service. Ursprünglich gab es die Idee, Kirby in einem Cameo in SCREAM 5 vorkommen zu lassen. Das wäre Fan-Service gewesen, was wir jedoch nicht wollten, da wir damit der Figur unrecht getan hätten. Wir haben uns ihre Rückkehr daher für SCREAM 6 aufgespart, in welchem sie eine gleichberechtigte Figur wie alle anderen ist. Sie hat etwas im Film zu tun. Für uns bedeutet dies, eine vollkommen neue Verbindung zu den vorangegangenen Filmen zu erstellen. SCREAM 5 war sehr stark mit dem ersten SCREAM-Film verbunden, während wir mit SCREAM 6 gewissermaßen eine Verbindung zu allen Filmen, somit auch zu SCREAM 4, herstellen wollen.

 

DEADLINE: Mit SCREAM 5 habt ihr euch noch ganz klar im Schatten des verstorbenen Wes Craven bewegt. Ist es euer Wunsch, mit SCREAM 6 aus eben jenem Schatten herauszutreten?

Tyler Gillett: Nein! Wir lieben es, im Schatten von Wes Craven zu stehen. Für uns ist das wie eine kuschlige Decke, die uns warm hält. Dass wir mit unseren Filmen das Erbe von Wes Craven weiterführen dürfen, ist für uns eine absolute Ehre. Wenn wir eine Idee haben und sich jene Idee nach SCREAM anfühlt, dann wissen wir, dass die Idee gut ist. Wes Craven ist für uns ein Maßstab, an welchem wir uns orientieren, ohne ihn jedoch kopieren zu wollen, da er dafür wiederum zu einmalig war. SCREAM 6 ist am Ende unser Film, der jedoch nicht existieren könnte, wenn es nicht diesen wunderschönen Schatten von Wes Craven geben würde.

 

DEADLINE: SCREAM 6 muss ohne die Anwesenheit von Sidney Prescott auskommen, da Neve Campbell für die Rolle nicht mehr zur Verfügung stand. Wie werden die SCREAM-Fans darauf reagieren, dass die Heldin der ersten Stunde nicht mehr dabei ist?

Matt Bettinelli-Olpin: Nun, wir haben es geliebt, mit Neve Campbell bei SCREAM 5 zusammenzuarbeiten, und wir lieben die Figur der Sidney Prescott. Ich kann auch sehr gut verstehen, wenn es Fans gibt, die sie im neuen Film vermissen werden. Nun ist es jedoch so, dass wir mit den neuen Figuren weiterziehen. Wir begleiten nun Sam, Tara und die anderen auf ihrem Weg. Dies in einer Art, welche hoffentlich ebenso unverbraucht ausfällt, wie es seinerzeit mit Sidney, Dewey, Gale und allen anderen gemacht wurde. Wir haben unser Bestes gegeben, um sicherzustellen, dass die Zuschauer zu den neuen Figuren eine ähnlich starke emotionale Bindung aufbauen können, wie es bei den alten Helden der Fall war.

 

DEADLINE: Wie war es damals, den ersten SCREAM-Film im Kino zu sehen?

Tyler Gillett: Es war eine absolut lebensverändernde Erfahrung. Ich habe mich noch nie zuvor durch einen Film so verängstigt, jedoch auch überrascht und unterhalten zugleich gefühlt. Wir haben uns oft darüber unterhalten, inwiefern uns SCREAM beeinflusst hat. Wir beide wurden durch den Film gewissermaßen in die richtige Richtung gestoßen – wir wären heute nicht hier und würden dieses Interview führen, wenn da nicht SCREAM gewesen wäre. SCREAM hat uns gezeigt, wie ein Film sein muss und was für Filme wir selbst machen wollen.

 

DEADLINE: Wie steht ihr heute zu der Idee, dass in SCREAM 5 Billy Loomis als eine Art Geist sein Comeback gefeiert hat? Es gibt schließlich viele Fan-Stimmen, die jene Idee als sehr cheesy empfinden.

Matt Bettinelli-Olpin: Er ist keine Art Geist, sondern eine reine Halluzination. Als wir damals das Drehbuch zu SCREAM 5 gelesen haben, war es genau dieser Punkt, über welchen wir uns am meisten unterhalten haben. Ob es klug ist, damit die Grenzen des Kanons zu erweitern, zu überschreiten. Doch genau deswegen haben wir die Idee im Film gelassen, weil sie genau das tut – sie überschreitet eine Grenze. Sie bringt ein wenig die Balance durcheinander, was uns sehr daran gefallen hat und es noch immer tut. Wir stehen daher auch heute noch hinter dieser Idee.

 

DEADLINE: Wenn ihr zum Abschluss SCREAM 6 mit einem Wort umschreiben müsstet, welches wäre das?

Tyler Gillett: Unerbittlich.

 

Matt Bettinelli-Olpin: Lustig.

 

Interview geführt von Nando Rohner

 

 

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